Die Stückentwicklung eines jungen Ensembles über den Alltag in der Schule
Kritik: Die Farbe der Liebe, Kellerkinder des Theaters im Keller
Text: Robert Goessl - 05.07.2026
Rubrik: Theater
Wer erinnert sich nicht gern an seine Schulzeit? Man kann davon ausgehen, dass die Antwort darauf durchaus ambivalent ausfallen wird. Und so vielseitig zeigt sich auch die Inszenierung „Die Farbe der Liebe“ im Theater im Keller, bei der ausschließlich Teenager auf der Bühne stehen, die in den 90 Minuten ihre Sache verdammt gut machen.
Wir haben einen vermeintlichen Außenseiter auf der Bühne, der so etwas wie den Erzähler darstellt, und der die Charaktere, die nach und nach auf der Bühne auftauchen, vorstellt. So erfahren wir von ihm, dass er vom Basketballstar der Schule zum Tagebuchschreiber wurde, zum Beobachter, all dessen, was sich in dem Soziotop rund um ihn in den Klassen abspielt, welche Freund- und Feindschaften es gibt, wie seine Schulkolleg:innen ticken und welche No-Gos sich in dieser Gemeinschaft herausgebildet haben.

Fotocredit Theater im Keller
Zwölf junge Menschen, die einander und die Bühne zum Strahlen bringen
Jeder der Charaktere ist liebevoll und detailreich gefertigt und wird auch glaubwürdig dargestellt. So taucht man als Zuseher mehr und mehr in die Dynamiken einer Teenagerwelt ein, einer Welt voller Wünsche, Träume und Freundschaften, aber auch von Rivalitäten, Eifersüchteleien und Hierarchien. Man findet zu sich selbst und zueinander, man scheitert auch immer wieder einmal, lässt sich aber davon letztendlich nicht unterkriegen. Es werden zarte Bande geknüpft, und das Hauptthema, die Zusammenlegung zweier Klassen entgegen dem Willen der Schüler:innen, gerät dabei fast in den Hintergrund, auch wenn man sich zunächst gegeneinander wortreich rüstet.

Fotocredit Theater im Keller
Auf Entdeckungsreise in der Welt der Gefühle
Doch, wenn auch anfangs etwas widerwillig, versucht man, auf einer Party zueinanderzufinden, und die Grenzen zwischen den Klassen beginnen sich mehr und mehr aufzulösen – man zeigt dabei nicht nur soziale Kompetenzen, man schafft es auch, Respekt vor den Lebensweisen anderer aufzubringen, wobei auch in jeder Rolle eine wohltuende Selbstironie zu spüren ist. Und so bleibt auch offen, ob nun eine graue Badehose oder ein roter Badeanzug die Farbe der Liebe repräsentiert. So wie die jungen Menschen in dieser Inszenierung dargestellt werden, reift da eine Generation heran, die Hoffnung macht: Trotz so mancher Unstimmigkeiten und Liebeswirren gewinnt man die Erkenntnis, dass man gemeinsam stärker ist.

Fotocredit Theater im Keller
Ein wunderbares Ensemble erzählt wunderbare Geschichten über die Dynamiken in einer Klassengemeinschaft
Die Inszenierung ist wirklich beeindruckend – vor allem wenn man bedenkt, dass die Themensuche, die Figurenfindung und familiäre und andere Hintergründe oder jeweilige Charaktere und fast alle im Stück vorkommenden Situationen und Dialoge von den zwölf „Kellerkindern 2026“ selbst entwickelt wurden. In vielen Gesprächen und Versuchsabläufen und in reaktioneller Zusammenarbeit, vor allem mit Gabriel Rieger, wurden die Abläufe perfektioniert und in Textform gebracht. Das Ergebnis ist eine intelligente Komödie, authentisch, hervorragend gespielt und mit Tempo und raschen Szenenwechseln. Es wäre keine Überraschung, wenn jemand von den Akteur:innen auf die oder andere Weise später mal auf einer größeren Bühne auftauchen würde.

Fotocredit Theater im Keller
„Die Farbe der Liebe“ – entwickelt von den „Kellerkindern 2026“ im Theater im Keller
Darsteller:innen: Lena Daradin, Stella Forrester, Emilie Haidacher, Konstantin Kern, Sandro Lesage, Gabriel Rieger, Maja Thek, Aurelia Trinkl, Joel van Bossche, Pius Wankhammer, Lilli Wrann, Hannah Zefferer
Kursleitung und Bühne: Alfred Haidacher
Technik: Maude Maure/Ilias Mouaddib/Timon Weutz
Bühnensassistenz: Leo Weingerl
Alles Sonstige vom Verfassen des Stücks (in Form gebracht von Gabriel Rieger mit Alfred Haidacher) bis zu den Kostümen: Ensemble
Termine:
29.06. (Mo), 01.07. (Mi), 02.07. (Do), 03.07. (Fr), 04.07. (Sa), 06.07. (Mo), 07.07. (Di), 08.07. (Mi) jeweils 19:30
Kartenreservierung unter Theater im Keller

Fotocredit Theater im Keller
