Rasante Beziehungskomödie mit doppeltem Boden
Kritik: Offene Zweierbeziehung, Theo Oberzeiring
Text: Robert Goessl - 14.04.2026
Rubrik: Theater
Der Klassiker von Franca Rame und Dario Fo, der vor gefühlt 100 Jahren von Ute Radkohl und Ernst Prassel am Grazer Schauspielhaus gefühlt 50 Jahre lang gespielt wurde und mittlerweile nur noch selten auf Spielplänen aufscheint, bekommt unter der Regie von Peter Faßhuber ein neues Gewand verpasst.
Die zynische Beziehungskomödie um Macht, Ohnmacht und Leid in einer offenen Beziehung läuft am Theo in Oberzeiring zwischen zwei Frauen ab, also einem lesbischen Paar, gespielt von Ninja Reichert und Sigrid Sattler, die dabei die ursprünglich für den Mann gedachte Rolle übernimmt. Dieser Kniff nimmt dem Stück seine patriarchale Struktur und reduziert es auf den zwischenmenschlichen Umgang von zwei Personen zwischen scheinbar selbstverständlicher Dominanz und dem Sichfügen in eine Opferrolle. Auch wenn dadurch so manche Sätze etwas unpassend auf den ersten Blick erscheinen, werden damit die emotionalen Strukturen sichtbarer, und es stellt sich die Frage: Funktionieren offene Zweierbeziehungen nur, wenn es dabei einen dominanten Part gibt?
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Ninja Reichert und Sigrid Sattler (Fotocredit HJ Ainerdinger)
Action ohne Ende voller Pathos und Tempo
Der vordergründige Slapstick und das hohe Tempo samt dem Sprachwitz des Textes lassen fast vergessen, wie sehr es im Stück um verletzte Gefühle geht. Nachdem diese aber nahezu immer in Selbstmorddrohungen, mit Waffe oder Pillen oder dem klassischen Sprung aus dem Fenster, offensiv geäußert werden, und in eine übertriebene Tragödie mit ganz großem Pathos münden, lässt sich zwar die Toxizität der Beziehung mehr als nur erahnen. Doch wirkt alles nur wie ein Spiel, in dem das Opfer Ninja Reichert die emotionale Abhängigkeit des dominanten und ständig fremdgehenden Parts Sigrid Sattler mit ihren Waffen herausfordert. Dabei ist das körperliche Spiel der beiden Akteurinnen, das fast schon an eine sportliche Höchstleistung grenzt, beeindruckend und sorgt für Situationen am Rande des Nervenzusammenbruchs, die an Skurrilität schwer zu übertreffen sind.

Sigrid Sattler (haltend) und Ninja Reichert (fallend) am Fenster (Fotocredit HJ Ainerdinger)
Wenn die Möglichkeit zur Realität zu werden droht
Doch das von Sigrid Sattler immer wieder sinngemäß ausgesprochene „Du könntest ja auch, wenn du wolltest“ funktioniert eben nur genau dann, wenn es bei der Möglichkeit bleibt. Und so lässt die Absurdität, als Ninja Reichert aus der einseitig offenen Zweierbeziehung eine gänzlich offene zu machen droht, am Ende die „Leiden“-schaften noch einmal hochkochen und sich damit schonungslos das Scheitern der offenen Beziehung in der Realität zeigt.

Sigrid Sattler und Ninja Reichert praktizieren ihre Streitkultur aus der Ferne (Fotocredit HJ Ainerdinger)
Ein Ende (fast) ohne Schrecken, aber mit unvorstellbarer Absurdität
So gewinnt man aus dieser sehr rasanten und turbulenten Komödie die Erkenntnis, dass Eifersucht allzu menschlich ist, auch wenn man sie bei sich nicht erwartet, Liebe nur schwer verhandelbar ist, und Elvis doch noch lebt – wenn auch nur kurz bis zu seinem tragischen Tod.
Der fulminanten Inszenierung seien noch etliche Aufführungen gewünscht – tatsächlich waren es seinerzeit am Schauspielhaus „nur“ 338 Aufführungen über 15 Jahre.

Sigrid Sattler und Ninja Reichert praktizieren ihre Streitkultur in gegenseitiger Nähe (Fotocredit HJ Ainerdinger)
„Offene Zweierbeziehung“ von Franca Rame und Dario Fo im Theo Oberzeiring
Darsteller:innen: Ninja Reichert, Sigrid Sattler, Peter Faßhuber
Regie: Peter Faßhuber
Termine::
16.04. (Do), 21.04. (Di), 22.04. (Mi), 29.04. (Mi), 05.05. (Di) jeweils 20:00
03.05. (So) 17:00
Kartenreservierungen unter info@theo.at
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Sigrid Sattler (hinter der Tür) und Ninja Reichert (vor der Tür) suchen einen Ausgang (Fotocredit HJ Ainerdinger)
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