Hochkalorisches im Theatercafé

Kritik: Nadja Maleh – Zuckergoscherl

Text: Lydia Bißmann - 08.03.2026

Rubrik: Kleinkunst
Kritik: Nadja Maleh – Zuckergoscherl

Nadja Maleh präsentiert ihr neues Solo-Kabarett namens “Zuckergoscherl". (Fotocrdit: Sabine Stieger)

Mit Zuckergoscherl hat die Kabarettistin und Musikerin ihr mittlerweile neuntes Solo-Programm präsentiert. Thema ist die Alltagsdroge Zucker, an die sie so nebenbei auch den Rest der Weltgeschichte anhängt. Feminismus, Kolonialismus, Ageismus, Kapitalismus und alle anderen Belange lassen sich damit hervorragend abhandeln – wenn man es eben kann.

Können ist einer der Core-Values der in Tirol geborenen und in Wien aufgewachsenen Comedienne, die vor allem mit einem besticht: mit angewandter und konzertiert gebrachter Performance. Nadja Maleh hat eine wahnsinnig tolle Stimme und kann damit umgehen wie eine Jonglage-Großmeisterin mit ihren Keulen – egal ob Operette, Austropop oder Schlager. Bekannte Lieder mit neuen Texten zu versehen, ist ja ein Klassiker des Kabaretts – Nadja Maleh bespielt dieses Pflichtfach aber mehr als elaborierte Kür.
Kritik: Nadja Maleh – Zuckergoscherl

Nadja Maleh ist Kaberetistin, Musikerin und Schauspielerin. (Fotocrdit: Sabine Stieger)

Ganzkörper-Kabarett mit Deix-Anleihen

Sensationell komisch und mitreißend sind ebenso ihre Imitationen, die es dem Publikum schwer machen, auf den Stühlen sitzen zu bleiben. Man weiß nicht, wo und wie der Witz zuerst zu wirken beginnt - es ist mehr eine ganzkörperliche Erfahrung. Ihre steirische Kindergartenpädagogin namens Melanie bedient nicht unbedingt ein bekanntes Stereotyp, sie kreiert vielmehr ein neues. Man hat das Gefühl, die Person Melanie einfach sehr genau und gut zu kennen. So wie bei den Karikaturen von Manfred Deix, der sich für seine Zeichnungen ganz reale Vorbilder ausgesucht und so das Allgemeine im Konkreten abgebildet hat. Genau das macht das Ganze so komisch, auch wenn man ein wenig ein schlechtes Gewissen hat, über eine Angehörige eines dermaßen wichtigen und schlecht entlohnten Berufs zu lachen. Das macht aber nichts: Nadja Malehs Programm ist stabil und sicher innerhalb der Ufer des guten Geschmacks geskriptet; es gibt kein Treten nach unten und keine peinlichen Momente. Selbst dann nicht, wenn sie gemeinsam mit dem Publikum nach dem eigenen Pornonamen sucht oder eine Erwachsenenfilmszene auf Schweizerdeutsch performt. Es kommt eben immer darauf an, wie man es macht – und wer. In einer Funk-Einlage singt sie sich durch das ganze Süßigkeitenregal, reimt Ella auf Nutella und erntet damit wohlverdient aufrichtige Lacher.

Soko Mumbai und Tiroler Oma

Neben Melanie, die sich im Laufe des Programms immer wieder in die Performance einmischt, punktet Nadja Maleh noch mit einer ungarischen Podcast-Lebensberaterin, einer Episode aus der Krimiserie Soko Mumbai oder mit Geschichten von der Tiroler Großmutter und deren Reaktion auf eine vegetarische Lebensweise. Absolute Highlights des Programms sind ihre Imitationen von fremdsprachigen – tirolerischen, arabischen, indischen, französischen oder eben ungarischen – Akzenten, die sie mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Verve genau mit der richtigen Portion Klischee versieht. Ein absoluter Traum und ein sehr schön gestrickter Abschluss (Regie: Marion Dimali) ist die Zugabe, in der sie eine Anleitung für den arabischen Tanz mit Eselsbrücken gibt, die man nie wieder vergisst.

Zuckergoscherl von Nadja Maleh ist eine Show, die man sich immer, mit jeder erdenklichen Begleitung und in jeder Lebenslage einfach anschauen und herzhaft genießen kann. Fast wie Ella-Nutella – nur eben besser für die Figur. Es ist fast ein kleiner Kurzurlaub aus dem Alltag, aus dem man beschwingt und mit positiver Energie wieder auf die Straße tritt. Zucker macht eben auch klug, fröhlich und energiegeladen.

Kritik: Nadja Maleh – Zuckergoscherl

„Zuckergoscherl“ ist das 9. Solo-Programm von Nadja Maleh. (Fotocredit: Sabine Stieger)