Raus aus der Mitte: Theater zieht regionale Kreise
Theaterland neu beginnt in Stainach
Text: Sigrun Karre - 09.04.2026
Mit den Theatertagen Stainach startet Theaterland unter neuer Leitung in einen neuen Zyklus. Im Fokus steht ein Ansatz, der Theater nicht nur zeigt, sondern vor Ort entwickelt.
Neuer Name, neues Team und neue Ideen: Aus Theaterland Steiermark wird Theaterland. Mit Verena Kiegerl (künstlerische Leitung) und Gero Tögl (Geschäftsführung und Dramaturgie) stellt sich das Projekt neu auf und Stainach wird zum Startpunkt dieses Aufbruchs. Wenn hier Mitte April die Theatertage Stainach beginnen, zeigt sich, wohin die Reise geht:hin zu einem Theater, das sich nicht auf eine Bühne beschränkt, sondern den Ort selbst zum Mitspieler macht.

Das neue Führungs-Duo von Theaterland: Verena Kiegerl (Künstlerische Leitung) und Gero Tögl (Geschäftsführung und Dramaturgie), Fotocredit: LippZahnschirm.
Auftakt zwischen Dorfplatz und Bühne
Gespielt wird an unterschiedlichen Schauplätzen, im CulturCentrum Wolkenstein ebenso wie im öffentlichen Raum. Produktionen wie Bully Bully (Maas theater en dans), ein wortloses, musikalisches Stück über Machtspiele, oder Irreparabel (Follow the Rabbit), eine leise Geschichte über Freundschaft und Verletzlichkeit, setzen dabei auf unmittelbare Nähe zum Publikum. Mit Formaten wie Biedermann und die Brandstifter (Franz von Strolchen & Das Planeten Party Prinzip), die bewusst mit Ort und Publikum arbeiten, wird dieser Ansatz konkret: Theater als Ereignis, das sich aus der Situation heraus entwickelt. Internationale Arbeiten stehen neben österreichischen Produktionen. Mit dem neuen Namen verabschiedet sich Theaterland zugleich von der rein regionalen Zuschreibung. Inhaltlich bleibt die Verankerung zentral. „Die Idee ist, in Kreisläufen zu arbeiten und zu produzieren“, sagt die künstlerische Leiterin Verena Kiegerl. Stainach markiert den ersten Schritt der neuen Programmierung, die sich über das Jahr hinweg nach Weißenbach und Stainz fortsetzt.

Maas theater and dance ist die größte Kindertheater-Komapanie in den Niederlanden und mit BULLYBULLY am 17. April im CCW zu Gast bei den Theatertagen Stainach. Fotocredit: Kamerich & Budwilowitz
Vom Festival zum Arbeitsprozess
Neu ist vor allem der Blick „hinter die Premiere“. Theater entsteht nicht nur für wenige Aufführungstage, sondern wächst über längere Zeiträume. Residencies schaffen dafür den Rahmen: Künstler:innen recherchieren vor Ort und entwickeln ihre Arbeiten im Austausch mit den jeweiligen Gegebenheiten. Zum Auftakt arbeiten unter anderem KRA, Das Planetenparty Prinzip und Bum Bum Pieces in der Region. Ihre Projekte bewegen sich zwischen Performance, Musik und ortsspezifischen Formaten und Themen – experimentell und immer im Dialog mit dem Umfeld. KRA setzt sich dabei in Stainach im Rahmen einer Residency mit dem Thema Mobilität auseinander: Im temporären Autokino wird vom Auto Abschied genommen und die Klimakrise – natürlich – gleich mitgelöst wird. Ein sichtbares Zentrum bildet in Stainach das „Mobile Wohnzimmer“, gestaltet von Knoten Kollektiv. Es dient als Treffpunkt, Informationsort und niederschwellige Bühne: als ein Raum, in dem sich Publikum und Künstler:innen begegnen können.

Biedermann und die Brandstifter - Franz von Strolchen und Das Planeteneparty Prinzip bringen Max Frisch hautnah ins Wohnzimmer. Am 17. April in der Festivalzentrale Stainach und spontan auch in ihrem Wohnzimmer zu erleben. Email an: hello@theaterland.at. Fotocredit: Edi Haberl
Regionen als Mitspieler
Theaterland versteht sich damit nicht nur als Veranstalter fertiger Produktionen, sondern vermehrt als Struktur, die künstlerische Prozesse ermöglicht. Ziel ist es, Protagonist:innen in den Regionen einzubinden, Austausch zu ermöglichen und eine junge Szene aufzubauen. Formate wie Junges Theaterland mit Mitmach-Festivals für Kinder und Jugendliche oder der Nachwuchspreis Katapult erweitern diesen Ansatz. Auch Workshops wie jener von Nadja Brachvogel – mit Triggerpotenzial rund um Autorität „von der Schulbank bis zur Wahlurne“ – setzen auf Beteiligung und Diskurs.
Perspektivisch soll sich dieses Modell weiter verdichten: Mit dem ab 2027 geplanten biennalen Festival KRAFT, kuratiert von KRA, sollen internationale und steirische Positionen zusammengeführt werden. Theater verändert sich ständig – auch in seinen Formen und Formaten. Gerade deshalb setzt Theaterland auf die Suche nach neuen, experimentellen Zugängen und auf ein Verständnis von Theater als Versammlungskunst, die nur im Zusammenspiel mit ihrem Publikum funktioniert. Oder, wie Geschäftsführer Gero Tögl lakonisch festhält: „Ohne Publikum gibt’s kein Theater.“
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Theater(land) ist Teamwork: v.l.n.r.: Gero Tögl - Geschäftsführung & Dramaturgie, Verena Kiegerl - Künstlerische Leitung, Thomas Grassegger - Technische Leitung und Marie Treuer - Produktionsleitung & Presse, Fotocredit: LippZahnschirm.
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