Süße Stadtgeschichte in der vierten Generation

100 Jahre Konditorei Philipp

Text: KUMA-Redaktion - 21.04.2026

Rubrik: Essen & Trinken
Konditormeisterin Elisabeth Phillip mit ihrer Tochter Lea.

Konditormeisterin Elisabeth Phillip mit ihrer Tochter Lea. (Fotocredit: werbelechner)

Die Konditorei Philipp feierte im Februar ihr hundertstes Jubiläum und nutzt diesen Anlass, um das ganze Jahr zu feiern. Der “Philipp“, wie die Konditorei im Volksmund genannt wird ist nicht nur ein Ort, an dem Tradition, Innovation und präzises Handwerk gleichermaßen geschätzt wird. Hier trifft man sich seit etlichen Jahrzehnten auch, um den süßen Seiten des Lebens zu frönen. Kulinarischer und sozialer Natur.

Konditormeisterin Elisabeth (Lilli) Philipp führt den Betrieb am Schillerplatz in dritter Generation. Gegründet wurde die Konditorei 1926 von ihrem Großvater Hugo Philipp, damals noch als kleine Backstube mit Fensterverkauf. Mit einer Glocke kündigten sich die Kund:innen an und kauften durch das Fenster hauptsächlich Strudel, Striezel und Krapfen. Durch das Fehlen von Knetmaschinen oder Kühlmöglichkeiten war der Beruf damals vor allem Männersache, da beim Kühlen mit Solebad oder endlosem Kneten mit der Hand Muskelkraft gebraucht wurde. Mittlerweile ist das Konditorfach eher eine weibliche Angelegenheit.
Elisabeth Philipp

Zum runden Geburtstag gibt es eine glutenfreie Schoko-Kirsch-Torte oder vegane Pralinen. (Fotocredit: werbelechner)

Mit Marzipan statt Plastilin aufgewachsen

2018 hat Lilli Philipp den Betrieb übernommen, ein Großteil der rund 20 Angestellten sind Frauen. Mit ihrer Tochter Lea ist nun schon die vierte Generation im Betrieb aktiv. „Ich bin mit und in diesem Betrieb aufgewachsen – für mich war die Konditorei von Kindheit an ein selbstverständlicher Teil meines Lebens. Marzipan war für mich das Plastilin, und ich habe sehr früh erkannt, wie viel Handwerk, Präzision und Kreativität in diesem Beruf stecken“, so die quirlige Zuckerbäckerin. Heute steht mit ihr die dritte Generation an der Spitze des Hauses. „Der Geschmack steht für mich immer an erster Stelle“, betont sie. Das zeigt sich besonders beim Eis, das seit Jahrzehnten den Ruf der Konditorei prägt: Fruchteis wird noch immer nach italienischem Vorbild als Sorbet ohne Milch hergestellt. Gleichzeitig wurde das Angebot behutsam erweitert – um glutenfreie Desserts, vegane Pralinen und laktosefreie Eissorten, die den heutigen Bedürfnissen der Gäste entsprechen. Aber egal, ob vegan, zuckerfrei oder gewohnt üppig: Die Konditorei Philipp ist vor allem auch ein wichtiger Ort der Begegnung, quer durch alle Altersschichten.
Konditorei Philipp

Vor hundert Jahren verkaufte Hugo Philipp Strudel, Striezel und Krapfen durch ein Fenster. (Fotocredit: werbelechner)

Können und Kreativität

Die Verbindung aus Tradition und Innovation zieht sich durch das gesamte Haus. Über 100 Jahre alte Formen für Schokolade und saisonale Figuren sind ebenso im Einsatz wie moderne Rezepturen und Social Media zur Ansprache neuer, junger Zielgruppen. Klassiker wie Dobos-Torte, Brioche oder Schillerlocken stehen dabei selbstverständlich weiterhin auf der Karte – und sind für viele Gäste untrennbar mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Mit süßen Verführungen werden schöne Anlässe gefeiert oder vielleicht sogar inszeniert. Gefrorenes beim Philipp ist ein Rendezvous-Klassiker, der sich durchaus auch zu einer Hochzeitstorte entwickeln kann, wenn die Dinge richtig laufen. Mit dem Jubiläumsjahr setzt die Konditorei bewusst neue Akzente: Neben der eigens erfundenen Jubiläumstorte (eine raffinierte Schoko-Kirsch-Kreation, die ohne Gluten auskommt) stehen vor allem Mitmachformate im Fokus. Workshops vom Striezel-Flechten über Pralinenherstellung bis hin zu Kinderbackkursen treffen den Zeitgeist und machen das Handwerk erlebbar. „Es geht nicht um Perfektion, sondern um die Freude am Tun“, so Philipp. Für die Zukunft hat Lilli Philipp eine klare Vision: Die Konditorei soll weiterhin ein Platz sein, an dem sich Menschen treffen, genießen und für einen Moment den Alltag vergessen können. Oder, wie sie es selbst beschreibt: ein Ort, an dem man sich „ein kleines Stück Luxus leisten kann“ – sei es mit einem Eis, einer Torte oder einfach mit Zeit für sich.
(v.l.n.r): Der jüngste Lehrling Anja Schemmerl, der erste Lehrling und derzeitige Gesellin Irmi Scherr mit Lilli Philipp sowie die nächste Generation mit Tochter Lea Philipp.

(v.l.n.r): Der jüngste Lehrling Anja Schemmerl, der erste Lehrling und derzeitige Gesellin Irmi Scherr mit Lilli Philipp sowie die nächste Generation mit Tochter Lea Philipp. (Fotocredit: werbelechner)