Theater aus Kärnten: Porcia rückt näher

Kritik: Komödienfestival, Ensemble Porcia

Text: Robert Goessl - 06.08.2026

Rubrik: Theater
Kritik: Komödienfestival, Ensemble Porcia

Fotocredit: Johanna Lamprecht

Der Koralmtunnel verkürzt nicht nur die Reise nach Klagenfurt, sondern bringt auch Spittal an der Drau und das Komödienfestival des Ensembles Porcia näher an die Steiermark. Seit 65 Spielzeiten widmet sich das Festival jeden Sommer der Komödie – im besonderen Ambiente des überdachten Innenhofs von Schloss Porcia. Von 2. Juli bis 23. August stehen heuer fünf Produktionen abwechselnd auf dem Programm. Wer ein verlängertes Wochenende einplant, kann sogar alle Inszenierungen besuchen. Und auch bei Schlechtwetter ist vorgesorgt: Der Innenhof lässt sich überdachen.

Gegründet wurde das Ensemble Porcia 1961 vom Kärntner Theatermacher Herbert Wochinz. Gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Annemarie Siller und dem Dichter H. C. Artmann entwickelte er im Arkadenhof des Schlosses Porcia ein Sommertheater, das sich ganz der Komödie verschrieb. Aus den anfänglichen Komödienspielen Porcia entwickelte sich eines der renommiertesten Freilichttheaterfestivals Österreichs. Häufig wird dabei auf Inszenierungen klassischer Komödien von Autoren wie Shakespeare, Molière, Goldoni, Nestroy oder Feydeau zurückgegriffen, aber es gibt auch Bearbeitungen von klassischen Romanen sowie von Filmkomödien zu sehen und so manche originelle Komödie neueren Datums, die mit einem etwas schrägeren Setting aufwartet. Jährlich gibt es zudem eine Inszenierung, die sich speziell an junges Publikum richtet, wobei man sich an Kinderbuch-Klassikern oder auch an Märchen orientiert. Als Besonderheiten gibt es den Theaterwagen seit 2015, der mit einer eigenen Produktion durch die Lande zieht, und so das Ensemble Porcia auch in die Steiermark, nach Osttirol und nach Wien bringt. Außerdem gibt es seit 2025 den Komödienpreis Porcia, wobei das Siegerstück in der folgenden Saison vom Ensemble Porcia im Theater der Probebühnen uraufgeführt und anschließend am Schauspielhaus Salzburg gezeigt wird. Das ist heuer „Doppelt gemoppelt“ von Manfred Schild.
Das künstlerische Leitungsteam der Komödienspiele 2026: Kathrin Eingang, Florian Eisner, Anja M. Wohlfahrt

Das künstlerische Leitungsteam der Komödienspiele 2026: Kathrin Eingang, Florian Eisner, Anja M. Wohlfahrt (Fotocredit: Ensemble Pocia)

„Doppelt gemoppelt“ von Manfred Schild

Als einziges Stück des Festivals ist diese Produktion nicht im Schloss, sondern im Theater der Probebühne am Stadtrand zu sehen. Der Weg dorthin lohnt sich: Die dystopische Komödie verbindet Spannung, schwarzen Humor und gesellschaftlichen Tiefgang. Josef Felix Krasser wacht nach einer durchzechten Nacht auf und findet mit Jan Ingo Paulick einen fremden Mann in seiner Wohnung, der behauptet, diese gehöre ihm. Was zunächst wie ein wirrer Albtraum oder skurriler Scherz wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einer ausweglosen Bedrohung. Als sogar Josefs Frau Margit Sonja Kreibich erklärt, sie sei seine Betreuerin in jener Anstalt, aus der er angeblich ausgebrochen ist, beginnt er an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Auch die Nachbarin Julia Urban, die dem Ehepaar bisher eng verbunden war, erweist sich als weniger vertrauenswürdig als gedacht. Hinter dem perfiden Spiel verbirgt sich eine Welt, in der Effizienz und Optimierung mehr zählen als der einzelne Mensch. Das Stück entwickelt daraus eine intelligente Parabel auf eine Gesellschaft, die Nützlichkeit zum höchsten Gut erklärt und dabei Menschlichkeit und Würde preisgibt. Trotz vieler kurios-komischer Momente bleibt einem daher so manches Lachen im Hals stecken.
„Doppelt gemoppelt“ von Manfred Schild

