Fünf Einakter als humorvolle Aufarbeitung der Geschlechterrollen

Kritik: Frauen sind anders, Theater im Kürbis

Text: Robert Goessl - 15.07.2026

Rubrik: Theater
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Uli Wonisch als Rosaline und Gudrun Lukas als Helene in „Heirat- oder alles für die Katz“ von Margot Weller (Fotocredit: Nadine Geuter)

Die Sommerproduktion des Theaters im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall zeigt fünf Kurzstücke zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Frauen und Männern, jedes von einer(m) anderen Regisseur:innen inszeniert. Den Rahmen bildet eine anregende Zwischenmoderation von Maria und Karl Posch, die einander dabei auch nichts schenken. Die elegant, ebenfalls von Karl Posch aus wenigen Elementen gestaltete Bühne passt sich dabei schnell und unkompliziert jeder neuen Situation an.

„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Franz Fenninger und Gudrun Lukas in „Feierabend“ von Loriot (Fotocredit: Nadine Geuter)

Der kurze, prägnante Anfang zum Aufnehmen des Tempos

Den Beginn bildet der bekannte Sketch „Feierabend“ von Loriot unter der Regie von Peter Eisner. Das namenlose Paar spielen Gudrun Lukas und Franz Fenninger. Am Anfang lässt man sich etwas Zeit, aber dann gibt es zumindest aufseiten der Frau immer mehr Tempo. Die Hauptrolle übernimmt dabei wohl das Metronom, mit dem die Frau das Tempo vorgibt und immer weiter erhöht – zumindest ihr Tempo. Der Mann reagiert darauf nur bedingt, und das Missverständnis scheint darin zu liegen, dass sie ihre Unruhe auf ihn projiziert. Das Nichtstun scheint für sie der große Feind zu sein, und sie steigert sich dabei mehr und mehr, wobei Gudrun Lukas eine fulminante Show abzieht. Aber vielleicht will sie ihn ja nur loswerden …
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Franz Fenninger und Gudrun Lukas in „Feierabend“ von Loriot (Fotocredit: Nadine Geuter)

Tiefe Gedanken beim Warten auf die Koralmbahn

Ganz anders geht es bei „Hilde auf dem Bahnhof“ von Helmut Schmidt unter der Regie von Karl Wiedner zu. Der norddeutsche Einakter wurde nach Österreich verlegt, genauer der Bahnhof nach Kärnten – Stichwort Koralmbahn – und die Herkunft der Hauptperson in die Weststeiermark – also quasi vor Ort. Hilde (Uli Wonisch) ist in einem Kärntner Bahnhof gestrandet und wartet auf ihren verspäteten Zug nach Hause. Dabei denkt sie über das Verhältnis mit ihrem Mann nach und reflektiert den aktuellen Zustand ihrer Ehe – und kommt dabei zu keinem guten Ergebnis. Beide sind in Pension, doch die Arbeitsaufteilung zwischen den beiden fällt sehr zu ihren Ungunsten aus. Denn sie fuhr nach Kärnten, um sich um die pflegebedürftige Schwiegermutter ihres Mannes zu kümmern, während er zu Hause sitzt, unfähig, sich etwas zu essen zu machen. Es schwebt also das Thema der ungleichen Verteilung der Care-Arbeit über der Inszenierung. Und sie musste sich eingestehen, dass man es als Frau schwerer im Leben hat. Dabei haut Uli Wonisch raus und zeigt alle Facetten zwischen Verzweiflung und Wut, auch wenn sie sich am Ende beruhigt und sich mit den schönen Erinnerungen an die vergangene Zeit mit ihrem Mann tröstet.
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Uli Wonisch als Hilde in „Hilde auf dem Bahnhof“ von Helmut Schmidt (Fotocredit: Nadine Geuter)

Eine Falle für den alten weißen Mann

In „WOW“ von Hugo Wiener, der einen Großteil der legendären Doppelconférencen für Karl Farkas und Ernst Waldbrunn schrieb, unter der Regie von Gernot Grinschgl versucht sich der verheiratete Dr. Robinson (mit Gleichmut und Selbstverständlichkeit Karl Wiedner) in einem extra dafür gemieteten Apartment an einem Seitensprung – und man hat sofort das Gefühl, dass das bei ihm wohl häufiger vorkommt, denn er wirkt schon ziemlich routiniert. Seine Eroberung Claudia (energiereich und auch sehr souverän Johanna Wabnegg) erscheint pünktlich, doch eine Reporterin, mit der er auch einen Termin hat, hat deutliche Verspätung. Beim netten Kennenlernen zwischen den beiden scheint alles klar zu sein, auch wenn Claudia ihrem Abenteuer mitteilt, dass ihre Partnerin extrem eifersüchtig ist und ziemlich schnell ausflippt. Doch die Ankunft der Reporterin unterbricht das Gespräch und Claudia flüchtet in das Badezimmer. Als sich dann die Reporterin (Gudrun Lukas als Energiebündel) als ihre Partnerin herausstellt, und auch, dass das lesbische Paar so eine Aktion häufiger macht, um verheiratete Männer auszunehmen, fühlt sich das wie ein Happy End an.
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Johanna Wabnegg als Claudia und Karl Wiedner als Dr. Robinson in „WOW“ von Hugo Wiener (Fotocredit: Nadine Geuter)

