Von der Macht der Götter und dem Leben der Menschen

Kritik: Metamorphosen, Theaterfabrik Weiz

Text: Robert Goessl - 28.04.2026

Rubrik: Theater
„Metamorphosen“ frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Fotocredit: Clemens Nestroy

Die Veränderung ist die einzige Konstante im Leben – und so beginnt die Aufführung mit einem poetischen Text, gesprochen von einer Schauspielerin, die sich während der Aufführung neben den Göttern verwandelt, indem sie sich schminkt und ein prachtvolles Gewand anzieht. Sie ist einfach ein Mädchen, das das Treiben beobachtet, das sich im Himmel neben ihr abspielt. Auch wenn zwischendurch immer wieder einmal gemeinsam getanzt wird.

Es versammelt sich frei nach Ovid eine illustre Runde von Göttinnen und Göttern auf und rund um die Wohnzimmercouch. Vor ihnen am Tisch eine Lavalampe als Fernseher in die Welt der Menschen. Man ist hier irgendwie gelangweilt und scheint die Zeit totschlagen zu wollen. Jupiter, Apollo, Proserpina, Pallas Athene, Hermes, Amor und Vulcanus schalten sich so durchs Programm. Hermes liebt den Frachtbahnhof, könnte sich aber auch damit anfreunden, die pünktlichen ICE-Züge am normalen Bahnhof zu sehen. Auch ein Blick zur Post ist ein Thema, und so zappt man sich halt durch die Welt der Menschen. Gelegentlich schaut auch Hades aus der Unterwelt einen Sprung vorbei.
„Metamorphosen“ frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Fotocredit: Clemens Nestroy

Ein Fernsehabend im göttlichen Wohnzimmer

Doch es wären keine Göttinnen und Götter, wenn sie den Menschen nicht auf die Nerven gehen würden. Und so verwandelt Pallas Arachne in eine Spinne, weil sie besser weben kann als sie. Vor allem hat aber Amor seine Liebespfeile nicht ganz unter Kontrolle, auch scheint er nicht der geschickteste beim Zielen zu sein, und so kommt es auch beim Einüben seiner Choreografie mit Apollo – als Zuständigem für Kunst und Licht dafür die ideale Besetzung – zu einem Fehlschuss. So verwandelt der schnell eingeschnappte Apoll ob seiner nicht erwiderten Liebe Daphne in einen Baum. Der arme Hermes wird als Bote für alle Fälle immer wieder von Jupiter zur Erde geschickt, um die Übermütigen zurückzuholen. Ein wenig Reue ist da dann schon zu spüren, aber letztendlich passieren auch den besten Fehler. Zur Beruhigung wird auf der Bühne live Popcorn als göttliche Speise gefertigt und mit Eifer verzehrt – das gehört eben zu einem ordentlichen göttlichen Fernsehabend einfach dazu.
„Metamorphosen“ frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Fotocredit: Clemens Nestroy

Die göttliche Sitcom nimmt ihren Lauf

Amor tätigt wieder einmal einen Fehlschuss, mit dem sich Narcissus in sein Spielbild verliebt, auch wenn ihn alle anderen anhimmeln. Währenddessen sucht Jupiter nach Poseidon und holt sich Echo von der Erde zu Hilfe. Aber nachdem er weder im Weizer noch im Feldbacher Freibad und nicht einmal im Weizbach zu finden ist, nimmt er ihr die eigene Stimme. Die von den Göttern Gequälten werden dabei von den Schauspieler:innen der Göttercouch dargestellt, die sich dabei unauffällig aus dem göttlichen Wohnzimmer entfernen, um auf der Erde in ihre Rolle zu schlüpfen.
„Metamorphosen“ frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Fotocredit: Clemens Nestroy

Ein Mädchen betritt die Bühne und erzählt von ihrem noch jungen Leben

Während die Götter monumentale Veränderungen zustande bringen, meist als Willkür, vollziehen sich die Veränderungen im Leben weniger spektakulär, auch wenn sie sich manchmal so anfühlen. Es ist eine schwierige Erfahrung, wenn man plötzlich ein Scheidungskind ist und die engste Freundin vertrauliche Dinge einfach weitererzählt, und man damit konfrontiert ist, darüber nachzudenken, wem man vertraut. Aber es ist auch eine große Freude, wenn man zu einer großen Schwester wird, während es bei der Oma Topfenpalatschinken gibt. Bei den Menschen kommen die meisten Veränderungen auch von außen, man steht ihnen aber nicht machtlos gegenüber, sondern kann auf sie reagieren.
„Metamorphosen“ frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Fotocredit: Clemens Nestroy

Amor setzt seine Unserie fort

Trotz toller neuer Choreografie passiert Amor das nächste Missgeschick – er macht Proserpina und Hades zu einem Paar. So muss wieder Hermes vermitteln und schafft es mit einem sehenswerten Auftritt durch die Luke der Unterbühne zu erreichen, dass Proserpina ein halbes Jahr im Himmel und ein halbes Jahr in der Unterwelt verbringt – was für die Erde ziemlich gut ist, nachdem sie die Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit ist. Hades erweist sich dabei zunächst als perfekter bürokratischer Beamter, nachdem er sofort automatisch vom potenziellen Neuankömmling Todesdatum, Todesart, Alter etc. wissen möchte. Zum Schluss schafft es Jupiter noch zu beweisen, dass Apollo wieder einen Blödsinn gemacht hat, und den außer Kontrolle geratenen Feuerwagen, gelenkt von Apollos Sohn Phaeton, mit einem Blitz abschießen musste, um die Welt zu retten. So bleibt im Himmel alles beim Alten bis zum nächsten göttlichen Missverständnis – solange genug Popcorn da ist.
„Metamorphosen“ frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Fotocredit: Clemens Nestroy

Die Götter dürfen verrückt sein und auch mit der Zeit spielen, aber wir Menschen können die Zeit nicht anhalten

Die sehr kurzweilige, erfrischende Inszenierung von Vera Kopfauf und Marlen Weingartmann für Menschen von 11 bis 99 macht Spaß und entführt in eine verrückte Welt, in der alles möglich zu sein scheint. Die jungen Akteur:innen Johanna Berger, Liliana Feiertag, Felix Kienreich, Lena Mauthner, Teresa Palmer, Paul Pessl, Ferris Pieber, Anastasia Varga und Ina Ziegerhofer zeigen sich dabei sehr lebendig und spielfreudig. Es ist immer etwas los und die allzumenschlichen Schwächen und Sorglosigkeiten der Göttinnen und Götter sorgen für so manchen besonderen Moment.

„Metamorphosen“ – frei nach Ovid von der Theaterfabrik Weit im Volkshaus Weiz

Darsteller:innen: Johanna Berger, Liliana Feiertag, Felix Kienreich, Lena Mauthner, Teresa Palmer, Paul Pessl, Ferris Pieber, Anastasia Varga, Ina Ziegerhofer Regie:Vera Kopfauf, Marlen Weingartmann