Der Esprit der Freundschaft im urbanen Umfeld
Kritik: Fiesta, Next Liberty
Text: Lydia Bißmann - 11.05.2026
In der Regie von Karin Drechsel bringt das Next Liberty das preisgekrönte Stück Fiesta der französischen Autorin Gwendoline Soublin auf die Bühne.

Raffiniertes Bühnenbild bei Fiesta. (Fotocredit: Lex Karelly)
Pragmatismus mit Gefühl
„Fiesta” spielt in einer französischen Hochhaussiedlung, in der fünf Freunde mit- und nebeneinander heranwachsen. Ein für sich schon wunderschön-urbanes Bühnenbild (Christine Grimm) arbeitet mit schlichten, aber sehr effektiven Tricks wie Projektionen, die der Stimmung der Handlung bestens entsprechen. Über einer grauen Hochhausfront ändert sich der Himmel in unterschiedlichen Grautönen bis hin zu sehr dunklem oder giftgelbem Licht, das das Heraufziehen und vor allem das Nicht-wieder-Weggehen eines bedrohlichen Unwetters zeigt. Genau dieser Orkan mit dem „Altfrauennamen” Maria Theresia bedroht den sorgfältig geplanten und innigst herbeigesehnten zehnten Geburtstag von Nono. Alle möglichen und unmöglichen Dinge ziehen im Laufe des Spiels über die Hochhausleinwand (Video: Brigitta Jahn. Von Klopapierrollen, kleinen Hunden bis zu Astronauten oder gar Zustellautos wird so einiges vom schrecklichen Sturm erfasst, der die Menschen in einen Lockdown zwingt. Geschickt stellen die Freund:innen Nonos, der selbst nur einen ganz kurzen Auftritt hat und dessen Handlungen sonst von Luisa (Simone Leski), Kassiopeia (Lisa Rothhardt), Bogomir (Helmut Pucher) und August (Martin Niederbrunner) erzählt werden, das Anwachsen des Orkans mit einem Handföhn, einem Laubbläser und angedeuteter Körperakrobatik nach. Die Mischung aus behutsamer Regie, die den Darsteller:innen sehr viel Bewegungsfreiheit schenkt, und dem pragmatisch-französischen Storytelling lässt die Erwachsenen, die auf der Bühne Kinder darstellen, niemals peinlich, künstlich oder überzeichnet wirken. Die Kostüme (Christine Grimm) sind der zeitgenössischen Mode unterworfen, unterstreichen aber gleichzeitig Individualität und Charakter der liebenswerten Gang. So hat Kassiopeia mit der roten Strickmütze über der schwarzen Nerd-Brille ihren eigenen Kopf, oder die Cargohose mit den vielen Taschen unterstreicht die Hands-on-Mentalität von Bogomir. Luisa trägt keine Jeans und auch sonst ihr Herz nicht so auf der Zunge wie ihre Freundin.

Die französische Autorin und Schauspielerin Gwendoline Soublin wurde für ihre Texte vielfach ausgezeichnet. (Fotocredit: Lex Karelly)
Bunte Kontraste auf Beton

Helmut Pucher als Bogomir und Martin Niederbrunner als August. (Fotocredit: Lex karelly)

Simone Leski als Luisa. (Fotocredit: Lex Karelly)

Lisa Rothhardt. (Fotocredit: Lex Karelly)
