"Ich will die Jäger:innen und die Vegetarier:innen"
Nachgefragt: Thomas Sobotka, Stieglerhaus
Text: Sigrun Karre - 18.02.2026
Neuer Chef, neues Jahresmotto: Thomas Sobotka macht das Stieglerhaus in St. Stefan ob Stainz zur Kultur-Konstante in der Region. Mit KUMA sprach er über das Stieglerhaus als Sehnsuchts- und Ernüchterungsort, kuratorische Entscheidungen im Spagat zwischen Machbarkeit und Anspruch und die Kunst, mehr Fragen als Antworten zu produzieren.
Du hast Ende 2025 die künstlerische Leitung im Stieglerhaus übernommen. Was bleibt, was wird als Erstes spürbar anders, und welche Rolle soll das Haus in der Region spielen?
Das Stieglerhaus ist und bleibt ein Ort der Begegnung und der kulturellen Vernetzung, an dem Menschen durch Kunst und Kultur zusammengeführt und inspiriert werden. Bewährte Formate wie WE TALK ABOUT SCIENCE, der Kurrentkurs, Eine(r) von uns, das RepairCafé und „Wege in die Zukunft | Filme, die Mut machen“ werden volley übernommen bzw. behutsam adaptiert. Das FrauenCafé wird als Frauen | Zeit neu positioniert. Und mit dem TanzCafé wollen wir die Generationen zusammenführen.
Vieles wird sich unmerklich verändern, anderes werden wir erst entwickeln. Wir sind ein neues, hoch motiviertes Team. Programm und Organisation werden klarer strukturiert. Das Stieglerhaus soll in der Region zu einer nicht mehr wegzudenkenden Konstante werden, die das ganze Jahr über ein vielfältiges, diverses, spartenübergreifendes und stets qualitativ hochwertiges Programm bietet — und damit auch über die Region hinaus strahlt.

Schriftstellerin Nava Ebrahimi liest im März aus ihrem aktuellen Roman "Und Federn überall", Fotocredit: Clara Wildberger
Woran erkennt man im Programm 2026 das Jahresmotto „ganz wie zu haus“ ganz konkret, bei Stoffen, Gästen und Formaten?
Einerseits wollen wir die Gäste mit offenen Armen empfangen und sie in Haus und Garten einladen. Unsere erste Ausstellung „unterwegs“ von Maxi Hazon ermöglicht ja auch über Bande den Besuch des ganzen Hauses. Immer geöffnet zu den Bürozeiten und jeweils 1h vor Veranstaltungen bzw. nach Vereinbarung. Daneben geht es aber vor allem um den ambivalenten Begriff ZUHAUSE. Als Ort und als Emotion. Der Dokumentarfilm „Unsere Zeit wird kommen“ von Ivette Löcker verhandelt am Beispiel eines interkulturellen Paares Heimat, Kolonialisierung, Imperialismus und Xenophobie und wird so zum Pars pro toto.
Im Vortrag von Peter Strasser wird die Phrase „ganz wie zuhause“ im Hinblick auf die politischen Entscheidungsträger seit der Nachkriegszeit beleuchtet. Und so wird das Thema im Laufe des Jahres aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt: SoSamma, “Und Federn überall“ von Nava Ebrahimi, “Schilcher ABC“ von Reinhard P. Gruber, “Hormone Singers“ von den Rabtaldirndln, David Lapuch Kurzfilm Double Feature und natürlich “Tschechows Garten“

Das Stieglerhaus-Team: v.l.n.r. Barbara Schaffer, Markus Hammer, Thomas Sobotka, Anna Julia Stolz, Elias Plösch, Fotocredit: Nikola Milatovic.
Als Leiter und Regisseur bei Theater t'eig und Produktionsleiter und Dramaturg bei großen Festivals hast du viel Erfahrung mit Produktion und Publikum gesammelt. Was davon nimmst du ins Stieglerhaus mit, und an welcher Stelle erfordert der neue Kontext ein Umdenken?
Du planst eine Theaterproduktion pro Jahr, bei der du selbst Regie führst. Was ist dein Regie-Versprechen für Tschechows Garten (Premiere 19. August) in einem Satz, und welche Frage soll der Abend offenlassen?
Welche drei Abende oder Tage sind deine persönlichen Highlights 2026, und welche Menschen würdest du dabei gern öfter im Publikum sehen, ohne gleich in Zielgruppen zu denken, gerade auch rund um St. Stefan ob Stainz?
Wenn ich sage: Cie. Fenfire, Rabtaldirndl und Air Rapide feat. Christian Bakanic stimmt das genauso wie “Gestern hots grengt“, “Schilcher ABC“ und “Processing Hiob“ und Frauen | Zeit, TanzCafé und Sommertheaterwerkstatt.
Ich will die Kinder und Jugendlichen und die Senior:innen, die Arbeitstätigen und die Pensionist:innen, die Jäger:innen und die Vegetarier:innen, die Hiesigen und die Auswärtigen, zu denen ich ja auch gehöre. Aber mit dem Auto braucht man von Graz nur eine halbe Stunde und der Bus hält direkt vor der Haustür und fährt auch nach 22:00 Uhr noch retour

Die Compagnie FENFIRE kommt mit ihrer Installation IS IT A TRICK? im April ins Stieglerhaus, Fotocredit: Compagnie FENFIRE
