Upcycling für Kindergartenwitze

Kritik: Jonas Bonas – Generation Spielplatz

Text: Lydia Bißmann - 20.10.2026

Rubrik: Kleinkunst

Jona Bonas besticht in seinem Programm: GEneration Spielplatz mit schnödem Wortwitz undEsprit. (Fotocredit: Leonie Zettl)

Kleinkunstvogel-Preisträger 2026 Jonas Bonas nimmt in seinem Programm „Generation Spielplatz“ seine eigene, aber auch alle anderen sogenannten Generationen aufs Korn und beweist damit einen Hang zum Absurden, Mut zum Flachwitz und Bühnenpräsenz für drei Stadthallen.

Der in Wels geborene Gewinner des Kleinkunstvogels 2026, Jonas Bonas, nennt sich der „jüngste Kabarettist Österreichs“. Die Begründung: Er sei jünger als der USB-Stick, jünger als der Euro und auch jünger als der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Präsentiert wird das alles auf einer PowerPoint, die nach Augenkrebs schreit und Erinnerungen an die 90er-Jahre und diverse Microsoft-Programme hervorruft. Ein Telefon mit Wählscheibe ist ziemlich sicher älter als der Künstler, der darauf immer wieder von seiner Mama angerufen wird.

Fotocredit: Leonie Zettl

Namensblödelei und Generationennonsens

Mit Ortsnamenwitzen hat sich Jonas Bonas auf TikTok und Instagram einen Namen gemacht – bis zu sieben Millionen Aufrufe sollen einzelne Posts haben. Tatsächlich sind die phonetisch angelegten Wortwitze auf Bahnstationen („Ich finde, dass ich gar nicht so Bad Aussee“ oder „Ich hab jetzt Gratkorn Bock …“) manchmal umwerfend komisch, vor allem, weil sie von einer Kunstfigur vorgetragen werden, die wirkt wie ein Opa im Kinderpyjama in Primärfarben. Dieses Spannungsverhältnis zieht sich durch den ganzen Abend. Thema ist seine eigene Generation, die Gen Z, die im Allgemeinen als faul, psychisch ungesund und unambitioniert dargestellt wird. Eines der ältesten Stereotype der Welt, nämlich dass die Jungen nichts taugen, wird so über 90 Minuten lang bespielt und mit viel Charme und so seichten Witzen, dass sie schon wieder erstklassig sind, zerlegt. Als Vorlage dienen die eigene Biografie, die Schulzeit, Klassentreffen und die Geburtsstadt mit Bordell im Wahrzeichen. Teilweise dürften die Witze schon in der Kindergartenzeit des Bundespräsidenten erzählt worden sein, lustig sind sie aber immer noch – vor allem, wenn sie von einem personifizierten Hofnarren mit enorm viel Pfeffer im Hintern vorgetragen werden. Recycling ist nicht nur in Mode, es ist eine Pflicht. Und warum soll man das nicht auch mit Witzen machen?

Stabile Bühnenperformance

Jonas Bonas veranstaltet auch PowerPoint-Karaoke, bei dem man zu einer völlig unbekannten Präsentation improvisieren muss. Wie das geht, zeigt er vor, und man bekommt enorm Lust auf dieses noch unbekannte Genre. Bemerkenswert und sehr ungewöhnlich ist die Zusammensetzung des Publikums, das die Show besucht, die der Kleinkunstvogel-Gewinner im Theatercafé aufführen darf. Es ist divers, umfasst so ziemlich jede Altersgruppe und lässt sich einfach nicht zuordnen. Etwas Besseres kann einem fast nicht passieren. Der Spagat zwischen TikTok und Theaterbühne ist kein kleiner, der jüngste Kabarettist Österreichs verfügt aber über genügend Hirn- und Oberschenkelmuskelmasse, um ihn zu stemmen.