Unterhaltsamer Programm-Auftakt zu "Körper - Emotion - Politik"

Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

Text: KUMA-Redaktion - 09.02.2026

Rubrik: Theater
Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

TiB-Polonaise zu den Klängen von Nick Acorne beim 1. Hausball unter dem Titel "POLITIK - KÖRPER - EMOTION", Fotocredit: Christina Romirer,

Das TiB eröffnete die neue Theatersaison am 7. Februar mit einem neuen Format: dem ersten Hausball. Statt Ballroutine gab es eine theatrale „große Sause“ voller Interventionen – im Zeichen von Körper, Emotion und Politik.

Das Theater im Bahnhof startet mit einem besonderen Termin ins Jahr: Am 7. Februar ging der erste Hausball über die Bühne, zeitlich gerade noch passend zur laufenden Ballsaison. Unter dem Titel der „großen Sause im Zeichen von Körper, Emotion und Politik“, zugleich künstlerisches Jahresmotto, wurde allerdings mehr geboten als ein Ballabend im klassischen Sinn. Es war ein Abend aus vielen kleinen Interventionen, mal theatral, mal weniger, in jedem Fall verspielt. Der Abend funktionierte wie eine begehbare Saisoneröffnung, in der das Motto nicht ausgerufen, sondern gemeinsam mit den Gästen ausprobiert wurde.

Eröffnet wurde mit einer Polonaise von Komponist Nick Acorne, die vom TiB-Ensemble grandios performt wurde. Für ungeübte Tänzer:innen gab es Entwarnung: Bei der anschließenden „Walzer“-Melodie war ein Aus-dem-Takt-Geraten kaum möglich.

Zaid Alsalame führte durch den Abend, im schimmernden Outfit und wie gewohnt mit einer Extraportion Herzlichkeit und Humor. Und dann ging es weiter mit dem, was ein Ball sonst noch so verspricht, nur eben in TiB-Sprache: Beim Glückshafen konnte man echte Kinderfotos von TiB-Ensemblemitgliedern samt kurzen Texten, und eine eigene Silhouetten-Fotografie gewinnen, oder ein Quiz mit Ed. Hauswirth in den Kategorien Politik, Emotion und Körper. Im Wohnwagen wurden besondere „Dienstleistungen“ als Gewinn angeboten, darunter eine sehr individuelle Typberatung von Pia Hierzegger oder Reiseempfehlungen der besonderen Art bei Helene Thümmel. Es wurde gebeichtet, es wurden Theaterszenen gezeigt, es wurde gewettet und Emily Heider wurde von einer Undercover-Jury zur "Ballkanzlerin" samt Frottee-Schärpe gewählt.

Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

TiB-Polonaise zu den Klängen von Nick Acorne beim 1. Hausball unter dem Titel "POLITIK - KÖRPER - EMOTION", Fotocredit: Johi/TiB

Selbstgekochtes, Musikalisches und Philosophisches

Für kulinarische Vielfalt und an- bis aufregende Konversation sorgten kochfreudige Freund:innen des TiB, so persönlich, dass man sich am Tisch fast wie zu Besuch fühlte. Im kleinen Rahmen wurde man satt und stolperte ganz nebenbei in unerwartete Gespräche hinein. Aufgetischt wurde an verschiedenen Tischen zu unterschiedlichen Uhrzeiten vom Eintopf mit Würstel und Sauerkraut über Curry bis zur Gemüselasagne, letztere ausgezeichnet gekocht und serviert von den Schauspielhaus-Ensemblemitgliedern Anette Holzmann und Tim Breyvogel.

Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

Pia Hierzegger bei der Stilberatung im Wohnwagen, Fotocredit: Johi/TiB

Musikalisch stand der Ball auf rhythmisch sicheren Beinen. Die Ballband war mit Norbert Wally, Benno Hiti, Herwig Thelen, Sandy, Susanne und Lana-Mei Lopicic hochkarätig besetzt und spannte den Bogen von Schlager bis zu Pop-Evergreens. Dazu gaben auch Ensemble-Mitglieder Lieder zum Besten – etwa „Eternal Flame“ in der schon ein paar Jahrzehnte alten deutschsprachigen TiB-Version von Gabriele Hiti. Später übernahm DJ Ed. Hauswirth.

Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

Emily Heider noch ohne Ballkanzler:innen-Schärpe, Fotocredit: Christina Romirer

Unter den Hammer kam eine Art „Nietzsche-Abo vor Ostern“ – und zwar mit spürbarem Bieter:innenfieber. Drei bis vier Jahre lang liest am Karfreitag ein Schauspieler eine halbe Stunde Nietzsche – am Telefon. Der Erlös der Versteigerung war die Abendgage für den irakischen Moderator ohne Staatsbürgerschaft.

Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

Fotocredit: Christina Romirer

Am Ende stand ein großartiger Abend, emotional, körperlich und vielleicht auch für manche:n politisch anregend. Das TiB zeigte dabei (neue) Gastgeberqualitäten mit Handschrift: phantasievoll, persönlich, bis ins Detail inszeniert und organisiert. Im Publikum mischten sich Freund:innen, Theatermenschen, Künstler:innen, TiB-Stammgäste und Balltiger, die nicht einfach „tanzen gehen“, sondern etwas Eigenes erleben wollten. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr wäre sehr zu wünschen; ein paar helping hands mehr würden dabei nur eines sichern: dass das Ensemble nicht nur diesen feinen Theater-Ball möglich macht, sondern ihn auch von der Tanzfläche aus erlebt.
Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

Gabriele Hiti (li.), Fotocredit: Johi/TiB

Der 1. Theater im Bahnhof-Hausball

Eva Hofer und Lorenz Kabas, Fotocredit: Johi/TiB