Maskerade und Moral in Schwarz-weiß

Kritik: Rose (2025), Markus Schleinzer

Text: Lydia Bißmann - 22.03.2026

Rubrik: Film und Kino
Kritik: Rose (2025), Markus Schleinzer

Sandra Hüller brilliert in Rose (2025) als die gelichnamige Hauptdarstellerin. (Fotocredit: Schubert, Row Pictures und Walker + Worm Film / Gerald Kerkletz)

Mit Markus Schleinzers drittem Spielfilm eröffnete die Diagonale 26 ihre 29. Ausgabe. Star der Produktion ist Sandra Hüller, die für ihre Darstellung der Crossdresserin Rose den Silbernen Bären der Berlinale erhielt.

Das durchgehend in Schwarz-Weiß gehaltene Drama spielt im 17. Jahrhundert in einer protestantisch geprägten Ortschaft inmitten des 30-Jährigen Krieges. Nicht die angenehmste Zeit oder Umgebung, in der sich die Protagonistin Rose (Sandra Hüller) für die Hose entscheidet und sich für den Soldatendienst verpflichtet. Als ihr das zu anstrengend wird, lässt sie sich in einem verlassenen Bauernhof nieder. Es folgen fatale Entscheidungen sowie Auf- und Entdeckungen, die der Trickster-Figur und Erbschleicherin schlussendlich den Kopf kosten. Sparsame Dialoge im Sprech der damaligen Zeit werden von einer Erzählstimme (Marisa Growaldt) ergänzt.

Kritik: Rose (2025), Markus Schleinzer

Rose (2025) erzählt die Geschichte einer Betrügerin und Crossdresserin im 17. Jahrhundert. (Fotocredit: Schubert, Row Pictures und Walker + Worm Film / Gerald Kerkletz)

Zwischen Präsenz und Reduktion

Markus Schleinzer erzählt Roses Geschichte unaufgeregt und verzichtet auf große Inszenierungen, wenn sich in der Handlung eine Wendung ergibt. Bewusst konzentriert sich der Film auf den letzten Abschnitt im Leben der Protagonistin. Über Roses Herkunft, ihre Verwandlung, ihren Werdegang als Soldatin wird nur sparsam berichtet. Würde Rose nicht sterben, könnte der Film endlos so mit seinem Berichtcharakter weitergehen. Sandra Hüller spielt wie immer aufrichtig, intensiv, feinfühlig. Mit männlicher Gestik, verbaler Knappheit und Tricks wie dem Pinkeln durch ein präpariertes Kuhhorn schafft sie es erfolgreich, die Rolle als Mann durchzuziehen. An ihrer Seite Newcomerin Caro Braun als Suzanna, die sie sich als Ehefrau nimmt, um in den Besitz des angrenzenden Grundstücks zu gelangen. Beide Frauen entscheiden sich für eine Übereinkunft, die mehr auf existenziellen als auf freundschaftlichen Gründen fußt. Authentisch und innig ist auch das Spiel von Caro Braun: Mit viel Behutsamkeit und Commitment stellt sie die Gefühle, Metamorphosen und inneren Konflikte der verschacherten Braut dar.

Kritik: Rose (2025), Markus Schleinzer

Caro Schubert und Sandra Hüller. (Fotocredit: Schubert, Row Pictures und Walker + Worm Film / Gerald Kerkletz)

Blasse Männer ohne Zwischentöne

Weitaus weniger erfreulich und greifbar sind die männlichen Figuren in Rose. In der Dorfgemeinschaft, zu der Rose um jeden Preis dazugehören möchte, haben vor allem Männer das Sagen. Ihre Rollen sind leider sehr eindimensional angelegt, Raum zum Entfalten gibt es wenig; die „echten“ Penisträger sind hier halt die Bösen, Gierigen und Feigen. Ein karger Lichtblick in diesem Männerbund ist Rainer Egger, der als Doktor einfach seinen Job macht und durch lakonisches und konzentriertes Spiel besticht. Ebenfalls wenig erfreulich und auf Dauer sogar etwas nervend ist die Wahl der Filmfarbe. Schwarz-Weiß und digitaler Film passen schlecht zusammen. In Rose wird sehr viel Natur gezeigt, da er ja nicht in der Stadt spielt, und hier wirken die Aufnahmen von Wäldern, Wiesen und Blumen unplastisch und leblos. Es ist ein wenig schade um die enorm aufwendigen Kostüme wie Suzannas Hochzeitskleid, die in Hunderten Stunden mühevoller Handarbeit hergestellt wurden. Erst die sparsamere Bildgestaltung in Roses Zelle vor ihrer Hinrichtung harmoniert dann wieder besser mit der schwarz-weiß Ästhetik.

Kritik: Rose (2025), Markus Schleinzer

Fotocredit: Schubert, Row Pictures und Walker + Worm Film / Gerald Kerkletz

FINTA-Drama mit kleinen Mängeln

Es ist schwierig, den Film Rose einzuordnen; er hallt noch tagelang im Kopf nach. Prinzipiell ein Zeichen für einen guten Film - schlechte vergisst man schon während dem Anschauen. Die Gefühle sind gemischt: Einerseits ärgert man sich über die falschen Entscheidungen der Protagonistin (Was ist der Plan dahinter, als verkleidete Frau eine Ehe einzugehen?), andererseits würde es ohne falsche Entscheidungen weder Story noch Spannung geben. Ob Rose nun tatsächlich wegen ihrer Kleiderwahl oder aufgrund ihrer Erbschleicherei zu Tode kommen musste, ist nicht ganz schlüssig. Die Figur ist trotz des großartigen Spiels von Sandra Hüller irgendwie fadenscheinig gezeichnet. Sie rettet zwar Leben, kann lesen, schreiben, rechnen; bringt das anderen bei, behandelt ihre Angestellten anständig und erweckt den Anschein, ein empathischer, mitfühlender Mensch zu sein, der im Finale sogar die Existenz Gottes anzweifelt. Sie ist aber auch Täterin, Mörderin (so wie alle Soldaten), Betrügerin und ein gieriger Mensch. Prinzipiell ist gegen dualistische Persönlichkeiten im Film nichts einzuwenden; bei Rose wirken ihre Attribute aber irgendwie allzu gescriptet. Man kommt ihrem inneren Konflikt nicht näher, das Äußere ist zu aufdringlich, letztendlich zu kitschig. Weniger Moral hätte der Moral des FINTA-Films keinesfalls geschadet.

Rose (2025)

Regie: Markus Schleinzer. Mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt. A/D 2026 | Drama | 94 min. Filmstart Österreich 17. April 2026