„Doppelt gemoppelt“: Sonja Kreibich, Ingo Paulick, Julia Urban, Felix Krasser (Fotocredit Johanna Lamprecht)

Darsteller:innen: Ingo Paulick, Felix Krasser, Sonja Kreibich, Julia Urban Regie: Leila Müller Assistenz: Karoline Breschar Bühne: Nina Ball Kostüme: Alexia Engl Termine: 11:00: 02.08. (So), 19:00: 12.07. (So), 13.07. (Mo), 19:07. (So), 20.07. (Mo) , 26.07. (So), 27.07. (Mo), 03.08. (Mo), 09.08. (So), 10.08. (Mo),16.08. (So), 17.08. (Mo)
„Doppelt gemoppelt" von Manfred Schild

„Doppelt gemoppelt“: Josef (Felix Krasser) trifft auf einen fremden Mann (Ingo Paulick ) in seiner Küche (Fotocredit Johanna Lamprecht)

„Der Gefoppte“ von Georges Feydeau in einer Fassung von H.C. Artmann und Herbert Wochinz

Zum 65-jährigen Jubiläum steht nun wieder jenes Stück auf dem Spielplan, mit dem 1961 alles begann. Der Klassiker in der Tradition des französischen Vaudeville beleuchtet die Scheinmoral des Bürgertums und entfaltet sich als temporeiche Verwechslungskomödie um Ehebruch und Rache. Die Inszenierung wirkt wie eine Zeitreise voller konservativer Frivolität und mit einem Hauch von Operette. Vieles ist bewusst überzeichnet, was sich auch in den Frisuren und Kostümen zeigt: eine Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, ergänzt durch verrückte Accessoires. Doch der Schwung, mit dem die Liebesgeschichten und Liebeswirren erzählt werden, zieht das Publikum rasch in die Handlung hinein. Dazu trägt auch bei, dass sich die Frauen in dieser Inszenierung ebenso behaupten können, obwohl sie dabei nicht wesentlich geschickter agieren als die Männer.
„Der Gefoppte“ von Georges Feydeau in einer Fassung von H.C. Artmann und Herbert Wochinz

„Der Gefoppte“: Ensemble (Fotocredit Johanna Lamprecht)

Darsteller:innen: Johannes Sautner, Sonja Kreibich, Ingo Paulick, Markus Weitschacher, Veronika Petrovic, Reinhardt Winter, Julia Urban, Felix Krasser, Leila Müller, Christine Rainer, Tobias Kochseder Regie: Florian Eisner Assistenz: Lara Schöttl Bühne: Nina Ball Kostüme: Alexia Engl Termine: 17:00: 18.07. (Sa), 24.07. (Fr), 12.08. (Mi) 20:30: 07.07. (Fr), 14.07. (Di), 17.07. (Fr), 23.07. (Do), 29.07. (Mi), 01.08. (Sa), 06.08. (Do), 12.08. (Mi), 22.08. (Sa)
„Der Gefoppte“ von Georges Feydeau in einer Fassung von H.C. Artmann und Herbert Wochinz

„Der Gefoppte“: Johannes Sautner und Sonja Kreibich (Fotocredit Johanna Lamprecht)