Ein wenig „Seitenblicke“ im eigenen Wohnzimmer

Mit „Vernissage“ wird ein weiterer Einakter von Hugo Wiener gezeigt, dieses Mal unter der Regie von Julia Krasser. Dieses Stück hebt sich etwas von den anderen ab, da Melina Schuster als Frau und Gernot Grinschgl als Mann sich gemeinsam als Teil der Möchtegern-Gesellschaft karikieren. Denn wozu geht man zu einer Vernissage? Nicht um die Bilder zu betrachten, sondern um den neuesten Klatsch und Tratsch zu erfahren. Es ist herrlich, wie Melina Schuster beim fulminanten Erzählen die Attribute ihrer Selbstdarstellung demonstrativ ablegt, bis hin zu den falschen Wimpern, während sie über die anderen herzieht und sich auch über deren übertriebene Aufmachung aufregt. Gernot Grinschgl kommentiert dazu noch das Gehörte pointiert – die beiden scheinen da ein perfektes süffisantes Team zu sein.
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Gernot Grinschgl und Melina Schuster in „Vernissage“ von Hugo Wiener (Fotocredit: Nadine Geuter)

Auf der Suche nach einem neuen Mann – oder doch nicht?

„Heirat – oder alles für die Katz“ von Margot Weller sticht von allen gewählten Einaktern etwas heraus. Unter der Regie von Stefan Eisner entfaltet sich zwischen der verwitweten Pensionistin Rosalinde (Uli Wonisch) und ihrer etwas jüngeren Nachbarin und Freundin Helene Gudrun Lukas ein interessanter und humorvoller Dialog. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei ihrem verstorbenen Ehemann um ein offensichtlich traditionelles und nicht besonders hübsches (was ein Foto beweist), aber ein klein wenig arbeitsscheues Exemplar der Gattung gehandelt hat, das sie immer wieder posthum in Bewegung setzt, wenn sie eine Sanduhr mit seiner Asche hervorholt und diese zum Fließen bringt. Rosalinde ist kein Kind von Traurigkeit, und Geld hat sich für sich genug zurückgelegt, dennoch plagt sie die Sehnsucht nach einem Mann an ihrer Seite und die Angst, keinen zu finden, weil sie selbst „auch nicht mehr ganz knusprig ist“. Irgendwie scheint sie da doch im weiblichen Rollenverständnis festzuhängen, obwohl ihre Freundin Helene sie davon zu überzeugen versucht, dass sie ihre Freiheit genießen soll. Das Zusammenspiel zwischen den beiden funktioniert dabei perfekt und so manche Pointe wird dabei eiskalt serviert. Trotz Helenes Abraten von einem neuen Mann wird eine Zeitungsannonce aufgegeben, auf die sich aber nur Mängelexemplare der männlichen Zunft melden und eine Frau, die ihren Mann loswerden will. So darf sich dann das Publikum beim Hinausgehen an einer Schachtel mit den Antwortbriefen auf die Announce bedienen …
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Uli Wonisch als Rosalinde und Gudrun Lukas als Helene in „Heirat - oder alles für die Katz“ von Margot Weller (Fotocredit: Nadine Geuter)

Ein vielfältiger Abend mit Humor und Ernsthaftigkeit

Die Aufführung bedient nur selten platte Geschlechterklischees, es stehen die Frauen im Vordergrund mit ihren Lebensumständen, ihrem Selbstverständnis und ihrem Leiden am traditionellen Rollenverständnis. Wobei manche weiblichen Figuren hinterfragen, inwieweit sie selbst im traditionellen Frauenbild festhängen. Dabei gibt es immer wieder Ausbrüche und es werden so Ungerechtigkeiten aufgezeigt, das wird aber immer auf lockere Weise serviert. Und manchmal nimmt man sich einfach nur selbst aufs Korn, und so kommt ein Abend zustande, der einerseits unterhält und andererseits auch ein wenig zum Nachdenken anregt.
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Karl Wiedner als Dr. Robinson und Gudrun Lukas als Reporterin in „WOW“ von Hugo Wiener (Fotocredit: Nadine Geuter)

„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Regie: Peter Eisner, Stefan Eisner, Gernot Grinschgl, Julia Krasser, Karl Wiedner Darsteller:innen: Franz Fenninger, Gernot Grinschgl, Gudrun Lukas, Melina Schuster, Johanna Wabnegg, Karl Wiedner, Uli Wonisch Moderator:innen: Karl Posch, Maria Posch Technik: Rupert Wiedner Bühnenbild: Karl Posch Termine: 02.07. (Do), 08.07. (Mi), 09.07. (Do), 10.07. (Fr), 16.07. (Do), 17.07. (Fr), 18.07. (Sa) jeweils 19:30 05.07. (So), 12.07. (So), 19.07. (So) jeweils 17:00 Ticketlink
„Frauen sind anders“ vom Theater im Kürbis in der Schlosstenne Burgstall

Das Regie-Team: Karl Wiedner, Peter Eisner, Julia Krasser (hinten), Gernot Grinschgl, Stefan Eisner (vorne)