Planbarkeit unter Sparvorgaben und neuer Führung

Aktuell: Kulturdialog 2026

Text: Sigrun Karre - 05.02.2026

Rubrik: Kulturland Steiermark
Kulturdialog 2026

Kulturdialog 2026 im Schaumbad Graz, Fotocredit: Keyvan Paydar

Graz – Im Schaumbad traf sich die Grazer Kulturszene zum Kulturdialog erstmals mit der neuen Kulturstadträtin Claudia Unger (ÖVP): Es ging um Sparzwang und Raumnot – und um Vernetzung, mit 900 Jahren Graz 2028 am Horizont und der Koralmbahn als neuer Verbindung nach Klagenfurt.

Der jährlich vom Kulturbeirat der Stadt Graz initiierte Kulturdialog war die erste öffentliche Sitzung im Beisein der neuen Grazer Kulturstadträtin Claudia Unger (ÖVP), die im Herbst 2025 Günther Riegler (ÖVP) nachgefolgt war. Am 4. Februar traf man sich im Schaumbad, dem freien Atelierhaus im Bezirk Gries. Rund 160 Anmeldungen markierten das Interesse am kulturpolitischen Austausch. „Warm anziehen“ war an diesem Abend im etwas unterkühlten Ausstellungsraum weniger Metapher als Rahmenbedingung – und führte direkt zu jenen Fragen, die den Kulturdialog prägten: Räume, Kosten, Verantwortung. Und damit zur zentralen Frage, wie unter Sparvorgaben Verlässlichkeit und Planbarkeit hergestellt werden können.

Nach einleitenden Worten der Beiratsvorsitzenden Sibylle Dienesch (Graz Museum) wurde die Arbeitsweise des Gremiums umrissen. Der Kulturbeirat arbeitet ehrenamtlich und weisungsfrei und begleitet Fragen der Kulturentwicklung sowie größere Vorhaben der Stadt; der Kulturdialog ist das öffentliche Format, in dem Anliegen aus der Szene eingebracht werden.

Budget und Planung

Die Kulturstadträtin eröffnete mit einem Appell zur Weitsicht. „Kulturarbeit muss in einem größeren Zusammenhang gebracht werden“, sagte sie, und betonte: „Es ist wichtig, in größeren Dimensionen zu denken.“ Der Grundton blieb dennoch auffallend pragmatisch: weniger kulturpolitische Erzählung, mehr Vernetzung und Lösungsorientiertheit. Im Zentrum stand die Frage, wie „Verlässlichkeit“ unter Sparvorgaben aussehen kann. Claudia Unger verwies auf enge Rahmenbedingungen und darauf, dass man stabilisieren wolle, wo es möglich ist – und dort, wo es nicht geht, transparenter kommunizieren müsse.


Für die freie Szene wurde als zentrale Botschaft formuliert: Das Förderbudget bleibt 2026 in gleicher Höhe bestehen. Möglich werden soll das durch verschiedene Maßnahmen – genannt wurden die Auflösung von Rücklagen, die Verschiebung von Fair-Pay-Mitteln ins reguläre Budget, ein Ankaufstopp sowie interne Einsparungen. Kulturamtsleiter Michael Grossmann skizzierte die Lage mit Zahlen: Die Haushaltssperre 2025 habe das Kulturressort mit einem Abzug von zehn Prozent betroffen. Rücklagen seien eingesetzt worden, um die Auswirkungen auf Mehrjahresverträge zu dämpfen; als Zielgröße wurde genannt, den Effekt dort auf rund fünf Prozent zu beschränken. Für 2026 sei ein Abzug bereits im Budgetansatz berücksichtigt, auch hier werde eine Begrenzung auf fünf Prozent angestrebt. Der Haken: Rücklagen seien damit weitgehend aufgebraucht – 2027 müsse früh mitgedacht werden.

Kulturdialog 2026

Kulturdialog 2026 im Schaumbad Graz, Fotocredit: Keyvan Paydar

Räume, Auflagen und Ausblick

Richtig konkret wurde es beim Thema Räume. Aus dem Publikum kam die Frage nach einer unbürokratischeren Nutzung von Leerständen – und der Hinweis, dass kleine, oft ehrenamtliche Initiativen weniger an Ideen scheitern als an Genehmigungen, kurzen Nutzungsfenstern und Unsicherheiten. Claudia Unger verwies auf Eigentumsverhältnisse, Eignung und Verhandlungsaufwand. Der Wunsch nach leistbaren, multifunktionalen Räumen in allen Stadtteilen stand im Raum, das Kulturamt verwies auf den rechtlichen Rahmen und Kontrollpflichten.

Zu mehreren Meldungen aus dem Publikum verwies die Stadt auf Zuständigkeiten des Landes. Kritisiert wurden Fälle, in denen die Umstellung des Landes von Jahres- auf Projektförderungen die Planungssicherheit verringert habe. Auch bei der Halle für Kunst Steiermark (ehemaliges Künstlerhaus) wurde eine breitere Nutzung thematisiert; die Stadt verwies auch hier auf Entscheidungen auf Landesebene. Möglich seien Gespräche und Abstimmung.

Weitere Themen waren: Teilhabe junger Menschen, Kulturvermittlung mit verstärktem Fokus auf Kinder und Jugend, Inklusion und stärkere Vernetzung innerhalb der Stadt. Im abschließenden Workshop mit Beteiligungsmöglichkeit aller Anwesenden war Brainstorming zu verschiedenen Themenbereichen gefragt.Als möglicher Bezugspunkt für größere Vorhaben stand zentral 900 Jahre Graz 2028 zur Diskussion. Als Stichwort zum Themenfeld „Vernetzung“ fiel u. A. der #kulturtunnel eine Initiative der IG Kultur zur Vernetzung der freien Szene in Graz und Klagenfurt.