Naturkundemuseum und Neue Galerie zum Jahresthema BLOOM

Analytische Schönheit & Blümchensex

Text: KUMA-Redaktion - 27.04.2026

Rubrik: Museum
Ausstellungsansicht "Analytische Schönheit"  Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Ausstellungsansicht "Analytische Schönheit" Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

An acht Standorten mit insgesamt zehn Ausstellungen steht das Universalmuseum Joanneum 2026 mit dem Jahresthema BLOOM ganz unter dem Zeichen der Blume.

Das Naturkundemuseum widmet sich mit „Blümchensex“ dem bunten Treiben der Pflanzen und zeigt, wie vielfältig und überraschend sich das Liebesleben in der Pflanzenwelt gestaltet. Die Neue Galerie Graz zeigt mit „Analytische Schönheit“ Blumenbilder aus 200 Jahren. Im Zentrum stehen hier Blumendarstellungen, die die bemerkenswerte Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst sichtbar machen.

Ausstellungsansicht „Blümchensex. Das bunte Treiben der Pflanzen“  Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kuce

Ausstellungsansicht „Blümchensex. Das bunte Treiben der Pflanzen“ Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kuce

Blümchensex, Steine und Sammlungskostbarkeiten

Pflanzen sind Lebewesen und ja, auch sie haben Sex. Mit der Ausstellung Blümchensex. Das bunte Treiben der Pflanzen bringt das Naturkundemuseum Aufklärung über das vielfältige und überraschende Liebesleben der Pflanzen. Alles dreht sich um das „Lustzentrum“ der Pflanzen, die Blüten, in denen sich die Sexualorgane – Staubblätter und Fruchtknoten – befinden. Geschlechterverhältnisse in Blüten sind äußerst divers: Männchen, Weibchen, Zwitter und auch Sterile – alles ist möglich, und das in jeder erdenklichen Kombination. Beim Pflanzensex dreht sich alles um die Frage, wie die Pollenkörner auf die richtige Narbe gelangen. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Pflanzen in der Regel fest verwurzelt sind und sich nicht aufeinander zubewegen können. Das Kurator:innenteam Kurt Zernig, Martina Pöltl und Gernot Friebes will in dieser Ausstellung zeigen, wie vielfältig Pflanzen die Bestäubung bewerkstelligen, wie divers und manchmal auch komplex die Geschlechterverhältnisse sind, wieso der ganze Aufwand mit dem Sex überhaupt betrieben wird und warum auch wir Menschen von einem erfolgreichen Sexleben der Pflanzen profitieren. Veranschaulicht wird das unter anderem mittels Pflanzen-Präparaten, die in einem aufwendigen Verfahren angefertigt wurden: Frische Pflanzen werden in mehrere Teile zerlegt und in feinkörnigem Silicagel eingebettet, wo sie, ohne die Form zu verlieren, trocknen. Wenn es notwendig ist, werden sie koloriert und schlussendlich wieder behutsam zusammengesetzt. Insgesamt sind 28 auf diese Art und Weise präparierte Pflanzen zu sehen. In einem eigens errichteten Dark-Room ist es möglich, Blüten durch die Augen von Insekten zu sehen.
Ansicht der Intervention "Eisenrose und Chrysanthemen-Stein" in den Mineraliensälen im Naturkundemuseum

Ansicht der Intervention "Eisenrose und Chrysanthemen-Stein" in den Mineraliensälen im Naturkundemuseum

Eisenrose und Chrysanthemen-Stein

Dass Mineralien und Gesteine häufig Bezug auf Eigenschaften von Blumen oder Pflanzen nehmen, zeigt eine Intervention in den Mineraliensälen des Naturkundemuseums: Eisenrose und Chrysanthemen-Stein macht anhand von ausgewählten Beispielen deutlich, dass mancher Mineraloge sich bei der Namensgebung für farbenprächtige Mineralien von Blütenfarben inspirieren ließ.
Ausstellungsansicht "Analytische Schönheit"  Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Ausstellungsansicht "Analytische Schönheit" Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Analytische Schönheit – Blumendarstellungen als Tor zur Erkundung der Welt

 Die Ausstellung Analytische Schönheit präsentiert bislang noch nie gezeigte Blumendarstellungen aus der Sammlung der Neuen Galerie Graz und ausgewählte Leihgaben aus Privatbesitz, wobei sich der Motivkreis von biedermeierlichen Aquarellen über fernöstliche Farbholzschnitte bis hin zu zeitgenössischen Blumendarstellungen erstreckt. Sie alle verdeutlichen einen zeitlosen Sinn für die Schönheit der Natur, aber auch die Neugierde, mit der wir seit jeher ihre Geheimnisse zu enträtseln suchen. Aber auch heute greift die Botanik teilweise auf gemalte Pflanzendarstellungen zurück, da sie Details weit anschaulicher als Fotografien wiedergeben können. Beispiele aus Österreich sind Moritz Michael Daffinger, Josef von Hempel und Joseph Kuwasseg, deren Werke auch künstlerisch inszeniert waren und das Ideal einer kosmischen Ordnung vermittelten.

Die botanische Zeichnung bleibt in bestimmten Bereichen relevant, da sie manche Aspekte präziser zeigt als Fotografien. So verbindet Hildegard Könighofer wissenschaftliche Dokumentation mit ästhetischem Anspruch und arbeitet zugleich konzeptuell in seriellen Motivfolgen. Die Fotoserie Vanitas (in einer Petrischale) von Suzanne Anker zu sehen. Indem Anker das niederländische Stillleben-Genre in die Fotografie überträgt, nutzt sie die Petrischale als Symbol für das, was noch entstehen wird – insbesondere im Bereich der synthetischen Biologie, aber auch als Mahnung, die an die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Verwandlung der Elemente der Erde erinnert.

Ausstellungsansicht "Analytische Schönheit"; rechts die Kunstintervention von Suzanne Anker  Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Ausstellungsansicht "Analytische Schönheit"; rechts die Kunstintervention von Suzanne Anker Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Peter Peer, Kurator der Ausstellung  Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Peter Peer, Kurator der Ausstellung Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Unbekannter Künstler, Drei Tulpen, Aus dem Bestand der Ständischen Zeichnungsakademie  Sammlung Neue Galerie Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/C. Schmaranz

Unbekannter Künstler, Drei Tulpen, Aus dem Bestand der Ständischen Zeichnungsakademie Sammlung Neue Galerie Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/C. Schmaranz

Analytische Schönheit & Blümchensex

Ort: Neue Galerie Graz
Laufzeit: 24.04. - 04.10.2026
Kuratiert von Peter Peer

Blümchensex – Das bunte Treiben der Pflanzen

Ort: Naturkundemuseum, Sonderausstellungsräume 2.OG
Laufzeit: 24.04.2026 - 12.09.2027
Kuratiert von Kurt Zernig, Martina Pöltl und Gernot Friebes