Body Positive Party für den guten Zweck

Nachgefragt: Joe Niedermayer, The FAGtory Club

Text: Lydia Bißmann - 20.09.2022

Rubrik: Kulturland Steiermark

Joe Niedermayer (Credit: Tuntenball Joe)

Joe Niedermayer ist Vorsitzender des Vereins RosaLila PantherInnen und organisiert neben dem Tuntenball, dem Christopher Street Day und die Sex positive Partyreihe The Fagtory Club in der postgarage. KUMA hat nachgefragt, was genau hinter diesem Konzept steckt.

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Safe Space für die Liebe bietet der Darkroom in der postgarge bei den The FAGtory Clubbings an. (Credit: Julia Schuster)

Seit 2014 gibt es The FAGtory Club, wo mit Techno, Pop, Trash die LGBTIQ-Szene auf mehreren Floors gefeiert wird. Dieses Jahr hat sich der Darkroom dazugesellt, das Clubbing wird als Sex Positive Party promotet. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Eigentlich müsste es ja heißen „Body positive Party“, aber Sex verkauft sich marketingtechnisch einfach besser. Der Subtitel ist ja safe & kinky. Es geht darum, dass alle, die das möchten, auf der Party einen Raum haben, den sie für die Liebe nutzen können. Hier ist alles möglich: Küssen, Kuscheln, Petting oder Sex. Safe ist es deswegen, weil es Menschen aus unserem Team mit einer pinken Armbinde gibt, die darauf achten, dass nichts passiert.

Wie sicher kann ich mich nun auf so einer Party fühlen?

Genau genommen ist es bei uns so eine Art Mischform. Ansonsten wird bei Body Positive Partys schon bei der Tür ganz genau darauf geachtet, wer warum mitmachen möchte. Man muss sich schon vorher dafür bewerben. Das ist beim Safer Space FINTA*Clubbing fem*dance zum Beispiel der Fall. Hier dürfen nur FINTA Personen zur Party, oder jene, für die eine andere Person bürgt. FINTA* steht für Frauen, Inter Personen, Nichtbinäre Personen, Trans Personen, Agender Personen und *alle, die in unserer patriarchalen Mehrheitsgesellschaft marginalisiert werden und sich in keinem Buchstaben wiederfinden. Bei der FAGtory ist es mehr eine Art Darkroom, der von allen genutzt werden kann. Damit der Safe Space wirklich für alle funktioniert, führen wir an beim Einlass kurze Gespräche, ob die Gäste das unser „Sex- und Bodypositiv“ Konzept verstanden haben. Es kann auch sein, dass jemand trotz Vorverkaufstickets nicht reinkommt. Es gibt auch kein Geld zurück in so einem Fall. Handys sind natürlich auch verboten.

Die partys waren zu Beginn eine finanzielle Absicherung für die Grazer CSD Parade und das CSD Parkfest. (Credit: Lydia Bißmann)

Was ist der Unterschied zu einem klassischen Darkroom?

Es ist ein Lernprozess, wir probieren immer noch aus, welche Lichtstimmung oder auch welche Musik ideal dafür ist. In einem klassischen Darkroom ist es meist tatsächlich fast ganz dunkel. Da waren ja größtenteils nur schwule Männer drinnen. Bei uns ist es wichtig, dass es Kommunikation zwischen den Akteuren oder Paaren gibt. Man muss sich über Blickkontakt verständigen können. Hier ist es wichtig, dass man ein Nein akzeptiert und die anderen respektiert. Eine Haltung, die vor allem CIS-Männer noch dringend lernen müssen.

The FAGtory Club findet seit 2014 in der postgarage statt. (Credit: Julia Schuster)

Eure Veranstaltungen feiern die Liebe, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung, finanzieren aber auch die enorm wichtige Arbeit der Rosalila Pantherinnen. Was genau sind die Aufgaben des Vereins?

Am Anfang war The Fagtory Club eine wichtige Regenversicherung für die CSD Parkfest im Volksgartenpark nach der Parade. Daraus ist die Reihe eigentlich entstanden. Nach Corona haben auch viele „Schwulenclubs“ in Graz zugesperrt, da braucht es Ersatz. Die postgarage ist hier sehr entgegenkommend und unterstützt uns auf vielen Ebenen, obwohl sie ja kein einschlägiger Club sind. Wie auch der Tuntenball unterstützt auch der Erlös der Clubbings unsere Arbeit im Verein. Neben unserer Aufklärungs- und Infoarbeit betreiben wir auch massives Lobbying für mehr Akzeptanz gegenüber anders l(i)ebenden Menschen. Wir reden mit Politiker*innen oder unterstützen Gerichtsverfahren, die sehr wichtig sind, wenn jemand seine Rechte verteidigen oder überhaupt erst bekommen will. Punkto Eheschließung, die seit 2018 ja nun für alle möglich ist, haben wir viel Arbeit investiert und auch sehr viel erreicht. Auch das Blutspendeverbot für homo- und bisexuelle Männer in Österreich wurde ja erst dieses Jahr abgeschafft. Unser Vereinsname kommt nicht von Paulchen Panther oder dem Steirischen Wappentier, sondern von der Black Panther Bewegung in den USA. Was die Info-Workshops in Schulen betrifft, sind wir in der Steiermark ganz weit vorne.

Miss Gloria Hole. (Credit: Julia Schuster)