Brücken zwischen Kultur und Natur

Das Mountainfilm Festival in Graz

Text: Zoe Borzi - 14.11.2022

Rubrik: Film

Katia und Maurice Krafft, 1976, am Krater von Dukono

Seit 1986 ist das Mountainfilmfestival ein Fixbestand der Grazer Kulturbranche. Aus einer Nischen-Veranstaltung, die anfangs nur aus Kletterfilmen bestand, ist ein Festival mit breiter Perspektive geworden, welches es auch dieses Jahr wieder schafft, Brücken zwischen Natur und Kultur zu schlagen.

119 Filmbeiträge aus der ganzen Welt nehmen das Publikum mit in fremde Lebenswelten, die wiederum zeigen, wie wichtig Filmfestivals für den interkulturellen Austausch sind. Denn gerade das Medium Film ist in der Lage uns Kulturgut anderer Länder durch Bild, Ton und Inszenierung näherzubringen. Aber nicht nur Erzählungen über außereuropäische Kultur stehen beim Mountainfilmfestival am Programm, auch die Natur und wie schützenswert und faszinierend diese ist beschäftigt die Filmemacher*innen.

„A White Dream“, Credit: Mathieu Le Lay

Programm-Highlights

„A White Dream“, ein Dokumentarfilm des Regisseurs Mathieu Le Lay nimmt uns mit auf die Reise des Naturfotografen Jérémie Villet, welcher im hohen Norden, in der Kanadischen Yukon-Region, auf der Suche nach selten-fotografierten Tieren ist, die in dieser eisigen Kälte überleben. Der Film zeigt nicht nur die besondere Ästhetik der weißen Landschaften, sondern auch die Suche nach dem perfekten Moment, dem perfekten Foto. Werner Herzogs „Die innere Glut: Requiem für Katia und Maurice Krafft“ ist ein weiteres Highlight des Programms. Herzog erzählt die Geschichte des legendären Vulkanologen-Pärchens Katja und Maurice Krafft, die ihre Liebe mit der für feuerspuckende Berge teilten. Ihre bildgewaltigen Aufnahmen der spektakulärsten Ausbrüche des 20. Jahrhunderts treibt sie nahe an gefährliche Krater heran. Die Risiken, die sie für ihre Arbeit und Filmaufnahmen eingehen, kosten ihnen am 3. Juni 1991 das Leben, als der Mount Unzen ausbricht und das Geröll mit 160 km/h den Berg herunterrast und 43 Menschen in den Tod zieht, darunter auch Katia und Maurice. Was sie hinterlassen, sind analoge Aufnahmen, die in das Innere solcher Naturgewalten zeigen und uns an Orte mitnehmen, die uns so noch nicht bekannt waren. Herzog zelebriert das hinterlassene Footage der Kraffts, indem der das Material für sich sprechen lässt. Er scheut sich nicht vor stillen Momenten, denn gerade diese Momente sind die ausdrucksstärksten. Kräftige, von Symbolen strotzende Bilder werden mit epischer Musik unterlegt, welche den*die Zuseher*in in einen Sog zieht, der einen durch den Film trägt. „Wegen dieses Einklangs, wegen ihres Beisammenseins, waren sie in der Lage, in die Hölle hinabzusteigen und dem Teufel selbst ein Bild aus den Klauen zu reißen. Und das ist es, warum ich diesen Film für sie machen wollte“, sind die letzten Worte Herzogs in seiner Hommage an die Kraffts und ihr visuelles Erbe. Die Faszination, die die Kraffts und der Fotograf Jérémie Villet für die Natur besitzen, spiegelt sich im gesamten Programm des diesjährigen Mountainfilmfestivals, das von 15. bis 19. November im Congress Graz und Schubertkino stattfinden wird.

Zoe Borzi ist Gründungsmitglied des "Cinema Talks" Filmfestival, bei dem internationale Kurzfilme in verschiedenen Sparten gezeigt und prämiert werden. <a href="https://cinema-talks.com/" ­target="_blank"­>Cinema Talks, Internationales Kurzfilmfestival Graz</a>

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