Eine Europatour für die Weltrettung

Nachgefragt: KRA, Mission Arnold Schwarzenegger

Text: Sigrun Karre - 03.06.2026

Rubrik: Theater
Nachgefragt: KRA

Fotocredit: Fabian Zerche

KRA löst alle Konflikte der Welt. So jedenfalls lautet die Behauptung des Grazer Kollektivs. Mit „Mission Arnold Schwarzenegger“ reist es quer durch Europa, um die Welt zu retten. Mit KUMA sprach KRA über Klimaheldinnen statt starke Männer, die toxische Liebe zum Auto und kollektive Rettungsfantasien.

Wieso heißt KRA eigentlich KRA?

KRA ist kurz, laut und leicht zu merken. Außerdem klingt es wie ein Warnsignal, ein Vogelruf oder der Startschuss für eine bessere Welt. Das fanden wir passend. Über die genaue Bedeutung gibt es unterschiedliche Theorien. Fest steht: KRA löst alle Konflikte der Welt.

Die ersten Episoden von Mission Arnold Schwarzenegger entstanden 2025 in der KRArage in Graz, jetzt folgen 40 Shows quer durch Europa - wie stark schreibt jeder Ort eure Performance mit, und was kann im öffentlichen Raum passieren, das auf einer Theaterbühne unmöglich wäre?

Wir reisen durch viele Länder in ganz Europa, und so tun es auch die Heldinnen unseres Films Terminauto, dem ersten Actionfilm mit Klimaheldinnen. Es gibt dafür ein fertiges Drehbuch für eine Serie mit sieben Episoden, aber jeder Ort schreibt extrem stark mit. Das fängt schon bei der Umgebung an: Zuerst starten wir in unserem Headquarter, der Krarage in Graz. Von dort geht es an verschiedenste Settings, wie zum Beispiel ein altes Hafengelände in Norwegen, eine idyllische Insel in den Niederlanden, oder das Stadtzentrum von Pristina. Wir reisen mit einer Mission. Der öffentliche Raum ist deshalb so wichtig, weil die Klimakrise überall ist. Mission Arnold Schwarzenegger machen wir ja auch, um Aufsehen zu erregen. Das macht nicht erst der fertige Film, sondern schon der ganze Prozess. Die Leute sehen, dass hier etwas Wichtiges, etwas Großes entsteht. Sie sind interessiert, bleiben stehen, werden neugierig, kommen dazu, beobachten und reagieren auf uns, greifen ein, helfen oder widersprechen und verschwinden wieder. Die Wirklichkeit ist nicht Kulisse, sondern Mitautorin.

Mission Arnold Schwarzenegger entsteht gemeinsam mit dem Publikum. Wie viel Chaos braucht gute Kunst, wann wird Kontrollverlust produktiv?

KRA löst aktuell die Klimakrise. Das können wir nicht alleine, dazu brauchen wir die Leute. Bei Mission Arnold Schwarzenegger geht es um Collective Action. Die Menschen schauen nicht einfach nur zu, wir arbeiten gemeinsam an etwas. Wir versuchen dabei nicht, Chaos zu produzieren. Wir schaffen Situationen, in denen etwas Unerwartetes passieren darf, wo plötzlich etwas sichtbar wird, das vorher niemand auf dem Schirm hatte. Das Publikum ist dabei keine Störung des Systems, sondern ein wesentlicher Bestandteil davon.

Ihr behauptet, KRA löst „alle Konflikte der Welt“. Ist Satire vielleicht die letzte glaubwürdige Form von Hoffnung?

Ob man KRA für Satire halten will, kann jede*r für sich selbst entscheiden. Wir rücken aus, um der Realität nicht nur standzuhalten, sondern sie aktiv umzubauen. Wenn man uns fragt, was wir da machen, antworten wir: Wir tun, was notwendig ist. Wir sind davon überzeugt, dass man sich den Dingen stellen muss. Wir lösen die Konflikte der Welt. Manche mögen das Größenwahn nennen, wir nennen es Verantwortung. Unser Ansatz ist keine Flucht vor der Realität, sondern unsere Methode, ihr standzuhalten und sie zu verändern.

Warum faszinieren euch ausgerechnet überlebte Heldenbilder und Rettungsfantasien so sehr?

In Krisenzeiten taucht fast automatisch die Vorstellung auf, irgendjemand werde schon kommen und alles richten. Ein Held, ein Genie, eine Technologie, ein starker Mann. Aber das hat bis jetzt extrem schlecht funktioniert, wenn wir uns anschauen, wie es weltweit läuft und wem die Menschen vertrauen. Die alten Rettungsfantasien sind längst an ihre Grenzen gestoßen und richten nur noch mehr Schaden an. Die Welt braucht KRA. Wir sind die neuen Heldinnen. Aber die anstehenden Aufgaben sind zu groß für einzelne Figuren. Wir brauchen all unsere Unterstützer:innen. Also eigentlich: alle.

Mission Arnold Schwarzenegger geht mit der Europatour durch sehr unterschiedliche Orte und Kontexte - wie geht es danach weiter? Gibt es bereits Gedanken an eine nächste Etappe, geografisch oder thematisch?

Wohin uns Mission Arnold Schwarzenegger noch führt, werden wir sehen - höchstwahrscheinlich in die ganze Welt. Der nächste konkrete Schritt passiert im Herbst in Graz mit unserer neuen Arbeit: MISSION MUSTANG. Das Projekt ist ein Live-Roadmovie in einem temporären Autokino und trifft den emotionalen Kern globaler Krisen: den schmerzhaften Abschied von einem System, das ausgedient hat und uns zerstört. Wir verhandeln den unvermeidlichen Abschied vom Auto. Das Ende einer großen Liebe, die längst toxisch geworden ist, aber immer noch nach Freiheit duftet.

Folgt uns auf Instagram, um up to date zu bleiben, wo, wann und wie wir die Welt gerade retten!

v.l.n.r: Nora Köhler - she/her Vera Kopfauf - she/her Dana Crosa, Fotocredit: KRA

Termine

Mission Arnold Schwarzenegger befindet sich derzeit auf Europatournee. Aktuelle Stationen:

Graz/Österreich : Krarage 4.-6.6.

Porsgrunn/Norwegen: PIT Festival: 10.-13.6.

Terschelling/Niederlande: Oerol Festival: 12.-21.6.

Sotteville-lès-Rouen/Frankreich: Viva Cité Festival: 26.-28.6.

Helsingør/Dänemark: Passage Festival: 27.7.-1.8.

Priština/Kosovo: HAPU Festival: 26.-30.8.

Tàrrega/Spanien: Fira Tàrrega Festival: 10.-13.9.