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Kritik: Biedermann und die Brandstifter, Planetenparty Prinzip / Franz von Strolchen

Text: Lydia Bißmann - 13.03.2026

Rubrik: Theater
Kritik: Biedermann und die Brandstifter, Planetenparty Prinzip / Franz von Strolchen

Marlen Weingartmann glänzt als mahnender Chor, Feuerwehrhauptfrau und Dienstmädchen Anna in Biedermann und die Brandstifter. (Fotocredit: Edi Haberl)

Franz von Strolchen (Theater im Lend) und das Planetenparty Prinzip haben sich mit der Produktion „Biedermann und die Brandstifter. Eine Heimsuchung“, einen Theaterklassiker, der nach wie vor durch Schärfe und Unbequemlichkeit besticht, zur Brust genommen und in eine ungewöhnliche Aufführungsform gegossen.

Das Ergebnis der Kooperation ist ein Hybrid zwischen exzellenter Vorbereitung, konzentrierter Logistik und Improvisation. Gespielt wird das Max-Frisch-„Lehrstück ohne Lehre“ in privaten Wohnungen, deren Bewohner:innen nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Um die 40 Menschen finden sich bei der Premiere am 10. März am Mariahilferplatz ein, um sich, begleitet von echten Fackeln, gemeinsam zur bespielten Privatwohnung zu begeben.
Kritik: Biedermann und die Brandstifter, Planetenparty Prinzip / Franz von Strolchen

Biedermann und die Brandstifter mit Nora Köhler, Moritz Ostanek, Marlen Weingartmann (Fotocredit: Edi Haberl)

Elegante Choreografie aus dem Nichts

Marlen Weingartmann übernimmt als Feuerwehrfrau die Kontrolle und spart nicht mit Anweisungen oder Anekdoten auf dem Weg. Die Schauspielerin, die Teil der Theaterfabrik Weiz ist und regelmäßig beim Kollektiv Planetenparty Prinzip mitwirkt, hat alle Hände voll zu tun. Neben dem Hausmädchen Anna, die im Stück als eine der wenigen mit einem Rest klarem Verstand hervorsticht, übernimmt sie neben der Rolle des warnenden Chors noch einiges mehr. Es sind immer neue Orte, die im Laufe der Produktion bespielt werden; das gesamte Team kennt sie vor dem Spiel so gut wie gar nicht. Annas Aufgabe als Biedermann-Hausmädchen ist auch jene, die Besucher:innen vor Ort zu koordinieren und wichtige Anweisungen zu geben, die dem Spielverlauf dienen. Sie tut das mit einer eleganten Leichtigkeit, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätte, als sich um genau diesen Haushalt zu kümmern. Patzen würde vielleicht gar nicht auffallen, das tut Marlene Weingartmann nicht. Es sieht alles federleicht und selbstverständlich aus bei ihr, man fühlt sich nicht viel anders.

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Biedermann und die Brandstifter wird immer in anderen Privatwohnungen gespielt. (Fotocredit: Edi Haberl)

Böses Funkeln und ein Spezialhandtuch


Der Biedermann-Plot, der textlich vom Regisseur mit einigen zeitgenössischen Adaptionen versehen wurde, ist schnell erzählt: Kleinbürger Biedermann kann gut über Brandstifter maulen, wenn er im Wirtshaus sitzt oder die Zeitung liest – klopfen die Bösewichte an seine eigene Haustür, wird er schnell ganz kleinlaut. Sein mangelndes Selbstvertrauen und sein eingeschränktes Denkvermögen bringen ihn dazu, den Zündlern im eigenen Haus noch die Streichhölzer zu überreichen. Moritz Ostanek füllt die Rolle des Ex-Ringers und Ex-Knackis Schmitz mit jeder Zelle seines Körpers aus. Die Core-Values des Planetenparty-Prinzips – Authentizität und sehr viel eigener Charakter in den Rollen – beherrscht er aus dem Effeff. Souverän mampft er sich durch den Kühlschrank der Biedermanns, spart nicht mit wortreichem Schmalz und Bröseln und gewinnt die Herzen der Zuseher:innen gänzlich für sich, als er nur mit einem Handtuch um die Hüften die Pflegeprodukte aus dem Biedermannschen Badezimmer feiert. Ungewohnt an ihm sind ein böses Glitzern in den Augen und ein Hauch von latenter Aggressivität in seiner Körpersprache. Diese neue Facette ist erfrischend, steht ihm ausgezeichnet und zeigt die Bandbreite seines spielerischen Könnens.