„Halbpension mit Leiche“ vom Autorenkollektiv Die Acht

„Mein Name ist Pretty und ich habe das letzte Mal vor drei Monaten gemordet.“ Es sind die durchgeknallten Figuren, die diesen Abend zu einem besonderen Vergnügen machen. Fünf Mörder, deren kleine und größere Schwächen sie immer wieder zum Töten verleiten, gründen nach einer gemeinsamen Therapie ein Hotel. Ihre Spleens reichen vom Hygienewahn über eine ausgeprägte Liebe zu Insekten oder Messern bis hin zu einem gefährlich kompromisslosen Mitleid mit verzweifelten Menschen. Als ausgerechnet ihre frühere Psychologin mit ihrem Mann zu den ersten Gästen zählt und kurz darauf unerwarteter Besuch eintrifft, nimmt das Chaos seinen Lauf. Die fünf versuchen einander davon abzuhalten, rückfällig zu werden, während ihre ehemaligen Therapeutin ihre Schwächen geschickt für die eigenen Zwecke ausnutzt. Es macht großen Spaß, dem verrückten Treiben auf der Bühne zuzusehen, und am Ende hat sich das gesamte Ensemble mit seiner spielerischen Leistung locker fünf Sterne verdient.
„Halbpension mit Leiche“ vom Autorenkollektiv Die Acht

„Halbpension mit Leiche": Ensemble (Fotocredit Johanna Lamprecht)

Darsteller:innen: Clara Diemling, Katharina Gerlich, Dominik Kaschke, Ninja Reichert, Veronika Petrovič, Johannes Sautner, Klemens Dellacher, Markus Tavakoli Regie: Susi Weber Assistenz: Maria Weichesmüller Bühne: Alexandra Burgstaller Kostüme: Katia Bottegal Musik: Wolfgang Rainer Termine: 17:00: 25.07. (Sa), 31.07. (Fr), 08.08. (Sa), 14.08. (Fr), 20:30: 16.07. (Do), 18.07. (Sa), 30.07. (Do), 05.08. (Mi), 07.08. (Fr), 13.08. (Do), 15.08. (Sa), 18.08. (Di), 20.08. (Do)
„Halbpension mit Leiche“ vom Autorenkollektiv Die Acht

„Halbpension mit Leiche“: Johannes Sautner mit Ninja Reichert und Klemens Dellacher im Hygenewahn (Fotocredit Johanna Lamprecht)

„Die Bremer Stadtmusikanten“ frei nach den Gebrüdern Grimm von Annalena Küspert

Anja M. Wolfahrt inszeniert das Kinderstück mit viel Liebe zum Detail für die einzelnen Charaktere. In bunte Kostüme gehüllt, die den Tieren auch eine zusätzliche individuelle Note verleihen, agieren die Darsteller:innen dem jungen Publikum zugewandt, das dann auch entsprechend mitfiebert. Allen vieren ist gemeinsam, dass sie nicht mehr gebraucht werden, aber sie gehen damit auf unterschiedliche Weise um, und so gibt es auch kleine Nicklichkeiten untereinander, doch der Wunsch, Musik zu machen, und die Angst vor den Räubern schweißen sie mehr und mehr zusammen. So finden Sie am Ende den Mut, nicht nur gegen die Räuber zu bestehen, sie finden sogar ein neues gemeinsames Zuhause, auch wenn dadurch die Band-Karriere in Bremen auf der Strecke bleibt. Aber Musik kann man ja überall machen – Hauptsache, es macht Spaß! Musikalisch wird die Inszenierung aus dem Off mit originellen Arrangements mit ebenso originellen Texten zu bekannten Songs von Toto bis Queen, teilweise auch remixed, begleitet.
„Die Bremer Stadtmusikanten“ frei nach den Gebrüdern Grimm von Annalena Küspert

Hahn Rotkopf (Clara Diemling), Hund Packan (Katharina Gerlich), Katze Bartputzer (Anna Zöch) und Esel Grauschimmel (Markus Tavakoli) (Fotocredit Johanna Lamprecht)

