Schnittblumen, Computerviren und heimliche Hochzeiten in Öl
Markus Huemer: Ein Fußballfeld muss baumfrei sein, Neue Galerie
Text: KUMA-Redaktion - 15.05.2026
Rubrik: Kleinkunst
Kopf und Herz vebindet die Ausstellung: Ein Fußballfeld muss baumfrei sein in der Neuen Galerie, die rund 80 Arbeiten von Markus Huemer zeigt. Der Linzer Künstler verbindet philosophische ansichten mit seiner Malerei, woraus sich spannende Gedankenexperimente mit sinnlicher Bilderfahrung vermischt. Die Schau ist eine von zehn Ausstellungen des Universalmuseum Joanneum zum Jahrestheam BLOOM.
Markus Huemer beschäftigt sich in seinen Gemälden mit den Schnittstellen unserer Wahrnehmung, wobei er die Interaktion von Bild und Realität im Kontext der digitalen Medien untersucht. Die Ausstellung präsentiert Naturdarstellungen wie beispielsweise Landschaften, Pflanzenstillleben und Blumenbilder. Alle Gemälde sind auf Basis digitaler Bilder entstanden, wie sie zigfach im Internet und auf sozialen Plattformen kursieren, ohne dass der Künstler die Motive in der Realität jemals mit eigenen Augen gesehen hat. Andere Motive wie beispielsweise die Blumenbilder der Ausstellung wurden von Huemer 3D-gescannt und digital aufbereitet. Die Ausstellung umfasst ca. 80 Gemälde aus den vergangenen 25 Jahren, welche die wesentlichen Werkblöcke der Naturdarstellungen von Markus Huemer zusammenführen. Begleitet wird die Schau von einem Katalog, in dem dieser Aspekt im Schaffen des Künstlers erstmals in seiner Gesamtheit ausführlich dargestellt werden soll.
Vom Maler zum Medienkünstler
Huemers Arbeitsweise hängt wesentlich mit seiner künstlerischen Genese zusammen. Als er, der neben Malerei auch Medienkunst studierte und sich außerdem profunde Kenntnisse aus Kunstgeschichte und Philosophie aneignete, in den 1990er-Jahren seine Laufbahn startete, wurde er als Maler kaum wahrgenommen. Begünstigt durch die Zeit und sein Umfeld begann er mit Arbeiten im Bereich Medien- und Netzkunst, die damals einen Hype erlebte und mit Huemer einen ihrer aufstrebenden Protagonisten hervorbrachte. So fand er 1997 erstmals auch seinen Weg in die Neue Galerie Graz, wo er in einer von Peter Weibel kuratierten "studio"-Ausstellung eine seiner ersten Medieninstallationen präsentierte. Das malerische Werk entstand parallel dazu, wobei es von Beginn an die Themen der Medienkunst und -kultur bearbeitete.
Nichtsdestoweniger ist Huemers Werk aber auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Mitteln und Möglichkeiten des ihm eigenen Mediums der Malerei. Die scheinbar beliebige Wahl von Motiven aus dem unerschöpflichen Bilderfundus des Internets, die Möglichkeit ihrer schier endlosen Wiederholbarkeit, die Offenlegung des Bildwerdungsprozesses, der Unfertiges, Rudimentäres neben Vollendetes stellt und damit die traditionelle Erwartungshaltung an die Illusion des Bildes entlarvt – all das sind Strategien des Malers, um die Konzepte von Kunst und Künstler*innen nicht zuletzt auch ironisch zu hinterfragen.
Was Huemers Malerei ungeachtet ihrer tiefgreifenden Verankerung in Theorien und vielfältigen Beziehungen weit über die Kunst und Kunstgeschichte hinaus letztlich im Kern auszeichnet, ist die Vermittlung eines hochgradig sinnlichen Kunst-Erlebnisses, eines ganz bewusst gesetzten ästhetischen Statements, worin Malerei als eine der ureigensten Reflexionsebenen des Menschen jenen humanistischen Blick auf die Welt einfordert, dessen sukzessiven Verlust sie thematisiert.

Markus Huemer. (Fotocredit: J.J. Kucek )
Markus Huemer
Markus Huemer, geboren 1968 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin; Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung; Kunstakademie, Düsseldorf; Fellowship, Kunsthochschule für Medien, Kunst- und Medienwissenschaften, Köln; Lehrauftrag an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt; Professur an der Akademie der Bildenden Künste Prag, Neue Medien

Ausstellungsansicht "Markus Huemer. Ein Fußballfeld muss baumfrei sein" in der Neuen Galerie Graz. (Fotocredit: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026)

Ausstellungsansicht. (Fotocredit: J.J. Kucek )

Ausstellungsansicht. (Fotocredit: J.J. Kucek )