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Moriz Ostanek als brandstifter Schmitz. (Fotocredit: Edi Haberl)

Texttattoos und andere Wahrheiten

Nora Köhler verleiht der Figur des höflichen Bösewichts mit dem amikalen Sprachduktus und den besten Manieren, Wilhelm Eisenring, einen neuen Drive. Völlig entspannt und gelassen bittet sie ihren unfreiwilligen Gastgeber, doch die Zündschnur zu halten, damit sie sie messen kann. Geschmeidig präsentiert sie ihm ihre temporären Tattoos auf Armen und Beinen, die – so wie Handtücher, Transparente oder Servietten – als Texthilfe dienen. Sie braucht kein diabolisches Augenfunkeln, keine Drohgesten. Es sind die paar Mikrosekunden mehr, die sie sich nimmt, bevor sie antwortet, die zenartige Ruhe, die sie ausstrahlt, wenn sie Biedermann ganz nebenbei erklärt, dass die Wahrheit doch immer die beste von allen Tarnungen ist. Weil sie niemand glaubt.

Kritik: Biedermann und die Brandstifter, Planetenparty Prinzip / Franz von Strolchen

Nora Köhler als Wilhelm Eisenring. (Fotocredit: Edi Haberl)

Theatererfahrung mit Fun-Faktor

Einen fremden Haushalt in Begleitung von unbekannten Menschen zu betreten, braucht eine gewisse Überwindung. Franz von Strolchen hat den Biedermann bereits 2018 in Luzern in privaten Wohnungen inszeniert. Wie bei vielen seiner Produktionen gibt es auch hier etliche Fragezeichen, die in den Köpfen der Zuseher:innen auftauchen und oft erst Tage später wieder verschwinden. Mit oft banal erscheinenden Interventionen irritiert er, zerlegt Glaubenssätze und rüttelt Erwartungen durcheinander. In dieser Produktion überlegt man sich schlicht, wie man es schafft, dass so viele Menschen ihre Schuhe ordentlich aus- und wieder anziehen, woher die Fülle an Requisiten auf einmal auftaucht oder ob Moriz Ostanek tatsächlich geduscht hat. Es wäre aber nicht Franz von Strolchen, gäbe es nicht eine Aus- oder Erlösung am Ende und viel entspannte Atmosphäre davor. Feinfühlig und fast unsichtbar führt der Regisseur Publikum und Spielende durch seine Produktionen. Nie fühlt man sich als Zusehende an der falschen Stelle, fremd oder peinlich berührt. Ein wunderbares Theatererlebnis, das viel zum Nach- und Umdenken mitgibt, aber vor allem ziemlichen Spaß macht.
Kritik: Biedermann und die Brandstifter, Planetenparty Prinzip / Franz von Strolchen

Nora Köhler. (Fotocredit: Edi Haberl)

Biedermann und die Brandstifter. Eine Heimsuchung

Regie/Konzept: Franz von Strolchen Dramaturgie/Abendspielleitung: Maria Leitgab Mit: Nora Köhler, Moritz Ostanek, Marlen Weingartmann Kostüm: Flora Hogrefe
Kritik: Biedermann und die Brandstifter, Planetenparty Prinzip / Franz von Strolchen

Nora Köhler, Moritz Ostanek. (Fotocredit: Edi Haberl)