Vergnügliches aus dem Wilden Westen in der Oper Graz
Kritik: Emmerich Kálmán, Arizona Lady
Text: Martin Exner - 17.03.2026
Die Grazer Oper bringt nach mehr als 70 Jahren wieder einmal Emmerich Kálmáns letzte – posthum uraufgeführte – Operette auf die Bühne. Sind viele seiner Operetten nach den darin handelnden Frauenfiguren benannt, so handelt es sich diesmal bei der titelgebenden „Arizona Lady“ ironischerweise um ein Rennpferd.
Das Stück ist gespickt mit pfiffigen Ideen, wie auch jener, dass ausgerechnet im Land der Cowboys die Frauen die starken Persönlichkeiten sind. Dirigent Kai Tietje hat das Stück mit Fingerspitzengefühl bearbeitet und es zu einer charmanten, schwungvollen, manchmal auch melancholischen, aber nie Klamauk-artigen Operette geformt. Die Handlung um die taffe Ranch-Besitzerin Lona Farrell in Geldnöten, ihrem fiesen Widersacher McDumb, den charmanten Cowboy Roy Dexter und Arizona Lady, die nach einigen Wirrungen doch das Kentucky-Derby gewinnt und die Ranch rettet, lässt einiges an Wild-West-Romantik, schwungvolle Choreografien (Evamaria Mayer), an witzigen und hitzigen Dialogen und auch an Liebesirrungen zu.

Grazer Philharmoniker, Michael Großschädl, Martin Fournier, Corina Koller, Frederike Haas, Ivan Oreščanin, Markus Butter, Chor der Oper Graz, Ballett Graz. (Fotocredit: Werner Kmetitsch)
Square Dance, Csárdás und Walzer
Kálmán bettet seine Operette in enorm vielfältige Musik, die auch ihre Nähe zum Musical bisweilen nicht leugnen kann: Vom einfachen Lied mit Banjo- und Klavierbegleitung bis hin zum breiten Hollywood-Sound ist alles dabei, vom Square Dance über den Bolero bis hin zum rassigen Csárdás und zur Wiener Walzerseligkeit ergibt sich ein reichhaltiges, aber niemals überladenes Potpourri an Melodien und Rhythmen – auch hier hat Kai Tietje sanft und kundig eingegriffen. Die Grazer Philharmoniker setzen diese Vielfalt klangschön und präzise um, selbst bei vollem Breitband-Sound bleibt die Bühne immer hörbar.
Es gibt aber nicht nur viel zu hören, sondern es wird auch einiges für die Augen geboten: Die wunderbar wandelbare, stimmungsvoll ausgeleuchtete (Karl Wiedemann) Bühne in Form von unterschiedlich großen, ineinander verschachtelten Saloon-Türen bringt unmittelbare Western-Stimmung und ist von Okarina Peter und Timo Dentler mit pfiffigen Details ausgestattet. Von den beiden stammen auch die zahlreichen detailverliebten Kostüme, die in die Zeit passen, aber dennoch auch den einen oder anderen Kick in die Moderne anklingen lassen – es gibt also viel zu sehen!

Frederike Haas und Corina Koller. (Fotocredit: Werner Kmetitsch)
Grätsche in die Gegenwart
Frederike Haas als Rangerin Lona Farrell und Christof Messner als kunstsinniger Cowboy Roy Dexter sind sympathische Protagonisten, die die charakterlichen Breiten ihrer Figuren bestens ausloten (Regisseur Christian Thausing gelingt es, allen Protagonisten ein unverwechselbares Profil mitzugeben), allein stimmlich merkt man ihnen die Herkunft aus dem Musical-Metier etwas an, wenn sie gegen die Opernstimmen aus dem Grazer Ensemble (trotz Verstärkung) nicht immer ganz ankommen. Und aus diesem Ensemble sind derartig viele Rollen bestens besetzt, dass man hier gar nicht alle nennen kann. Erwähnt werden muss aber Corina Koller, die als selbstbewusste Marketenderin Nelly Nettleton stimmlich wir darstellerisch den Ton angibt. Ebenso Ivan Oreščanin, der den Stadtjungen Chester Kingsbury, der sich in der Prärie gar nicht wohlfühlt, mit Charme und stimmlich einwandfrei gibt. Markus Butter ist ein kantiger, präsenter Sheriff Harry Sullivan, Anna Brull eine stimmlich herausragende Barsängerin Bonita und Martin Fournier ein jahrmarktschreiend komischer Cavarelli.
Und noch einen geschickten Eingriff in das Original hat es gegeben: der ursprünglich mexikanische Widerling Lopez Ibanez, der es auf Lona Farrells Farm abgesehen hat, wird hier zu Donald McDumb, unverkennbar ein Pendant zum derzeitigen amerikanischen Präsidenten, dem gewisse Grauslichkeiten nicht fremd und Gesetzestreue eher fern sind, woraus sich auch einige köstliche Pointen ergeben, wobei einem ob der Aktualität der Dinge manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt. Gut so! János Mischuretz spielt den Bösewicht dämonisch und beeindruckend präsent.
Viel Applaus gab es am Ende dieser kurzweiligen, musikalisch bestens aufbereiteten und opulent ausgestatteten Aufführung, die jedenfalls das Zeug zum Publikums-Hit hat.

Anna Brull, Chor der Oper Graz und Ballett Graz. (Fotocredit: Werner Kmetitsch)
Emmerich Kálmán: Arizona Lady
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Martin Fournier und Corina Koller. (Fotocredit: Werner Kmetitsch)
