Ein Festival mit Dramaturgie

14. Internationales Jazz Festival Leibnitz

Text: KUMA-Redaktion - 10.09.2026

Rubrik: Musik

Taiko Saito, Fotocredit: Cristina Marx

„Von Schloss zu Schloss“ führt die 14. Ausgabe des Jazzfestivals Leibnitz: Von 24. bis 27. September sind an vier Tagen zehn Konzerte zwischen internationalem Jazz, ungewöhnlichen Formationen und heimischen Entdeckungen zu erleben. Gespielt wird im Schloss Seggau, im Kulturzentrum Leibnitz, im Alten Kino und am Hauptplatz. Zum Finale kommt ein neuer Spielort hinzu: Erstmals gastiert das Festival im Schloss Ottersbach in Großklein.

Für Artistic Director Otmar Klammer ist ein Festival mehr als eine Reihe einzelner Konzerte. Entscheidend sei die Dramaturgie: Wie folgen die Auftritte aufeinander, welche Kontraste entstehen, welche musikalischen Linien lassen sich über mehrere Tage verfolgen? Das Jazzfestival Leibnitz ist daher als Ganzes gedacht – und soll möglichst auch so erlebt werden. „Zehn Konzerte sind die Grenze des Zumutbaren“, sagt Klammer. Das klingt ein wenig nach Warnung, ist aber vor allem eine Einladung: mehrere Tage lang zuzuhören, Zusammenhänge zu entdecken und sich auch auf Musik außerhalb der eigenen Hörgewohnheiten einzulassen. „Mehr wagen und ausprobieren“ lautet seine Devise. Wachsen um jeden Preis soll das Festival dennoch nicht. Eine bewusst gesetzte Obergrenze bei den Besucher:innen versteht Klammer auch als Schutz vor einer zunehmenden Kommerzialisierung des Programms. Das Publikum reist inzwischen aus ganz Österreich mit Schwerpunkt Graz und Wien, aber auch aus Italien, Slowenien, Tschechien und der Schweiz an. Zugleich bleibt die Verankerung in Leibnitz wichtig – etwa durch das Kinderkonzert, die Jazz Lounge am Hauptplatz und die Zusammenarbeit mit Weinbaubetrieben aus der Region. Internationaler Anspruch und lokaler Bezug sollen einander nicht ausschließen, sondern ergänzen. Auch Ö1 ist wieder dabei und zeichnet Konzerte für spätere Sendungen auf.
Kirk Knuffke

Kirk Knuffke , Fotocredit: Dago Uloa

Free Jazz und orchestrale Grenzgänge

Den Auftakt macht am Donnerstag das Trio HAEZZ im Weinkeller von Schloss Seggau. Das Trio verbindet Bläserklang, Groove und Improvisation. Anschließend treffen der amerikanische Trompeter Kirk Knuffke und sein Trio auf den Geiger Charlie Burnham. Am Freitag führt die Dramaturgie vom Nachwuchsprogramm bis tief in die Nacht. Nach „Jazz for Kids“ mit der Stefan Heckel Group und Fiona Jansch treffen im Hugo-Wolf-Saal Sonic Organism auf den amerikanischen Saxofonisten Greg Osby. Danach entfaltet das Berliner Andromeda Mega Express Orchestra seinen großformatigen Klangkosmos zwischen Jazz, zeitgenössischer Musik und orchestraler Überfülle. Zu später Stunde übernimmt Alexander von Schlippenbach im Alten Kino. Der Pianist zählt zu den prägenden Figuren des europäischen Free Jazz. Mit Monk’s Casino widmet er sich gemeinsam mit Rudi Mahall, Axel Dörner, Jan Roder und Uli Jennessen dem Werk Thelonious Monks. Das verspricht keine museale Verbeugung, sondern eine eigenwillige Befragung dieser Musik aus heutiger Perspektive.
Andromeda Mega Express Orchestra

Andromeda Mega Express Orchestra, Fotocredit: Simon Chmel

Jazz am Hauptplatz

Der Samstag beginnt mit einer Jazz Lounge am Leibnitzer Hauptplatz. Philipp Schiepek und Lorenz Widauer spielen im Café Rosegger. Am Abend kehrt das Festival in den Hugo-Wolf-Saal zurück. Den Anfang macht das dänische Quartett Triple Double, gefolgt vom finnischen Koko Trio. Den Abschluss gestaltet der kubanische Pianist Ramón Valle mit seinem Trio und der niederländischen Trompeterin Maite Hontelé. Karibische Prägungen treffen dabei auf eine offene europäische Jazzsprache – nicht als gefällige Fusion, sondern als musikalisches Gespräch.
Vincent Peirani & Living Being (F)

Vincent Peirani & Living Being (F), Fotocredit: Sylvain Gripoix

Das Finale zieht ins Schloss

Für das Finale erschließt das Festival einen neuen Spielort: Erstmals findet die sonntägliche Matinee auf Schloss Ottersbach in Großklein statt. Nach einem kulinarischen Auftakt spielen Vincent Peirani & Living Being. Der französische Akkordeonist befreit sein Instrument seit Jahren aus vertrauten Zuschreibungen. Gemeinsam mit Émile Parisien, Julien Herné, Tony Paeleman und Yoann Serra bewegt er sich zwischen Jazz, Rock, elektronischen Klangfarben und kammermusikalischer Genauigkeit. Das Konzert ist als Open Air geplant und kann nur bei Schönwetter im Freien stattfinden. Die wetterunabhängigen Tickets sind bereits ausverkauft; bei günstiger Prognose wird ein zusätzliches Kartenkontingent für den Außenbereich freigegeben. Mit Magna ist heuer ein neuer Hauptsponsor an Bord. Künstlerisch bleibt die Richtung klar: Das Jazzfestival Leibnitz setzt nicht auf die bloße Addition zugkräftiger Namen, sondern auf Zusammenhänge, Reibungen und Entdeckungen. Wer nur ein Konzert besucht, kann daran seinen Spaß haben. Wer von Schloss zu Schloss mitzieht, hört möglicherweise mehr - nämlich das Festival selbst.