Weltmachtkonflikte auf Kindergartenniveau

Kritik: BullyBully bei spleen*graz

Text: Karoline Pilich - 21.04.2026

Rubrik: Theater
BullyBully Maas theater en dans

Wie du mir, so ich dir - Auf diese Art und Weise handeln die beiden Weltmächte in BullyBully. (Fotocredit: Kammerich & Budwilowitz)

Bei der elften Ausgabe des Kindertheaterfestivals spleen*graz kam die Produktion BullyBully von Maas theater en dans aus den Niederlanden nach Graz und demonstrierte anhand eines nonverbalen Kinderstücks, wie ähnlich sich ein Kleinkind und ein Weltmachtführer verhalten können.

BullyBully ist ein musikalisches Theaterstück ohne Sprache, wird für Kinder ab 3 Jahren empfohlen und kommt wie ein Mix aus West Side Story, englischer Retro-Comedy und aktuellen TikTok-Videos daher. Die Inszenierung des Maas theater en dans, das auf Kindertheater für alle Altersgruppen spezialisiert ist, zeigt zwei Weltmächte, die in der 45-minütigen Vorstellung ein verspieltes, humorvolles Kräftemessen veranstalten und genauso gut auch Kleinkinder darstellen könnten.
Spagat bei BullyBully.

In unterschiedlichsten Battles wollen Grün und Rosa beweisen, wer besser ist. (Fotocredit: Kammerich & Budwilowitz)

Allumfassende Geräuschkulisse

Die zwei Weltmächte Rosa und Grün duellieren sich im Kindermusical auf unterschiedlichste Arten. Vor allem liefern sie sich aber Dance Battles, die von Soundeffekten wie Grillenzirpen, Kameraknipsen, Fußballstadion-Gegröle und Liedern aus unterschiedlichsten Genres, unter anderem Songs von Michael Jackson und Beyoncé, unterstützt werden. Zusätzlich amüsiert ein Rülps-Battle das junge sowie das etwas ältere Publikum. Abgesehen von den Duellen spielt die Produktion auch mit Geräuschen und beeindruckt durch perfekt getimte Bewegungen und Tanzeinlagen. Diese orientieren sich an Musik und Klängen und wirken zwischendurch so gekonnt ungeschickt und unbeholfen, dass sie an Mr. Bean erinnern.
BullyBully Duelle

Die beiden Weltmächte übertrumpfen sich, stellen einander in den Schatten und lassen sich gegenseitig nicht zu Wort kommen. (Fotocredit: Kammerich & Budwilowitz)

Rosa und Grün, Ja und Nein

Kostüme und das Bühnenbild sind in Rosa und Grün gehalten, die Grenze zwischen den beiden Farbwelten wird anfangs nicht überquert und erst dann gelockert, als die grüne Weltmacht allmählich einen Teil der rosa Weltmacht in sich selbst entdeckt. Beide sind stur und wollen beweisen, besser, stärker und schneller zu sein. Das überspitzt kindhafte Verhalten erinnert dadurch einmal mehr an aktuelle Geschehnisse in der Politik. Eine Ja - Nein - Ja - Nein - Diskussion endet schlussendlich mit kaputten Statuen auf beiden Seiten. Mit Elementen wie Sturheit, Durchsetzungsvermögen, Willenskraft und Machtverhältnissen zieht BullyBully treffende Parallelen zwischen aktuellen, politischen Rivalitäten und kindischen Streitereien. Das Kindermusical hebt zum Schluss die Privilegien hervor, die man haben kann, wenn man eben über Macht verfügt. Sie tritt hier in Gestalt eines Bartes auf, der einen etwa davor befreit, Gemüse essen zu müssen. Sowohl für ganz Kleine als auch für ganz Große ist das Stück ein Anstoß, über Herrschaftsstrukturen, politische Systeme und Hierarchien, und wie wir diese auch zu Hause und im vertrauten Umfeld einsetzen, nachzudenken.