Eine Zeitreise in das goldene Zeitalter der Sketch-Comedy mit doppeltem Boden

Kritik: Sonny Boys, Theater im Keller

Text: Robert Goessl - 31.07.2026

Rubrik: Theater
„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Al Lewis (Alfred Haidacher) und Willie Clark (Bernd Sračnik) gehen einander auf die Nerven (Fotocredit: Max Wegscheidler)

Die traditionelle Sommerproduktion des Theaters im Keller findet heuer im Keller statt, und das ist bei Neil Simons Komödienklassiker fast schon symbolisch. Denn Willie Clark, gemeinsam mit Al Lewis ein Teil des ehemals sehr erfolgreichen Komikerpaars, hat sich jahrelang in ein Hotelzimmer zurückgezogen, seit Lewis relativ plötzlich nicht mehr weitermachen wollte, und damit das Duo ausgelöst wurde. Er bleibt so frustriert zurück und findet seitdem nicht mehr in die Spur.

Bernd Sračnik verkörpert Willie Clark voller – auch negativer – Energie als alten weißen Mann, der alle anderen seinen Frust spüren lässt und der nur mehr einmal pro Woche von seinem Neffen Ben Silverman (Leo Weingerl stets die Situation irgendwie rettend) Besuch bekommt. Beide kommen nur miteinander aus, weil der Neffe seinen Onkel ertragen kann, obwohl der aus allem einen Gag oder eine Beleidigung oder einen Gag samt Beleidigung macht. Das Leben von Willie scheint in einem Witz stecken geblieben zu sein, den er ernst nimmt, so wie er auf der anderen Seite sein Leben und den Zustand seines Körpers nicht so ernst zu nehmen scheint. Die Situationskomik, die dabei im Gespräch zwischen Onkel und Neffen entsteht, kann dabei schon einiges, auch wenn immer wieder das Gefühl aufkommt, beim Lachen peinlich berührt zu sein.
„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Willie Clark (Bernd Sračnik) allein in seinem Hotelzimmer (Fotocredit: Max Wegscheidler)

Willie Clark und sein Frust allein im Hotelzimmer des lustigen Grauens

Nachdem sein Neffe auch sein Agent ist, kommt dieser sogar mit einem konkreten Vorschlag: Ein großer Fernsehsender plant ein Special über die goldene Ära der Comedy und möchte dazu auch das legendäre Duo Clark und Lewis – und das für viel Geld. Mit großer Überredungskunst gelingt es Ben seinen Onkel dafür zu gewinnen, und so kommt es auch zu einem Treffen mit dem alten Feind Al Lewis (Alfred Haidacher als gediegener alter gebrechlicher Mann mit zynischen Einlagen) im Hotelzimmer, das, wie zu erwarten war, auf urkomische Weise eskaliert: Zwei Alphamännchen versuchen sich, um jeden Preis auf die Nerven zu gehen, ohne dabei zu bemerken, wie lächerlich sie dabei wirken. Doch während Willie vornehmlich nur mit sich selbst beschäftigt ist, versucht Al sich schon etwas mehr Mühe zu geben, was ihm aber auch nicht so ganz gelingt.
„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Willie Clark (Bernd Sračnik) mit deinem Neffen Ben (Leo Weingerl) (Fotocredit: Max Wegscheidler)

Die bittere Seite des Humors aus vergangenen Zeiten

Dass es beide dann tatsächlich ins Fernsehstudio schaffen, wirkt wie ein Wunder. Es gelingt ihnen sogar, gemeinsam ihren legendärsten Sketch halbwegs zu proben, und der latente Sexismus dieser Aneinanderreihung von mehr oder weniger guten Gags wird dadurch entschärft, dass der Neffe für die Rolle der geilen Blondie mit tollem Arsch einspringen muss – die Zeiten haben sich eben geändert. Dass bei der Probe für das Duo die Lacher aus dem Off eingespielt werden müssen, damit die beiden funktionieren, lässt sie auch ein wenig alt aussehen. Selbstverständlich kommt es auch im Fernsehstudio zu einer Eskalation zwischen den beiden. Die Emotionen schaukeln sich auf, während sich die beiden allerlei um die Ohren werfen, wobei am Ende Willies Körper nicht mehr mitmacht und er einen Herzinfarkt erleidet.
„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Willie Clark (Bernd Sračnik) und Al Lewis (Alfred Haidacher) in reger Diskussion miteinander (Fotocredit: Max Wegscheidler)

Ein stimmiger Abend voller Sprach- und Situationskomik samt Leuterung im Angesicht einer starken Frau

Zwei alte weiße Männer begegnen einander mit ihren übergroßen Egos und scheitern letztlich an diesen. Die Lächerlichkeit, die die beiden dabei an den Tag legen, und die Art und Weise, wie sie mit ihrem Umfeld umgehen, macht diese Komödie in der lockeren Inszenierung von Alfred Haidacher und Bernd Sračnik zu einem Gag-Feuerwerk mit bösen Untertönen und auch mit so manchem sexistischen Seitenhieb, der nicht mehr in die Zeit zu passen scheint. Dass am Ende Tamara Belic als Krankenschwester die Provokationen von Willie gekonnt souverän an sich abprallen lässt, und ihn einfach nur als gebrechlichen alten widerspenstigen Mann wahrnimmt, der nichts Besonderes ist, aber um den sie sich trotzdem so liebevoll wie möglich kümmert, wirkt da als wohltuender Gegenpart – samt allmählicher Leuerung Willies, der am Ende in seiner gegenwärtigen Lage auch gedanklich anzukommen scheint. Insgesamt ergibt sich ein stimmiger Abend voller Sprach- und Situationskomik, der etwas von einer Zeitreise in sich hat. Für alle Nichtamerikaner und dem Bildungsauftrag nachkommend: Die Namenswahl des Komikerpaars durch Neil Simon ist nicht zufällig und geht tief in die US-amerikanische Geschichte zurück: Die Lewis-und-Clark-Expedition vom 14. Mai 1804 bis zum 23. September 1806 war die erste amerikanische Überlandexpedition der Vereinigten Staaten zur Pazifikküste und zurück. Expeditionsleiter waren Meriwether Lewis und William Clark.
„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Die Krankenschwester (Tamara Belic) bei Willie Clark (Bernd Sračnik) (Fotocredit: Max Wegscheidler)

„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Darsteller:innen: Bernd Sračnik, Alfred Haidacher, Leo Weingerl, Tamara Belic Regie und Bühne: Bernd Sračnik/Alfred Haidacher Assistenz: Leo Weingerl Technik: Maude Maure Kostüm: Eva Weutz Termine: 29.07. (Mi), 30.07. (Do), 31.07. (Fr), 01.08. (Sa), 05.08. (Mi), 06.08. (Do), 07.08. (Fr), 08.08. (Sa), 12.08. (Mi), 13.08. (Do), 14.08. (Fr), 15.08. (Sa), 19.08. (Mi), 20.08. (Do), 21.08. (Fr) , 22.08. (Sa) jeweils 19:30 Link zur Kartenreservierung
„Sonny Boys“ von Neil Simon im Theater im Keller

Al Lewis (Alfred Haidacher) und Willie Clark (Bernd Sračnik) beim Sketch (Fotocredit: Max Wegscheidler)