Eine Kammeroper von Momenten der Ewigkeit in einem fantastischen Ambiente
Story of Stone 2.0, aXe Graz
Text: Robert Goessl - 26.06.2026
Rubrik: Theater
Wenn Steine sprechen, oder wie in diesem Fall vielmehr singen könnten, was hätten sie uns zu erzählen? Sie existieren im Vergleich zu einem Menschenleben in fast unveränderlicher Ewigkeit. Die Komponistin und Musikerin Milica Vujadinovic, die auch Regie führt, schafft im einzigartigen Ambiente des mittelalterlichen Kellergewölbes des Theaterhauses, ein poetisches Werk, das zutiefst beeindruckt.
Die Performance beginnt bereits vor dem Betreten des Gewölbekellers: Die Tänzerin Stephanie Leitinger führt das Publikum animierend in den ersten Raum des Kellers, wo man sich sofort in einem Rave wähnt und auch zum Mittanzen aufgefordert wird – im ersten Moment ungewohnt für eine Kammeroper, aber Milica Vujadinovic hat keine musikalischen Berührungsängste. Die in kleinen Buchten an den Wänden eingefügten „Steine“, Teodora Ateljevic als Sopran und Felix Heuser als Bariton werden von der Tänzerin erweckt, mit denen es dann in den nächsten Raum zum Einnehmen der Sitzplätze geht.
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Orchester: Isidora Bulatovic, Milica Vujadinovic und Paula Rosenberg mit Sängerin Teodora Ateljevic (Fotocredit Michael Labres)
Die Musik verbindet sich mit dem Raum
Das Orchester, bestehend aus Paula Rosenberg (Geige), Isidora Bulatovic (Cello) und der Komponistin selbst am E-Piano, beginnt mit seinem Spiel. Die Musik wirkt zerbrechlich, die Töne bleiben leise und die minimalistische Besetzung spiegelt sich auch in der Musik wider, in der sich Mittelalterliches, und Folkloristisches mit Klassischem verbindet, mit Anklängen von Pop-Kultur. Es entsteht eine Beziehung zum Raum, den sie erfüllt, zu den Steinen am Fuße des Schlossbergs, an denen sich die Musik bricht und die sie widerhallen lassen.
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Orchester: Isidora Bulatovic, Milica Vujadinovic und Paula Rosenberg mit Sängerin Teodora Ateljevic und Sänger Felix Heuser (Fotocredit Michael Labres)
Die vergessenen Schmerzen sichtbar gemacht von stillen Zeugen
Die Tänzerin fungiert als aus der Zeit gefallene Taktgeberin, die die Sängerin und den Sänger in Bewegung setzt. Sie überwinden so ihre Starrheit allmählich, und so werden diese stillen Zeugen lebendig. Es entsteht ein Widerhall, als hätte sich die Zeit in ihnen eingeprägt, als hätten sie vergessene Erinnerungen gespeichert. So baut sich eine Verbindung zu den so kurzlebigen Menschen auf, in einem Raum, in dem man noch die Spuren der Spitzhacken erkennen kann, hinterlassen von den Menschen, die seinerzeit, mit ihrer reinen Muskelkraft, vor hunderten Jahren diesen Keller schufen. Deren vergessene und längst vergangene Schmerzen spiegeln sich im Gesang und in den Bewegungen wider.

Orchester: Isidora Bulatovic, Milica Vujadinovic und Paula Rosenberg mit Tänzerin Stephanie Leitinger (Fotocredit Michael Labres)
Der Raum wird durch die „Steine“ zum Leben erweckt
Es sind Splitter, kurze Momente des Daseins, die sich auch in den Farben der Lichtstimmungen von kühlem Blau zu feurigem Rot zeigen. Die Gefühle von Kälte, Dunkelheit und Gewalt werden in einer poetischen Langsamkeit reflektiert, als wären sie nur Schatten. Denn was ist schon der menschliche Schmerz in Bezug auf die Ewigkeit, was sind schon die Gelüste von Macht und die allgegenwärtige Gier des einzelnen Menschen? Etwas zwar wiederkehrendes, doch auch vergängliches angesichts eines Menschenalters. Der Geruch von Blut, Schweiß und Tränen, aber auch von frischem Heu und einer eingebrachten Ernte wird kurz spürbar durch das Gedächtnis der Steine, wie auch die Flüchtigkeit von Schönheit, von Formen und Farben, im Angesicht von verblassenden menschlichen Erinnerungen.
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Sängerin Teodora Ateljevic mit Tänzerin Stephanie Leitinger (Fotocredit Michael Labres)
Eine poetische Zeitreise, die die Kleinheit des Menschen zeigt
Milica Vujadinovic erschafft mit ihrem Team in sechzig Minuten eine poetische Welt, die am Ende wieder erstarrt. Es ist ein Abend, den man gerne in sich aufsaugt, als Versuch, ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen, die Geschichte eines Raumes und einer Zeit auf eine Art und Weise spürbar zu machen, als gäbe es für kurze Zeit eine Art Zeitlosigkeit, in der sich alles ein- und zusammenfügt. Auch wenn dabei Gefühle auftauchen, Geschehnisse und menschliche Abgründe erahnt werden können, steht hier einerseits die Wichtigkeit eines Moments und des eigenen Daseins infrage, angesichts der Zeitspanne eines menschlichen Lebensalters und dem, was vor einem war und nach einem kommen wird.

Sängerin Teodora Ateljevic (Fotocredit Michael Labres)
„Story of Stone 2.0” von Milica Vujadinovic im Kellergewölbe des Theaterhauses, Kaiser-Franz-Josef-Kai 50, 8010 Graz
Komposition, Regie und Libretto: Milica Vujadinovic
Geige: Paula Rosenberg
Cello: Isidora Bulatovic
E-Piano: Milica Vujadinovic
Sopran: Teodora Ateljevic
Bariton: Felix Heuser
Tänzerin: Stephanie Leitinger
Licht und Technik: Antonis Rouvelas
Termine:
24.07 (Mi), 25.07. (Do), 26.07. (Fr), 27.07. (Sa) jeweils 19:00
Eintritt freiwillige Spende
Vorreservierung aufgrund beschränkter Sitzplätze unter: axe.graz@gmx.at

Milica Vujadinovic erstarrt am Ende wieder (Fotocredit Michael Labres)
