Drei Abos, ein Anspruch – Kunst als gelebtes Miteinander

KUG-Saison 2026/27

Text: KUMA-Redaktion - 23.04.2026

Rubrik: Musik
KUG-Saison 2026/27

PPCM-Studierende sind 2027 an der Rebecca Saunders-Produktion YES beteiligt. Fotocredit: Alexander Wenzel

Miteinanders heißt das Motto der KUG-Saison 2026/27 und ist kein Kuschelbegriff. Es geht darum, gemeinsam etwas auf die Bühne zu bringen und dabei verschieden zu bleiben. Drei Abos zeigen, wie das gehen kann.

Zwischen Abschied und Aufbruch: Das Hauptabo

Den Auftakt setzt kein klassischer Orchesterabend, sondern ein vielschichtig gebauter Einstieg: Leb! Wohl!! Du schöne! Erde! In der Reihe Seite an Seite stehen Lehrende und Studierende gemeinsam auf der Bühne und umkreisen das Thema Abschied, musikalisch und performativ, als Verlust und als Transformation zugleich. Schon dieser Beginn zeigt, worum es im Hauptabo geht: um Verschränkung statt Abfolge. Unterschiedliche Epochen, Stimmen und Ausdrucksformen greifen ineinander. Das setzt sich fort in Orchesterkonzerten wie Tausendundeine Nacht, in Opernproduktionen wie Melusine und Cendrillon sowie in Formaten, die Literatur und Bühne zusammenführen, etwa Hotel Savoy. Das Hauptabo ist weniger klassische Konzertreihe als ein offenes Gefüge. Rektor Georg Schulz spricht von einem „Wissenstransfer an die Gesellschaft“ und betont, wie wesentlich das Publikum für die Arbeit der Studierenden ist.

Fotocredit: Alexander Wenzel

Klang, Zufall, Gegenwart: abo@MUMUTH

Im abo@MUMUTH verschiebt sich der Fokus deutlich, weg von tradierten Formaten hin zu Experiment, Raum und Prozess. Hier wird Kunst nicht präsentiert, sondern entwickelt. Ein zentrales Projekt ist HPSCHD, betreut von Anke Eckardt, Professorin für Bildende Kunst an der KUG und Künstlerin im Feld von Klang und intermedialen Räumen. Die Arbeit von John Cage dient dabei als Ausgangspunkt für eine Fortschreibung. Die techno-euphorische Aufbruchsstimmung der Entstehungszeit, geprägt von Raumfahrt, frühen Computertechnologien und starkem Fortschrittsglauben, wird in Beziehung zur Gegenwart gesetzt. Gerade in den Parallelen wird die Verschiebung sichtbar, vom optimistischen Blick auf neue Technologien hin zu einer Gegenwart, die von Überreizung und Dauerverfügbarkeit geprägt ist. Ein selbstprogrammierter Zufallsgenerator greift Cages Arbeit mit Unvorhersehbarkeit auf, rund 25 Studierende entwickeln daraus ein interdisziplinäres Großprojekt.

Daneben steht mit Relax!@MUMUTH eine transdisziplinäre Klanginstallation, die aus musiktherapeutischer Praxis hervorgeht und in eine live entwickelte, synästhetische Erfahrung überführt wird. Mit Rebecca Saunders ist zudem eine der prägenden Komponistinnen der Gegenwart als Gastkünstlerin vertreten. Ihr Werk YES, realisiert mit Studierenden und dem Klangforum Wien, rückt das Hören im Raum ins Zentrum. Für Vizerektor Werner Strenger liegt genau darin der Kern: „Performative Kunst bekommt ihre Wirklichkeit mit dem Publikum.“

Lichtkunst_ LV „Interdisziplinäre Räume, Teil 1 Materialitäten“ von Anke Eckardt, 2024

Lichtkunst_ Lehrveranstaltung„Interdisziplinäre Räume, Teil 1 Materialitäten“ mit Anke Eckardt, 2024

Musikalische Geometrie: Abo für junges Publikum

Das Abo für junges Publikum ist bereits ausverkauft. Die Reihe setzt auf kompakte Formate, die musikalische Grundideen über Geschichten und Figuren zugänglich machen.Titel wie Der wilde Würfel oder Die kantige Kugel setzen auf Widerspruch und Überraschung statt Eindeutigkeit.

Es geht um erste Zugänge, ums Hören, Erkennen und Mitmachen. Schon in diesem Format wird deutlich, dass die Saison insgesamt "mehr will als künstlerisch-ästhetischen Ausdruck". Sie zielt auf Fragen, die darüber hinausgehen. Oder, wie Werner Strenger es formuliert: „Es geht auch um soziale und ethische Dimensionen und um die Frage, wie wollen wir leben?“

Das gesamte KUG-Abo-Programm 2026/27 sowie Bestellmöglichkeit gibt es hier.