Schelmerei in neuem Gewand
Kritik: Till Eulenspiegel im Next Liberty
Text: Karoline Pilich - 17.03.2026
Rubrik: Theater
Bis 19. Juni ist im Next Liberty in Graz das Theaterstück “Till Eulenspiegel - Für immer Schelm” zu sehen. Der Autor Till Wiebel wurde 2021 mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet und bringt mit “Till Eulenspiegel” moderne, wortgewandte Texte auf die Bühne.
“Till Eulenspiegel” wird empfohlen ab sieben Jahren, kann sich jedoch durchaus auch von einem älteren Publikum sehen lassen.

Fotocredit: Lex Karelly.
“Ein Schelm, der braucht sein Publikum!”
Bei der Vormittagsvorstellung ist das Next Liberty bis auf den letzten Platz besetzt, unzählige Schulklassen haben sich versammelt, um der “Schelmerei” auf die Schliche zu kommen. Christoph Steiner, der Till Eulenspiegel und - als Rolle in der Rolle - Vogt Spielenugel verkörpert, führt das Publikum mit originellen Reimen an der Hand und durch die 75-Minuten-Spielzeit. Als Till Eulenspiegel zeigt er seine schelmische Seite als närrischer “Schlingel”, der so manche Leute austrickst und damit jedes einzelne Mal davonkommt. Gänzlich anders ist seine Rolle als Landvogt Spielenugel angelegt, der vorsätzlicher Weise so tut, als wolle er Till ein für alle Mal das Handwerk legen.
Christina Kiesler verkörpert dabei Beatrix oder Bea Tricks, die insgeheim von Anfang an weiß, wer wirklich hinter Spielenugel steckt und optisch vor allem durch ihr löchriges Kostüm und einen fehlenden Schuh auffällt. Simone Leski (Esèlle), Martin Niederbrunner (Meister) und Helmut Pucher (König Rudolf der Allerzuerste) sind die Leidtragenden von Eulenspiegels Streichen und begeistern die jungen Zuseherinnen und Zuseher mit kreativen Gesangs- und Tanzeinlagen.

Fotocredit: Lex Karelly.
96 Streiche und Rap auf der Bühne
Das Publikum kennt alle angesagten Jugendwörter, die Wiebel stimmig in seinem Stück einsetzt. Aussagen wie “Du laberst echt ultra viel”, “excuse me”, “lame” oder “OMG” bringen das Publikum zum Lachen und betonen die aktuelle Adaption des Stoffes. Auch das ABC in der Form eines kindgerechten Rapsongs bringt Stimmung in das Theater und lässt es beinahe wie eine Kinderdisco wirken.
Das Bühnenbild (Fabian Lüdicke) ist bei Till Eulenspiegel in warmen Farben gehalten und gewinnt durch verspielte Muster und Zeichnungen an Charakter. Bühnenumbau gibt es während der Vorstellung nicht und somit keine Ablenkung von der schauspielerischen Leistung des Ensembles. Ebenso bleiben die Kostüme - trotz Rollenwechsel -durch die Aufführung durch dieselben. Christoph Steiner trägt als Eulenspiegel ein “typisches” Narrenkostüm, das er als Vogt Spielenugel lediglich mit Hut und Mantel verschleiert. Auch Esèlle, Meister und König Rudolf der Allerzuerste sind deren Rollen “entsprechend” gekleidet, zeichnen sich aber durch individuelle Details aus.

Fotocredit: Lex Karelly.
Sei klug - stell’ dich dumm
Nicht nur der Frage, was überhaupt das Hier und Jetzt bedeutet, wird in Till Eulenspiegel nachgegangen, unklar bleibt auch, wer der eigentliche Bösewicht der Geschichte ist. Bühnenbild und Handlung werden von kleinen, jedoch wirksamen Details verfeinert, die im Publikum jedes Mal ein “Oh!” auslösen. So vergrößern eine Bananenschale, frisch gebackene Eulen und Meerkatzen, Videoeinspielungen, ein Haufen Schuhe und eine herabschwebende E-Gitarre die Augen der Kinder.
Till Eulenspiegel endet mit großem Applaus seitens der Schülerinnen und Schüler und gibt jenen neben Inspirationen für Streiche auch die Moral mit auf den Weg, dass man am Ende Frieden schließen sollte. Ein Stück, das vor allem, aber nicht nur, durch seine Witze überzeugt und durchaus in die Tiefe geht. “Die Streiche lassen, nie und nimmer. Hoch und heilig - Schelm für immer!”
Till Wiebel: Till Eulenspiegel - Schelm für immer
Inszenierung: Christian Himmelbauer
Ausstattung: Fabian Lüdicke
Musik: Michael Stark
Video: Roland Renner
Lightdesign: Michael Rainer
Dramaturgie: Iris Harter
Regieassistenz: Lorenz Altenburger
Termine auf KUMA.at

Fotocredit: Lex Karelly.
