„Frau Picasso“ im Sulmtal

Ausstellung: Kunst von Maria Lassnig im Greith-Haus

Text: Sigrun Karre - 02.07.2023

Rubrik: Kunst

Maria Lassnig, Künstlerin in ihrem Atelier, Wien,.2002 Foto und Copyright© Bettina Flitner

Aktuell zeigt das Greith-Haus in St. Ulrich eine große Sommer-Ausstellung mit Werken von Maria Lassnig. Einmal mehr holt damit das Greith-Haus unter der Leitung von Isabella Holzmann bedeutende Gegenwartskunst in die weststeirische Provinz.

Die aus Kärnten stammende Malerin und Medienkünstlerin, die 2014 95-jährig verstarb, war und ist ist eine der ganz großen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Das beschauliche Nachkriegs-Österreich war zu eng(stirnig) für ihre Köperbewusstseins-Kunst und hat die Künstlerin erst beachtet, als sie längst internationales Renommée erreicht hatte. An der Realisierung der Schau maßgeblich beteiligt war der im letzten Jahr verstorbene Schriftsteller und Greith-Haus-Initiator Gerhard Roth. Die von Peter Pakesch kuratierte Ausstellung spannt einen großen und abwechslungsreichen Bogen von den 1950er Jahren bis 2005 und dokumentiert die Vielfalt des Schaffens der selbsternannten „Frau Picasso“. Pakesch, in der Steiermark ehemals viele Jahre als künstlerischer Leiter des Kunsthaus Graz bzw. des UMJ tätig, hat als Vorsitzender der Lassnig-Stiftung bereits in London und Los Angeles Lassnig-Ausstellungen kuratiert.

Klassiker und Überraschungen

Neben den großformatigen Arbeiten in Öl im großen Ausstellungsraum, darunter einigen Selbstporträts, für die Lassnig bekannt wurde, sind im Souterrain auch weniger typische Exponate zu sehen: kleinformatige Zeichnungen, Aquarelle. „Be-Ziehungen“, so der Titel der Ausstellung, ist einer Bilderserie Lassnigs entliehen, von der zwei Ölbilder in der Ausstellung im Greith-Haus gezeigt werden. Beziehungen waren so essenziell wie kompliziert in Lassnigs Leben und Werk. Ihre Liebesbeziehungen zu großteils jüngeren Künstlern wie Arnulf Rainer oder Oswald Wiener waren turbulent. Aber auch produktiv, wie eine in der Ausstellung gezeigte gemeinsame Zeichnung mit Wiener belegt. Macho-Männer waren nicht nur privat, sondern auch für ihr Weiterkommen als Künstlerin ein Problem, deswegen hieß es erst: ab nach Paris und schließlich nach New York, wie die Künstlerin in der Maria Lassnig Kantate ironisch singt, die in einem Extra-Raum präsentiert wird. Der achtminütige Kurzfilm ist eine Liebeserklärung an das Farbenfroh des Lebens und der Kunst, gibt aber auch Einblicke in eine von männlicher Gewalt geprägte Kindheit und den Sexismus in der Kunstszene der Nachkriegszeit - und in Lassnigs späte Arbeit als Medienkünstlerin inklusive selbstverfasster Reime:  "Ja, man wird älter und die Füße länger/Doch lieb ich jetzt die Welt um so viel mehr/Das Gmüt wird weicher und das Gsicht wird strenger/Statt Liebe hab ich jetzt den Fernseher."   Die Schau, die u.a. auch Exponate aus privaten Sammlungen zeigt, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren, ist noch bis 15. August zu sehen.

Ulrike Rauch

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