"Das Kollektiv ist der Mehrwert"

Nachgefragt: Harald Mauerlechner, Grazer Künstlerbund

Text: Stefan Zavernik - 30.09.2022

Rubrik: Kunst

Harald Mauerlechner ist seit zwei Jahren Präsident des Grazer Künstlerbund.(Credit:Michael Schnabl)

Harald Mauerlechner ist Präsident des Grazer Künstlerbundes. Mit KUMA sprach er über den Stellenwert von Künstlervereinigungen, den Mehrwert für deren Mitglieder und über die neue Ausstellungslocation nach dem Grazer Künstlerhaus.

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Ende Oktober findet wieder die große Gemeinschaftsausstellung der Grazer Künstlervereinigungen statt, erneut im Steiermarkhof und nicht in der „alten Heimat“ dem Grazer Künstlerhaus. Wie gut funktioniert für Euch die neue Location?

Die Gemeinschaftsausstellung der Künstlervereinigungen, die Künstlerhof Schau, findet am 19.Oktober wie schon im Vorjahr im Steiermarkhof statt. Aus Sicht des Künstlerbundes Graz war und ist die Zusammenarbeit mit dem Kulturreferenten des Hauses, Herrn Ing. Johann Baumgartner und seinem Team sehr wertschätzend und professionell. Die Hofgalerie ist ein sehr attraktiver Ausstellungsort für Kunst und die Schau war sehr gut besucht.

Wie wird die Ausstellung konzipiert sein? Was wird es zu sehen geben?

Titel der diesjährigen Ausstellung ist „Appell“ und Formatvorgaben sind einzuhalten. Im Rahmen dieser Aufforderung wird zeitgenössische Kunst in unterschiedlichster Formensprache zu sehen sein. Als Kurator ist Stefan Wimmer, Direktor der Kunstakademie Bad Reichenhall, eingeladen.

Ist das Grazer Künstlerhaus als Heimat der Vereinigungen nun endgültig Geschichte?

Diese Frage ist nach wie vor weder mit einem klaren Ja noch Nein zu beantworten.Die Entscheidung, ob es wieder Ausstellungen der Vereinigungen in der Halle für Kunst Steiermark geben wird, liegt auch für die nächsten Jahre beim Direktor des Hauses.

Rund um die Diskussion über das Anrecht der Vereinigungen auf Ausstellungsmöglichkeiten im Grazer Künstlerhaus wurden auch die Vereinigungen selbst zum Thema. Wie zeitgemäß ist eine Künstlervereinigung heute noch?

Künstlervereinigungen oder Künstlergemeinschaften sind relevant und zeitgemäß. In unseren Reihen sind bekannte und erfolgreiche Künstler*innen, die das Vereinsleben schätzen und unterstützen. So haben sich Freundschaften und Kooperationen innerhalb unseres Vereins ergeben. In den großen Häusern der Stadt auszustellen ist für einzelne Kulturschaffende wesentlich schwieriger, als im Kollektiv. Wir bieten den so oft genannten und erwünschten niederschwelligen Zugang zur Kunst. Und, wir machen Kunst sichtbar.

In den Coronajahren wurden die Räume in der Annenstraße renoviert. (Credit: Künstlerbund)

Wie viele Ausstellungen veranstaltet der Künstlerbund im Jahr? Gibt es eigene Räumlichkeiten?

2020 bzw. 2021 war nicht das Jahr für Ausstellungen. Diese Zeit haben wir für Restaurierungsarbeiten genutzt und bieten in zwei Räumen der Annenstraße 56 Ausstellungsfläche für Mitglieder und auch externe Künstler*innen. Dieses Jahr haben wir drei Ausstellungen organisiert. Bis Jahresende werden meine Arbeiten ausgestellt, außerdem planen wir zurzeit eine Kooperation mit einem Unternehmen in der Annenstraße.

Wie viele Mitglieder hat der Künstlerbund aktuell?

Derzeit haben wir 33 Mitglieder.

Welchen Mehrwert haben Mitglieder des Künstlerbundes? Warum sollte gerade ein junger Künstler Mitglied der Vereinigung werden?

Das Kollektiv ist der Mehrwert. Ist ein neues Mitglied aufgenommen, wird es auf unseren Plattformen gefeatured, bekommt einen eigenen Reiter auf unserer Website, kann an Gruppenausstellungen teilnehmen und ist Teil unserer Gemeinschaft. Junge Künstler*innen bekommen hier die Möglichkeit, bei Gruppen- oder auch einer Einzelausstellung ihre Kunst zu zeigen. Als traditionsreicher Künstlerverein mit einer fast 100-jährigen Geschichte erhält man mit der Mitgliedschaft ein gewisses Renommee. Wir treffen uns regelmäßig zum Austausch, besuchen Ausstellungen und bieten einander auch den Rückhalt unter Gleichgesinnten.

Sie selbst sind seit etwa zwei Jahren Präsident des Künstlerbundes? Wohin möchten Sie die Vereinigung in den kommenden Jahren führen?

Mittlerweile im dritten Jahr als Präsident zählen zu meinen Hauptaufgaben vorrangig organisatorische Belange und die zukünftige Positionierung des Vereins. Kurz- und mittelfristig sehe ich unsere Aufgaben neben der Organisation von Ausstellungen für Mitglieder sowie der weiteren Renovierung unserer Galerieräumlichkeiten darin, Nachwuchskünstler*innen zu fördern. Diesbezüglich sind wir bereits im Gespräch mit der Ortweinschule. Den aktuellen Versuch, die Annenstraße wiederzubeleben, sehe ich ebenso als gute Chance für uns, da wir unsere Basis in der Annenstraße 56 haben. Langfristig sehe ich uns als eine Institution, die Räumlichkeiten für Ausstellungen sowie Studios zum Schaffen von Kunst bietet. Es soll ein Platz für Austausch sein. Dies alles realisieren wir mit Partnern an unserer Seite, die mit uns an einem Strang ziehen.