Ein Chor gegen die Einsamkeit
Werner-Fenz-Stipendium an Francesca Grilli
Text: Karoline Pilich - 25.03.2026
Rubrik: Kunst
Zum zweiten Mal vergeben der steirische herbst und die Stadt Graz gemeinsam das Werner-Fenz-Stipendium für Kunst im öffentlichen Raum.
Das mit 17.000 Euro dotierte Stipendium beinhaltet die Umsetzung einer künstlerischen Arbeit während des steirischen herbst und geht heuer an Francesca Grilli. Die 1978 in Bologna geborene und in Brüssel lebende Künstlerin konnte die Jury mit ihrer Performance "Record" als stärkste aus 269 Einreichungen, fast doppelt so viel wie beim letzten Mal, überzeugen.

Videostil aus Francesca Grillis geplanter Performance Record (Fotocredit: Liliana Simões)
Mit Kunst gegen Einsamkeit
Kulturstadträtin Claudia Unger hofft, dass das Projekt von Grilli viele Menschen zum Nachdenken anregen wird. “Mit dem Stipendium drückt die Stadt Graz ihre Wertschätzung und Anerkennung für das Schaffen von Werner Fenz aus. Einsamkeit ist eines der großen Themen unserer Zeit,” sagt sie zum heurigen Siegerprojekt. “Kunst im öffentlichen Raum ist ein wirkungsvolles Mittel, um sich der Außenwelt verbunden zu fühlen und Gemeinschaft zu stiften,” fügt Ekaterina Degot, Intendantin und steirischer herbst Chefkuratorin hinzu. Der steirische herbst findet dieses Jahr von 24. September bis 18. Oktober statt.
Francesca Grilli: Radikale Empathie als Prinzip
Die italienische Künstlerin Francesca Grilli beschäftigt sich in ihren Performances und Installationen mit multidisziplinärer Sprache, Einsamkeit und sozialer Isolation. Des Weiteren ist sie für die Zusammenarbeit mit Non-Professionals bekannt. Ihre Werke wurden in einer Vielzahl von Solo- und Gruppenausstellungen in internationalen Museen und Institutionen gezeigt, darunter: Kaunas Biennal (2019), Palais De Tokyo, Paris (2017), Biennale von Venedig (2013), Serpentine Galleries, London (2009) und andere.
Francesca Grilli beschäftigt sich in Record mit der Frage “Was ist Einsamkeit?”. “Im Kontext der Forderung nach ständiger Sichtbarkeit und Produktivität untersucht Record das politische Potenzial von Rückzug und Unsichtbarkeit. Inspiriert von der Figur des Hikikomori denkt das Projekt den Rückzug nicht als Passivität, sondern als eine Form des Widerstands neu,” so die Performance-Künstlerin. Als Hikikomori bezeichnet man in Japan ein zeitgenössisches Phänomen, bei dem Menschen extrem zurückgezogen leben und soziale Kontakte meiden.

Ekaterina Degot, Intendantin und steirischer herbst Chefkuratorin (Fotocredit: Marija-M. Kanižaj)
Werner-Fenz-Stipendium: Lokale Aspekte reflektieren und Diskurse initiieren
Das Werner-Fenz-Stipendium richtet sich an nationale und internationale Projekte, die sich mit dem sozialpolitischen Kontext von Graz auseinandersetzen. Vom Kulturreferat der Stadt Graz 2020 auf Initiative von über 200 Kunstschaffenden, Kuratorinnen und Kuratoren, Journalistinnen und Journalisten und anderen Mitgliedern des Kunstbetriebs eingerichtet, würdigt das Stipendium die Verdienste des Kunsthistorikers und Kurators Werner Fenz (1944–2016) um die Kunst im öffentlichen Raum, die im steirischen herbst eine lange Tradition hat.
