Eine Bühne für die Unaufgeregtheit
Kritik: Theater Kaendace: Also sprach Zarathustra
Text: Lydia Bißmann - 26.10.2026
Rubrik: Theater
‘Also sprach Zarathustra’ ist sicher nicht der einfachste Text für eine Bühnenversion. Für Theater Kaendace haben sich Alexander Mitterer und Tatjana Alexander Friedrich Nietzsches wohl bekanntestes Buch zur Hand und an die Brust genommen und daraus mit behutsamen Musik- und Bildinterventionen einen poetischen Theaterabend der anderen Art gemacht. Ein Abend, der noch länger nachklingt und tatsächlich große Lust auf die Beschäftigung mit dem Philosophen macht.
Ein Eremit, der nach zehn Jahren Einsamkeit und Denkarbeit vom Berg steigt und den Menschen die Welt erklärt. Zugegeben, nicht unbedingt das verlockendste Setting, das man sich vorstellen kann. Allerdings handelt es sich dabei um Zarathustra und somit um die Antithese eines Erklärbären, wie wir ihn kennen. Man muss das Buch vorher nicht gelesen haben, um seinem Zauber zu erliegen, schaden tut es allerdings auch nicht.
Über 140 Jahre alt ist der Text des Philosophen und Zeitkritikers Friedrich Nietzsche, den Alexander Mitterer und Tatjana Alexander gemeinsam für die Produktion Also sprach Zarathustra von Theater Kaendace verarbeitet haben. Entstanden ist daraus ein Pamphlet gegen Angeberei, Größenwahn und Überheblichkeit. Die etwa 80 Minuten dauernde Performance, in der Alexander Mitterer in die Rolle des Zarathustra schlüpft, arbeitet mit den Mitteln der Wiederholung, ohne jedoch redundant zu wirken. Ein kleines Intro zu Beginn stellt den Philosophen kurz vor, ohne ihn einzuengen.
Das Setting ist ebenfalls sparsam. Ein Tisch, ein Stuhl und etwas Papier bestreiten die Szenerie, die vorwiegend von der textlastigen und einfühlsamen Performance Alexander Mitterers lebt. Er verleiht dem Text Körper, lässt ihn durch seine geschulte Stimme mit ihrem samtigen Klang aufleben, ohne ihm einen zu starken persönlichen Stempel aufzudrücken. Die Videosequenzen, die im Wesentlichen aus einem Morgenspaziergang durch eine neblige Allee bestehen und mit feinstofflich-atmosphärischer Musik (Michael Merkusch) unterlegt sind, führen das Publikum gewissermaßen durch die gesprochene Meditation, die das Eindringen von Nietzsches Sätzen in Hirn und Herz erleichtert. Man kann aber auch die Augen schließen und sich den rhythmisch und dramaturgisch klug gebauten Textpassagen hingeben.
‘Also sprach Zarathustra’ von Theater Kaendace ist ein feinfühlig und aufrichtig entwickelter Theaterabend, der der Philosophie großen Respekt zollt, ohne dabei intellektuelle Abstriche zu machen. Gefühl steht hier über Storytelling, die Essenz von Nietzsches menschenfreundlichen und lebensbejahenden Worten im Vordergrund, ohne dass der Abend langweilig oder anstrengend wird. Ein wundervolles Entschleunigungsangebot, das man sich sicher auch öfter ansehen kann.
Spiel: Alexander Mitterer
Musik/Klangkulisse: Michael Merkusch
Inszenierung/Ausstattung: Tatjana Alexander
Textfassung: Tatjana Alexander / Alexander Mitterer

Fotocredit: Peter Wohlfahrt

Fotocredit: Peter Wohlfahrt

Fotocredit: Peter Wohlfahrt
