Ein Abenteuer im Kopf ab 8 Jahren

Kritik: Alles nur da oben?, Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá

Text: Robert Goessl - 14.04.2026

Rubrik: Theater
„Alles nur da oben?“ von Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá im Theater am Lend

Fotocredit Diana Fedoriaka

Das Leben ist voller Widersprüche und manchmal meint man, alles da oben im Kopf könnte explodieren – vor allem, wenn man jemandem etwas getan hat, das man nicht so wollte …

Da ist man nun in seinem Kopf und versucht einmal Ordnung zu machen. Denn es ist etwas passiert. Aber da scheint noch wer zu sein. Und irgendwie liegt da alles etwas ungeordnet herum – das jedoch nur auf den ersten Blick. Denn Klara weiß ziemlich genau, wo sich was befindet. Ihre Gedanken, ihre Erinnerungen und so manche Wörter haben ihren festen Platz. Auch wenn sie weiß, dass nicht alle Erinnerungen und Gedanken immer schön waren, und sie diese eigentlich gar nicht hier haben möchte.
„Alles nur da oben?“ von Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá im Theater am Lend

Fotocredit Diana Fedoriaka

Eine Gedankenwelt in Kartons verpackt

Eva Marie Wichmann als Klara wühlt sich einfühlsam und neugierig durch diese Welt in ihrem Kopf, immer wieder das Publikum ansprechend und ihre Gedanken teilend, und sie scheint vor etwas Angst zu haben. Denn sie hat sich hierher zurückgezogen, sie ist quasi geflüchtet in diese mit einfachsten Mitteln fantasievoll gestaltete Welt von Vladyslava Chentsova Objekten aus Karton, aus denen immer wieder Überraschungen herauskommen.
„Alles nur da oben?“ von Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá im Theater am Lend

Fotocredit Diana Fedoriaka

Das Ordnen von Gefühlen und Gedanken voller Unsicherheit

Es ist faszinierend, wenn man Klara beim Denken zuschauen kann, wie sie aus den Objekten ihre Gedanken zusammenbaut, und sich nach und nach versucht, darüber klar zu werden, was sie getan hat und wie sie es einordnen kann. Sie sucht nach den Ursachen ihrer Wut und nach Rechtfertigungen. Dabei trifft sie auf die Widersprüche im Leben, auf das, was Mama und Papa ihr mitgegeben haben: grundsätzlich ehrlich zu sein, aber auch stets dazu bereit zu sein, Notlügen von sich zu geben, um mit der Welt da draußen und den Erwachsenen zurechtzukommen. Doch eigentlich geht es in diesem Fall nur um sich selbst und das Eingestehen eines Fehlers. Aber am Ende findet Klara dann doch mit einem Wort aus ihrem Kopf heraus. War doch nicht so schwer, oder ist dieses Eingestehen eines Fehlers nicht das zugleich Schwierigste, aber auch Mutigste überhaupt?
„Alles nur da oben?“ von Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá im Theater am Lend

Fotocredit Diana Fedoriaka

Am Ende gibt es immer einen Ausweg

Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá zaubern in 45 Minuten ins Theater am Lend eine Gedankenwelt, die es in sich hat und andeutet, wie kompliziert und einfach zugleich es sein kann, Ordnung in seine Gefühle zu bringen. Eva Marie Wichmann als Klara zeigt sich sowohl verwirrt und hektisch, und das mit viel Action, als auch überlegt und konzentriert in ihrer sichtbar gemachten Kopfwelt, wenn sie versucht, aus all dem Vorhandenen etwas Neues zu machen, das ihr weiterhilft. Und wir lernen: Es gibt immer einen Weg, aus einer scheinbar ausweglosen Situation herauszufinden, wenn man das Gespräch sucht.
„Alles nur da oben?“ von Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá im Theater am Lend

Fotocredit Diana Fedoriaka

„Alles nur da oben?“ von Vladyslava Chentsova und Kateřina Černá im Theater am Lend

Idee und Konzept: Vladyslava Chentsova, Kateřina Černá Objekte und Regie: Vladyslava Chentsova Text: Kateřina Černá Spiel: Eva Marie Wichmann Kostüme: Yuliia Makarenko Musik: Nick Acorne