Mit Stricken und Bingo die Kinos füllen
Nachgefragt: Cinema Talks Interludes
Text: Karoline Pilich - 27.04.2026
Rubrik: Film und Kino
Das Team von den Cinema Talks Interludes, Natalie Pinter, Ines Handler und Zoe Borzi, spricht von seinem neuen Format und darüber, wie es Menschen wieder ins Kino bringen will.
Woher kam die Idee für die Cinema Talks Interludes - für ein Krimi-Bingo und ein Strick-Kino?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: In den letzten 6 Jahren haben wir das internationale Kurzfilmfestival Cinema Talks veranstaltet. 2025 fand die letzte Festivalausgabe statt. Mit der aktuellen förderpolitischen Lage in der Steiermark und den damit verbundenen Förderkürzungen war es uns nicht mehr möglich, das Festival in unserem Sinne zu veranstalten. Die Cinema Talks Interludes sind für uns, wie der Name schon sagt, ein Zwischenspiel, eine Möglichkeit weiterhin unsere Anliegen kulturpolitisch an die Leute zu bringen. Der Entwurf zu den Interludes lag bereits in den letzten 5 Jahren in unserer Schublade und jetzt kam der richtige Zeitpunkt dafür, die Idee endlich umzusetzen. Für uns bedeutet das weiterhin engagiert zu sein für einen niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur – und wir finden, das macht man am besten, indem man die Leute einbindet. Deshalb unsere zwei interaktiven Formate Krimi-Bingo und Bring Your Hobby to the Cinema.
Bei Cinema Talks wurden nationale und internationale Kurzfilme gezeigt - jetzt zeigt ihr große Langfilme - was ist bei der Organisation anders?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Für die Langfilme arbeiten wir jetzt mit großen Verleihen zusammen. Außerdem hat sich unser Publikum zum Teil verändert. Das verlangt anderes Marketing und Kooperationen, da wir auf unser neues Publikum eingehen wollen. Der Modus der Screenings ist ein anderer, deshalb teilen sich unsere Arbeitsgebiete auch anders auf. Für uns ist das auch eine neue Spielwiese und wir freuen uns, unsere Skills erweitern zu können. Die jahrelange Arbeit mit Kurzfilmen hat uns aber in jedem Fall gut geschult und vorbereitet, auch mit Langfilmen zu arbeiten.
Wie geht es euch persönlich mit der Organisation von insgesamt fixen Programmpunkten das ganze Jahr über statt einer geballten Festivalwoche?
Ines Handler: Für das Festival haben wir in Extremen gearbeitet. Einige Monate waren sehr ruhig und die drei Monate vor dem Festival dafür enorm viel Workload! Viele kleine Meilensteine im Jahr verteilt zu haben, ist sehr angenehm. Außerdem schätze ich die laufende Zusammenarbeit mit Zoe und Natalie, unsere kontinuierlichen Jour fixe und Check-ins miteinander. Es stärkt uns auch als Team.
Zoe Borzi: Bei einem einwöchigen Festival, auf das man hinarbeitet, ist die Arbeit völlig unlinear im Jahr verteilt. Man arbeitet auf einen großen Höhepunkt hin und dann flacht es wieder ab. So hat man lauter kleine Höhepunkte, auf die man sich freut. Und unsere Arbeitszeiten sind fast normal, [lacht].
Natalie Pinter: Es ist auch aufs Publikum bezogen sehr schön. Wir haben jetzt laufend Kontakt zu unserem Publikum, anstatt es nur einmal im Jahr zu sehen. Wir freuen uns, bekannte Gesichter in Screenings wiederzuerkennen und den Bezug zu den Leuten aufrechtzuerhalten. Das gibt noch mehr Community-Gefühl.
Ihr seid im März 2026 mit eurem neuen Format gestartet - Wie waren die Reaktionen auf Cinema Talks Interludes, von wem gab es Unterstützung?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Als wir unser Comeback mit den Interludes auf Instagram angekündigt haben, war die Resonanz enorm. Die Posts wurden teilweise hundertfach geteilt, so viele Leute haben es in ihren Instagram-Stories gepostet, andere haben uns privat geschrieben, wie sehr sie sich freuen. Wir waren überwältigt. Es bedeutet uns sehr viel, zu wissen, da steht eine Community hinter uns, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, die uns weiterhin unterstützt. Außerdem schätzen wir natürlich die Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Schubertkino und Kooperationspartner:innen wie Nonstop. Wir haben auch bereits einige weitere Anfragen und freuen uns, dass sich hier noch mehr Raum für weitere Kooperationen eröffnet.
Auf eurer Homepage kündigt ihr bereits weitere Specials und Events an - könnt ihr davon schon etwas verraten, in welche Richtung das gehen soll?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Im Moment warten wir noch auf Förderzusagen, um abzuwägen, welche Specials möglich sind. Ideen hätten wir auf jeden Fall genug! Es ist bereits einiges im Gespräch, zum Beispiel österreichische Debüts... Der nächste Fixpunkt sind unsere CT-Faves am 2. Juni. Dort zeigen wir ein Best-of an Kurzfilmen, die Lieblingsfilme unseres Publikums der vergangenen Festivaljahre. Wir freuen uns schon sehr darauf!
Welches Programm läuft bisher am besten und warum, glaubt ihr?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Beim Krimi-Bingo hatten wir beide Male einen vollen Saal. Wir ermöglichen Leuten durch das Format einen spielerischen Zugang zum Kino. Es wird mitgefiebert und mitgerätselt, es ist ein Miteinander im Kinosaal. Wir holen damit eine breite Zielgruppe ab, sowohl ältere als auch junge Leute kommen zum Krimi-Bingo. Außerdem kann man österreichische Krimi-Schmankerl auf der Leinwand sehen. Das alles macht einen Kinoabend sehr besonders.
