Ländlicher Leichenschmaus und Tech-Bros-Talk

Kritik: Thomas Maurer, Im falschen Film

Text: Lydia Bißmann - 20.04.2026

Rubrik: Kleinkunst
Thomas Maurer

Thomas Maurer. (Fotocredit: Ernesto Gelles.)

Thomas Maurer nimmt sich mit seinem neuen Soloprogramm „Im falschen Film” unter anderem die Tech-Giganten in den USA vor. Aber auch vor den monotheistischen Weltreligionen, männlicher Midlife-Crisis und der sogenannten Cancel-Culture macht er keinen Halt. Das Ergebnis ist ein Zwei-Stunden-Abend, der mehr zum Mitdenken als zum Lachen anbietet.

Auf der Suche nach einem adäquaten Midlife-Crisis-Laber-Thema ist Thomas Maurers Alter Ego bei der Anschaffung einer Hightech-Kaffeemaschine gelandet. Da man auf den perfekten Kaffee samt Mahlung doch eine knappe Minute warten muss, hat der Meister des scharfen Politkabaretts sich ein Mosaik aus Einfällen gestaltet, die einem beim Warten auf den perfekten Espresso so kommen. Keine wirklich ernst zu nehmenden Gedanken, aber doch Hirnregungen, wie er sie nennt. Dabei kommt er über die eher unfreiwillige Social-Media-Präsenz zu sadistischen Turnlehrern, einem ländlichen Begräbnis samt polnischem Priester oder den immer gleichen Fragen von Journalist:innen, die durch das Aufkommen der Cancel Culture etwas erweitert wurden. Eigentlich die Klassiker der Satire in Österreich, angereichert mit Überlegungen zum Benehmen der Tech-Bros, die er allesamt in ein Casting für den nächsten James-Bond-Bösewicht schicken würde, schon alleine wegen der Physiognomie. Die elaborierten Witze über die Egomanen aus Übersee sind klug und scharfsinnig; lachen kann man aber besser über die regionalen Gegebenheiten, die Thomas Maurer aufs Korn nimmt. Sie sind konkreter, vorstellbarer und weniger abstrakt als die Missetaten von Elon Musk und Co., auch wenn man täglich in den News mit ihren neuesten Horroraktionen versorgt wird. Wie schon die vorigen Programme aus seiner Feder kommt auch dieses mehr wie ein aufschlussreiches, kluges und gut recherchiertes Referat denn ein Kabarett daher. Trotzdem ist es nie von oben herab – „Erklärbär“ ist Maurer keiner, er bleibt stabil auf Augenhöhe. Ebenfalls wohltuend ist seine „Allergie gegen Wortspiele“, das überlässt er beflissentlich seinen unfreiwilligen Kollegen aus der rechtsaußen Politik.
Thomas Maurer

Thomas Maurer spielt in der Steiermark im dachbodenTheater 2.0, im Theatercafé und in der Komödie Graz. . (Fotocredit: Ernesto Gelles)

Dystopie mit Hoffnungsschimmer

Thomas Maurer, der mit Im falschen Film laut Wikipedia-Eintrag sein 16. Soloprogramm präsentiert, ist die Souveränität in Person. Alles an ihm ist klug und durchdacht und entspricht meist der eigenen Meinung. Genau das ist aber irgendwie auch das Problem: Humor lebt zu einem Großteil von der Verzweiflung. Wo die Logik oder die Vernunft enden, muss eben gelacht werden, aus Mangel an Alternativen. Ein kleiner Tritt in den Hintern schadet da auch nicht, auch wenn man Thomas Maurer unendlich dankbar ist dafür, dass er den Mythos rund um William Goldings Herr der Fliegen entzaubert. Menschen sind durchaus dazu in der Lage, altruistisch zu denken, was sich alleine daran ablesen lässt, dass der Komiker sich mit der Espressozubereitung ein halbwegs erträgliches Thema ausgesucht hat, um seine Mitmenschen zu langweilen. Und ja, es ist vorstellbar, dass sich eine Gruppe Halbstarker nicht sofort gegenseitig killt, wenn sie auf einer Insel abstürzen sollte. Dafür gibt es sogar Referenzen. Alles in allem ein Abend, der sich entspannt und konzentriert zugleich genießen lässt und den man mit Sicherheit um einiges informierter beschließt, als man ihn begonnen hat.

Thomas Maurer

Im falschen Film heißt Thomas Maurers Soloprogramm, das im Februar 2026 im Wiener Stadtsaal Premiere feierte. (Fotocredit: Ingo Pertramer)

Thomas Maurer: Im falschen Film

Regie: Petra Dobetsberger

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