Absurditäten zwischen Traum und Wirklichkeit im Theater im Bahnhof

Kritik: Zaid Alsalame: 1000 Euro und eine Nacht

Text: Lydia Bißmann - 13.04.2026

Rubrik: Kleinkunst
Kritik: Zaid Alsalame: 1000 Euro und eine Nacht

Zaid Alsalame präsentiert die ersten beiden Folgen seiner Mini-Serie: 1000 Euro und eine Nacht im Theater im Bahnhof. (Fotocredit: Johannes Gellner)

Zaid Alsalame hat seine eigene Geschichte in eine sechsteilige Mini-Serie verpackt und die ersten beiden Folgen mit 1000 Euro und eine Nacht im Theater im Bahnhof unter der Regie von Ed Hauswirt präsentiert. Entstanden ist daraus ein Hybrid aus Kabarett und angewandtem Improtheater.

Der sympathische Schauspieler, Comedian und auch Filmstar (Altweibersommer (2025)) bedient sich in 1000 Euro und eine Nacht der Schatzkiste Herkunft. Vor 11 Jahren flüchtete er aus Bagdad in ein steirisches Kaff und fand im Theater im Bahnhof eine künstlerische Familie, die ihn unter ihre Fittiche nahm. Ein guter Griff, will man meinen. Zaid Alsalame ist nicht nur ein grandioser Darsteller und Denker, er ist auch wahnsinnig komisch. Keine Sekunde langweilig ist sein Ein-Personen-Stück, das er mutig als semi-schmieriger Autoverkäufer im Hof startet. Weiter geht’s mit einer Einlage zum Thema „Schande“, die er anschaulich mit einer Schachtel Datteln bestreitet. Spätestens hier wird klar, dass sich Zaid Alsalame nichts scheißt, einfach sein Ding durchzieht und das, ohne je einen Millimeter die Grenzen des erlesenen Geschmacks zu überschreiten. 

Kritik: Zaid Alsalame: 1000 Euro und eine Nacht

Zaid Alsalame. (Fotocredit: Johannes Gellner)

Erzählkunst und Comedy

Absurdität ist eine der Hauptzutaten seines Cocktails aus Stand-up, Sozialkritik, Migrationserzählung und handfester Philosophie, mit dem er den Abend bestreitet. Das Bühnenbild ist sparsam und kommt in Grau- und Pastelltönen daher (Helene Thümmel), die mit hysterischen 90er-Jahre-Neonfarben aufgepeppt werden – umso bunter, plastischer und lebendiger sind die Erzählungen des Darstellers. Im Bühnenraum des Theater im Bahnhof entstehen Bilder aus der großen Welt: irakische Geheimtipp-Restaurants, Züge, die an der Balkanroute fahren, aber auch der Orientexpress sein können, intime Abendessen mit Modefachleuten, aber auch dunkle Gassen, in denen das Umdrehen schon nicht mehr hilft. Mit sehr viel Fingerspitzengefühl und einem klugen und charmanten Mix aus Arabisch und Deutsch (mit den richtigen Keywords ausgestattet, versteht man immer, worum es geht …) navigiert er durch den Abend und versprengt und manifestiert mitgebrachte Glaubenssätze zugleich. Trotzdem es anscheinend um seine eigene Biografie geht, wird die Geschichte nie zu intim oder persönlich. Zaid Alsalame beherrscht die Mischung aus Nähe und Distanz perfekt, und genau deswegen lässt man sich nur allzu gerne erneut auf ein großes Thema mit sehr viel Zusatzballast ein. Eine sanfte Regie (Ed Hauswirth) gibt der bitter-süßen Performance mit Witz und Wehmut ein stabiles Geleit. Unbedingt hingehen und anschauen!
Kritik: Zaid Alsalame: 1000 Euro und eine Nacht

Zaid Alsalame beweist in seiner One-man-show Fingerspitzengefühl und dramatisches Talent. (Fotocredit: Johannes Gellner)

Zaid Alsalame: 1000 Euro und eine Nacht

Episode I & II von und mit: Zaid Alsalame Regie: Ed. Hauswirth Ausstattung: Helene Thümmel Outside Eye: Beatrice Forchini und TiB Eine Produktion in Kooperation mit dem Theater im Bahnhof

Termine auf KUMA.at

Kritik: Zaid Alsalame: 1000 Euro und eine Nacht

Zaid Alsalame verbindet Story-Telling mit bittersüßer Sozialkritik. (Fotocredit: Johannes Gellner)