Wie ist die Auslastung bisher? Wohin soll die Reise gehen, bzw. habt ihr ein Ziel, das ihr mit Cinema Talks Interludes erreichen wollt?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Next Step ist Schubertkino Saal 2 (statt Saal 3) – Wir träumen groß! [alle drei lachen]. Also, wir lachen jetzt, aber das ist tatsächlich schon sehr konkret im Gespräch. Aufgrund der guten Auslastung werden wir in einen Saal mit doppelt so vielen Sitzplätzen hochgelegt. Und mal schauen, in welche Säle uns die Reise noch führen wird...
Im letzten Interview habt ihr gesagt, dass ein Festival in dieser Größenordnung nicht mehr tragbar wäre. Wie geht es euch jetzt mit dem neuen Format finanziell und wie zukunftssicher ist es eurer Meinung nach?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Also das Wort zukunftssicher verwenden wir beruflich im Kulturbereich ganz sicher nicht sehr oft. Unser Mehrjahresvertrag mit dem Land Steiermark gilt im Moment auch nur für zwei Jahre, anstatt der eigentlichen drei Jahre, und wird nur möglicherweise verlängert. Die kulturpolitische Lage, vor allem in der Steiermark, ist absolut prekär. Die Kulturlandretten-Bewegung leistet großartige Arbeit und versucht Aufmerksamkeit zu schaffen, welche schwerwiegenden Einschnitte die Förderkürzungen in der Steiermark bedeuten. Es ist eine große Belastung für uns und auch gesellschaftlich einfach beängstigend mitanzusehen. Uns werden unsere Arbeitsplätze und die Räume für Kunst- und Kulturschaffen genommen. Aber wir kämpfen weiter. Das Einzige, was sicher ist, ist, dass wir motiviert bleiben.
Bei Cinema Talks war das Durchschnittsalter der Besucherinnen und Besucher zwischen 15 und 22 Jahren. Hat sich euer Publikum spürbar verändert, seit es das neue Format gibt? Wenn ja, inwiefern und woran merkt ihr das?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Mit Bring Your Hobby to the Cinema haben wir genau das erreicht, was wir wollten. Junge Leute ins Kino zu holen, deren Aufmerksamkeitsspanne nicht mehr reicht, um sich ohne Nebenbeschäftigung einen Kinofilm anzuschauen. Der Zuspruch freut uns sehr! Das Format ist auch anscheinend sehr instagramable. Wir hatten schon Influencer:innen, die darüber gepostet haben.
Beim Krimi-Bingo sehen wir ein zerstreuteres Durchschnittsalter von 25 bis 40 Jahren. Zum Beispiel war bei beiden Bingo-Veranstaltungen ein älteres Ehepaar da. Die waren noch nie auf unserem Festival, aber waren nach dem ersten Krimi-Bingo so begeistert, dass sie gleich wieder gekommen sind. Da wird die Zielgruppe auch viel über Plakate, Kinowerbung und Website angesprochen. Also auch im Marketing gibt es einen anderen Zugang je nach Altersgruppe.
Im neuen Format werden Langfilme gezeigt, wie sehr vermisst ihr die Kurzfilmprogramme?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Ob wir es vermissen, jeweils 70 Stunden Kurzfilm zu schauen und uns dann gemeinsam tagelang in unserem Heimkino-Keller einzusperren, um alles zu sichten? Ja, ganz klar! Das sind prägende Erinnerungen. Wir vermissen den kuratorischen Aspekt, ein Kurzfilmprogramm zusammenzustellen, uns einen roten Faden zu überlegen. Auch in Verbindung mit unserem Festival-Rahmenprogramm, wo Ausstellungen, Poetry-Slams, etc. zu den Kurzfilmen kuratiert wurden. Außerdem geht uns dieser direkte Bezug zur österreichischen Kurzfilmszene ab, zu sehen, was sich in der Bubble tut, wer welche Filme dreht. Wir haben mit Kurzfilm gestartet und Kurzfilm wird für immer einen ganz besonderen Stellenwert für uns alle haben.

(Fotocredit: Jakob Kotzmuth)
Das Nonstop-Abo ist in Graz sehr erfolgreich und bringt den Kinos Publikum. Beim Krimi-Bingo kann man auch einen Monat Nonstop bei euch gewinnen. Glaubt ihr, dass ihr mit eurem Programm dazu beitragen könnt, wieder mehr Menschen ins Kino zu bringen?
Natalie Pinter, Ines Handler, Zoe Borzi: Das ist unsere große Mission, unser großes Anliegen. Das ist genau das, wofür wir arbeiten. Wir wollen die Grazer Kinolandschaft auffrischen und einen niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur schaffen. Kino als sozialen und diskursiven Ort stärken. Das war immer schon unsere größte Motivation. Volle Kinosäle und volle Herzen!
Cinema Talks ist eine Grazer Film- und Kulturinitiative, die sich für eine vielfältige Kinokultur engagiert und Räume schafft, in denen Filme gemeinsam gesehen, diskutiert und erlebt werden. Nach dem von 2019 bis 2025 veranstalteten Cinema Talks Festival setzt sich die Initiative mit den Cinema Talks Interludes weiterhin für eine lebendige Filmszene und vollgefüllte Kinosäle ein.
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