Best Friends Forever Fest im Forum Stadtpark

Nachgefragt: Laura Kerschbaumsteiner & Rivka Saltiel, BFFF

Text: Sigrun Karre - 24.06.2026

Rubrik: Kulturland Steiermark
Nachgefragt: Laura Kerschbaumsteiner & Rivka Saltiel, BFFF

Laura Kerschbaumsteiner (li) & Rivka Saltiel, Fotocredit: Minou Tsambika Polleros

Die Kuratorinnen des ersten Best Friends Forever Fests am 26. Juni im Forum Stadtpark sprechen mit KUMA über Freund als Gegenmittel zur Einsamkeit, platonische Schmetterlinge im Bauch und einen Staat, der Liebe offenbar besser versteht als Freundschaft.

Freund:innenschaft steht beim BFFF im Zentrum. Was war der Auslöser, diesem Thema ein eigenes Fest zu widmen?

Im Zuge des neuen Jahresthemas „Island of Loners/Insel der Einsamen“ beschäftigen wir uns künstlerisch im Forum Stadtpark von Mai 2026 bis Jänner 2027 mit dem Gefühl und dem gesellschaftspolitischen Phänomen der Einsamkeit. Immer mehr Menschen in Österreich fühlen sich einsam und bestimmte Gruppen, wie chronisch Kranke, Geflüchtete und vor allem junge Menschen sind davon besonders betroffen. Wir sehen dorthin, wo Einsamkeit entsteht, aber auch wo sie bewältigt wird. Freund:innenschaft ist dabei ein wichtiges Stichwort — als zentrale soziale Beziehung, die aber unseres Erachtens zu wenig gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhält. Wir möchten mit BFFF, dem großen Fest der Freund:innenschaft, das Augenmerk auf jene Bande lenken, die Einsamkeit lindert und durch schwierige wie freudige Lebenssituationen trägt.

Warum reden wir so selbstverständlich über Liebe, aber so selten über Freundschaft?

Gute Frage … Auch Freund:innen können Schmetterlinge im Bauch zappeln lassen. Dennoch sprechen wir selten darüber, wie intensiv, aufregend und intim wir platonische Beziehungen erleben. Ein Grund dafür könnte sein, dass es wenig Sprache gibt, um diese Intimität zu benennen. Gesellschaft und Staat definieren Nähe primär über Sexualität, Ehe und biologische Verwandtschaft. Das regelt etwa, wer im Krankheitsfall Entscheidungen treffen darf oder wer Sorge und Verantwortung übernimmt. Viele gelebte Beziehungsformen reichen jedoch längst über romantische Paarbeziehungen und Kleinfamilien hinaus. In queeren Wahlverwandtschaften, solidarischen Sorgegemeinschaften und geteilten Wohnformen übernehmen Freund:innen Verantwortung füreinander und sichern sich gegenseitig ab. Anders als in Deutschland, Frankreich oder Kanada, wo Freund als Verantwortungsgemeinschaft oder in anderen rechtlichen Beziehungsformen diskutiert und teilweise bereits gelebt wird, bleibt diese Debatte in Österreich bislang weitgehend aus. Mit BFFF möchten wir erste Anstöße geben und diese Diskussion auch in Österreich vorantreiben.

„Das Private ist politisch“ – inwiefern trifft dieser Satz auch auf Freund:innenschaft zu?

Ja! Freund:innenschaft ist politisch! Sie organisiert Sorge, schafft Sicherheit und trägt Menschen durch den Alltag und Krisen. Und sie ist, wie die Autorinnen María do Mar Castro Varela und Bahar Oghalai beim BFFF zeigen werden, auch eine zentrale Dimension politischer Praxis: Sie schafft Allyship, stärkt Solidarität und ermöglicht kollektives Arbeiten.

Zwischen Workshops, Lesung, Podium und Ritualen: Worauf dürfen sich Besucher:innen besonders freuen?

Es ist Sommer! Gibt es eine schönere Jahreszeit, um sich Freund:innenschaft im Park, im FORUM STADTPAR, in all ihren Facetten zu widmen? Wir denken nicht! Manche Programmpunkte werden unter die Haut gehen. Neben Freund:innenschaftstattoos können aber auch andere Erinnerungsstücke entstehen, die eure Freund*innenschaft individuell ausdrücken. So können Objekte graviert, Freund*innenschaftsfotos geschossen, oder Liebesbriefe geschrieben werden. Ihr könnt aber auch einfach mit einem Cocktail in der Hand einige Fragen zu eurer Freund*innenschaft für euch beantworten und besiegelt sie, wenn ihr bereit seid, in einem Ritual fix forever. Lisa Krusches sehr persönlicher Text über ihre BFF öffnet unterschiedliche Perspektiven auf Freund:innenschaft, die die im anschließenden Podium politisch und gesellschaftlich weitergedacht werden. Wir schließen BFFF mit einem Konzert draußen im Grünen und stimmen uns gemeinsam auf die Pride am 27.06., einen Tag später, ein. Das wird schön!

Angenommen, ihr könntet morgen ein Gesetz zur rechtlichen Anerkennung von Freundschaften beschließen: Was würde darin stehen?

Absurderweise sind Freund*innen heute rechtlich fast ausschließlich in testamentarischer Form relevant. Aber wir finden, dass zwischen Geburt und Tod noch einiges zu machen ist. Ganz utopisch, aber keineswegs abwegig gedacht: Ein Gesetz für gemeinsame Kinderbetreuung und gemeinsames Sorgerecht (für mehr als zwei Bezugspersonen) würden wir verankern. Nachdem Freund:innenschaften oftmals länger standhalten als Partner:innenschaften oder Ehen und es zum Großziehen eines Kindes bekanntlich ein ganzes Dorf braucht, ist das längst überfällig!