Darsteller:innen: Clara Diemling, Markus Tavakoli, Katharina Gerlich, Anna Zöch, Ninja Reichert, Dominik Kaschke, Klemens Dellacher Regie: Anja M. Wohlfahrt Assistenz: Maria Weichesmüller Bühne: Fabian Türk Kostüm: Katia Bottegal Musik: Grilli Pollheimer Termine: 17:00: 16.07. (Do), 21.07. (Di), 23.07. (Do), 28.07. (Di), 30.07. (Do), 04.08. (Di), 11.08. (Di), 13.08. (Do), 18.08. (Di), 20.08. (Do)
„Die Bremer Stadtmusikanten“ frei nach den Gebrüdern Grimm von Annalena Küspert

„Die Bremer Stadtmusikanten“: Die Räuber Piet (Dominik Kaschke) und Knut (Klemens Dellacher) mit ihrer Räuberhauptfrau Brunhild (Ninja Reichert) in ihrer „Räuberhöhle“ (Fotocredit Johanna Lamprecht)

„Honig im Kopf“ von Florian Battermann und Rene Heinersdorf nach dem Film von Hilly Martinek und Till Schweiger

Der Erfolgsfilm mit Didi Hallervorden in der Hauptrolle wird in dieser Inszenierung mit viel Gefühl auf die Bühne gebracht. Wie sensibel die Geschichte des an Alzheimer erkrankten Großvaters Reinhardt Winter, seiner Enkelin Anna Zöch und deren Eltern, gespielt von Leila Müller und Florian Eisner, erzählt wird, zeugt von großer Inszenierungskunst. Regisseur Dominik Paetzholdt spielt gekonnt mit den Emotionen zwischen Traurigkeit und Humor, ohne dass die Figuren trotz aller Komik ihre Würde verlieren. Tragische und heitere Momente halten sich die Balance, sodass die Stimmung nie zu stark in eine Richtung kippt. Neben den Hauptdarsteller, die mit ihrem lockeren und zugleich intensiven Spiel begeistern, tritt Markus Weitschacher als Running Gag immer wieder in unterschiedlichen kleinen Rollen auf und spielt dabei groß auf: als verwirrter Carabiniere, bierliebender bayerischer Schaffner, einfallsreiche Südtiroler Putzkraft am Bahnhof oder venezianischer Hotelportier, der mit seinem Bart zu kämpfen hat. Insgesamt stemmt er mindestens zwölf Rollen, wobei besonders sein Hydrant wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Diese Inszenierung bringt vielleicht so etwas wie die Essenz des Ensembles Porcia auf den Punkt: Man trifft sich im Theater zum gemeinsamen Lachen und gelegentlich auch zum gemeinsamen Weinen – und schenkt dem Publikum am Ende eine beinahe kathartische Erfahrung.
„Honig im Kopf“ von Florian Battermann und Rene Heinersdorf nach dem Film von Hilly Martinek und Till Schweiger

„Honig im Kopf“: Die Enkelin (Anna Zöch) mit ihrem Opa (Reinhardt Winter) (Fotocredit Johanna Lamprecht)

Darsteller:innen: Reinhardt Winter, Anna Zöch, Florian Eisner, Leila Müller, Markus Weitschacher Regie: Dominik Paetzholdt Assistenz: Karoline Breschar Bühne: Alexandra Burgstaller Kostüme:William Joop Musik: Tobias Kochseder, Christine Rainer Termine: 17:00: 29.07. (Mi), 01.08. (Sa), 05.08. (Mi), 07.08. (Fr), 15.08. (Sa) 20:30: 22.07. (Mi), 25.07. (Sa), 28.07. (Di), 31.07. (Fr), 04.08. (Di), 11.08. (Di), 14.08. (Fr), 19.08. (Mi), 21.08. (Fr)
„Honig im Kopf“ von Florian Battermann und Rene Heinersdorf nach dem Film von Hilly Martinek und Till Schweiger

„Honig im Kopf“: Die Eltern Florian Eisner und Leila Müller, während Opas (Reinhardt Winter) Erinnungen im Hintergrund verblassen (Fotocredit Johanna Lamprecht)