Ländlicher Leichenschmaus und Tech-Bros-Talk
Kritik: Thomas Maurer, Im falschen Film
Text: Lydia Bißmann - 20.04.2026
Thomas Maurer nimmt sich mit seinem neuen Soloprogramm „Im falschen Film” unter anderem die Tech-Giganten in den USA vor. Aber auch vor den monotheistischen Weltreligionen, männlicher Midlife-Crisis und der sogenannten Cancel-Culture macht er keinen Halt. Das Ergebnis ist ein Zwei-Stunden-Abend, der mehr zum Mitdenken als zum Lachen anbietet.

Thomas Maurer spielt in der Steiermark im dachbodenTheater 2.0, im Theatercafé und in der Komödie Graz. . (Fotocredit: Ernesto Gelles)
Dystopie mit Hoffnungsschimmer
Thomas Maurer, der mit Im falschen Film laut Wikipedia-Eintrag sein 16. Soloprogramm präsentiert, ist die Souveränität in Person. Alles an ihm ist klug und durchdacht und entspricht meist der eigenen Meinung. Genau das ist aber irgendwie auch das Problem: Humor lebt zu einem Großteil von der Verzweiflung. Wo die Logik oder die Vernunft enden, muss eben gelacht werden, aus Mangel an Alternativen. Ein kleiner Tritt in den Hintern schadet da auch nicht, auch wenn man Thomas Maurer unendlich dankbar ist dafür, dass er den Mythos rund um William Goldings Herr der Fliegen entzaubert. Menschen sind durchaus dazu in der Lage, altruistisch zu denken, was sich alleine daran ablesen lässt, dass der Komiker sich mit der Espressozubereitung ein halbwegs erträgliches Thema ausgesucht hat, um seine Mitmenschen zu langweilen. Und ja, es ist vorstellbar, dass sich eine Gruppe Halbstarker nicht sofort gegenseitig killt, wenn sie auf einer Insel abstürzen sollte. Dafür gibt es sogar Referenzen. Alles in allem ein Abend, der sich entspannt und konzentriert zugleich genießen lässt und den man mit Sicherheit um einiges informierter beschließt, als man ihn begonnen hat.

Im falschen Film heißt Thomas Maurers Soloprogramm, das im Februar 2026 im Wiener Stadtsaal Premiere feierte. (Fotocredit: Ingo Pertramer)
