Werkstatt 2.22, Festival der Uraufführungen

Nachgefragt: Peter Faßhuber, Theaterland Steiermark

Text: Lydia Bißmann - 23.08.2022

Rubrik: Theater

Peter Faßhuber, künstlerischer Leiter des Werkstatt 2.22-Festivals. (Credit: Ainerdinger)

Von 20. bis 25. September wird in Pölstal wieder der künstlerische Ausnahmezustand ausgerufen. Das WERKSTATT 2.22 Festival der Uraufführungen in Oberzeiring wird zehn noch nie gezeigte Stücke der freien Theaterszene aus dem In- und Ausland in vier Tagen präsentieren. Seit fast 20 Jahren ist Peter Faßhuber künstlerischer Leiter des Festivals.

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Wie kommt soviel konzentrierte Kunst in die Provinz?

Oberzeiring ist seit gut 30 Jahren durch die konsequente Arbeit am THEO (Theater Oberzeiring) mit Theater infiziert. Festivals gib es hier ebensolange. Mit der Gründung von Theaterland Steiermark kam 2004 das Werkstatt Festival hinzu und seither wurden hier rund 80 internationale Projekte aus vier Kontinenten uraufgeführt. Die Künstler*innen lieben die intensive, klausurartige Atmosphäre und somit hat sich das Festival sehr bald mehr als gut in der internationalen Festivallandschaft etabliert und einen guten Ruf erarbeitet.

Das Festival der Uraufführungen baut seine Theaterzelte an ungewöhnlichen Orten auf. (Credit: Fleischlin, Hellenkemper & Kompliz:innen)

Das WERKSTATT 2.22 Festival besticht auch durch ungewöhnliche Aufführungsorte. Auf welche Pop-up-Bühnen darf sich das Publikum dieses Jahr freuen?

Eine Spezialität dieses Festivals ist es, dass neben der klassischen Blackbox und Studiobühne sogenannte „nichttheatrale Orte“ gesucht und gefunden werden. Kaum ein Fleck im Gemeindegebiet wurde bislang von Kunst "verschont“. 2022 werden wir erstmals auch das ehemalige Hochgericht im Birkachwald bespielen. Dort steht eine historische Hinrichtungsstätte mit einer armen Sünder Kapelle davor und das Planeten Party Prinzip aus Graz wird dort das Projekt „Am Galgen“ realisieren, das in der Folge an vielen ehemaligen Hinrichtungsstätten in ganz Österreich gespielt werden wird.

"Am Galgen", Produktion des Grazer Performancekollektivs Planetenpartyprinzip. (Credit: Clemens Nestroy)

Aus wie vielen Stücken und Projektideen wird das Festivalprogramm zusammengestellt?

Bereits jetzt werden die ersten Ideen für die nächste Werkstatt in zwei Jahren geboren. Es sind also gut zwei Jahre Vorbereitung und wohl an die 50 Projektideen, die im Laufe des nächsten Jahres besprochen und sondiert werden. Daraus formt sich dann das Programm für 2024. Dabei ist es uns wichtig, ein besonderes Augenmerk auf die Zusammenarbeit mit der heimischen Szene zu legen, gleichzeitig aber auch wichtige Impulse von aussen zu holen. Letztendlich hat diese Internationalität auch der steirischen Szene schon viele Türen geöffnet.

"Hinter meine vier Wände rufe ich, mein Freund", Stück von Veza Fernandez, E/A. (Credit: Lucia Ugena)

Wie reagieren die Bewohner des Ortes Pölstal (vormals Oberzeiring) auf die Dichte an Theatermenschen, ihren Zusehern und all das Drama, das sie vielleicht auch jenseits der Bühne in den 2.500-Seelen Ort ins Murtal mitbringen?

In der Bevölkerung ist Werkstatt sehr gut verankert. Wie erwähnt, sind die Menschen bei uns durch das THEO zeitgenössische Theaterarbeit gewöhnt und zeigen hohes Entgegenkommen, Neugier und Interesse. Viele beherbergen auch Künstler*innen und bauen dadurch persönliche Kontakte auf, die nicht selten im Besuch der einen oder anderen Uraufführung münden. Ich kann sagen, dass die Leute stolz auf Werkstatt und das THEO sind. Der Begriff vom Propheten, der im eigenen Land nichts gilt, trifft somit nicht zu.

"Das Sex-Stück" der Schweizer Formation Fleischlin, Hellenkemper & Kompliz:innen.

Auf welches Stück beim Festival freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

Ich habe kein persönliches Lieblingsstück. Ich freue mich auf die Umsetzung jedes einzelnen Projektes und lasse mich ganz einfach darauf ein zu sehen, was aus den besprochenen Projektideen herauskommt. Erst danach entwickle ich meine persönliche Reihung im Kopf, die dann aber auch dort bleibt.