Rabtaldirndln üben sich im Ehrenamt

Kritik: 'Sirenen' im Hoftheater Hainersdorf

Text: Sigrun Karre - 19.06.2023

Rubrik: Theater

Credit: Susanne Posch

„Alle reden von Gemeinschaft“ - Die Rabtaldirndln begeben sich diesen Sommer auf die Spur ländlicher Alltagsheld*innen.

Das kleine, feine Hoftheater Hainersdorf holt für seine Produktion 'Sirenen' unter der Regie von Ed Hauswirth erneut die Rabtaldirndln auf die Sommerbühne. Im kleinen Stadel des 300-Seelen-Dorfes in der Südoststeiermark wird seit einigen Jahren eine „unaufgesetzte“ zeitgenössische Form des Volkstheaters gemacht, die einzigartig ist: Niederschwellig und zugleich maximal nah dran an aktuellen Themen. Dass sich das Dorf nicht nur als Veranstaltungsort mit ruralem Charme, sondern auch als anschauliches Kleinstmodell für gesellschaftliche Fragen eignet, macht das Stück über das Ehrenamt am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr sichtbar. Die reale FF Hainersdorf liegt übrigens direkt schräg gegenüber vom Hoftheater und lieferte grundlegenden Content für den Abend. Zu Beginn bilden „die Grazerin“, „die mit DIE Pferd“, „die Bloßfüßige“ und „die Wichtige“ eine ziemlich heterogene Damenrunde aus Heimkehrerin und "Zuagrasten", die nur das Dorf als Wohnort gemein haben – und ihren gegenseitigen Misstrauensvorschuss, der mit Tratsch kräftig untermauert wird. Im Verlauf von rund 80 Minuten geschieht zunächst vorfreudig erwartetes, nämlich gewohnt rasant-komische Performance der Rabtaldirndln, nachdem Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond und Gudrun Maier „am Beispiel der Teetassenpyramide“ ein ruhiges Händchen bewiesen und das Wesen der Gemeinschaft ausverhandelt haben. Umso effektvoller dann der abrupte Schwenk von der verspielt-zwinkernden Gesellschaftsanalyse zum dramatischen Real-Case-Szenario. Feuerwehr ist halt nicht nur Dorffestgaudi. 'Sirenen' ist weniger drastisch überspitzt als manch andere Rabtaldirndl-Stücke. Ed Hauswirths Inszenierung geht spürbar behutsam mit dem Thema um, lässt Raum für betroffene, nachdenkliche und versöhnliche Momente. Auch die Ausstattung (Georg Klüver-Pfandtner) nimmt sich (für Rabtaldirndl-Verhältnisse) bewusst zurück, dafür öffnet Natalie Pinter via Video-Wall einen zusätzlichen Raum. „Wir sagen nicht, wir helfen nur denen, die wir mögen.“ Könnte dieser Grundsatz der Feuerwehr aus dem Mund der Rabtaldirndln vielleicht auch irgendwie als Breitbandcredo gegen gesellschaftliche Spaltungstendenzen funktionieren? Zum Finale kommt sogar ein bisschen Nostalgie daher: am Grab gibt es melancholischen „Sirenengesang“, der Dorfwirt hat geschlossen. Und der Freiwillige Feuerwehr fehlt der Nachwuchs. Echt. Das sehenswertes Stück im ganz persönlichen Rahmen ist noch bis Ferienbeginn und wieder Anfang September zu erleben!

Credit: Susanne Posch

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